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Erweiterte Sprachförderung

Illnau-Effretikon prüft Deutschkurse mit Kinderbetreuung

Dass Deutschkurse angeboten werden, findet das Parlament gut. Der Stadtrat muss nun prüfen, wer das zahlen... kann?

Um sich zu integrieren, braucht es eine bessere Sprachförderung. Das findet das Parlament. (Symbolbild)

Foto: Pixabay

Illnau-Effretikon prüft Deutschkurse mit Kinderbetreuung

Für eine erfolgreiche Integration braucht es Deutschkurse. Das sehen die Parlamentarierinnen und Parlamentarier alle so. Doch ist es überhaupt Aufgabe der Stadt, diese zu fördern?

Auf Spielplätzen ist Simone Schädler (EVP) schon mit der einen oder anderen Mutter ins Gespräch gekommen, die kaum Deutsch spricht. Sie erkundigte sich bei den Frauen nach besuchten Sprachkursen. «Ja, Deutschkurs gut, aber jetzt fertig», zitierte Schädler ein Mami, als sie an der Parlamentssitzung am Donnerstagabend ihre Erfahrungen teilte.

Erfahrungen, die Schädler nicht losliessen; deshalb präsentierte die zweite Vizepräsidentin des Parlaments einen Vorstoss bezüglich der Deutschkurse, die im Zuge des kantonalen Integrationsprogramms in Illnau-Effretikon angeboten werden.

21 Kurse werden bis zum Niveau A2 durchgeführt – in diesen lernt man, sich in einer einfachen Situation routiniert verständigen zu können. Kurse, mit einer Kinderbetreuung inklusive. Die Kosten belaufen sich auf bis zu 260 Franken pro Kurs.

Die Betreuung sei essenziell und würde diese Kurse so zugänglich machen. Anders könnte es sein, dass die Eltern keine Zeit oder keine finanziellen Mittel hätten, um ihre Sprachkenntnisse weiter zu vertiefen.

Ausländerinnen sollen sich selbst organisieren

Jedoch geht Schädler das Niveau der Kurse nicht weit genug. Wäre es möglich, solche Kurse inklusive des Betreuungsangebots bis zu einem höheren Niveau anzubieten? Wie etwa bis zu einem B2, wo man laut ihr genügende Sprachkenntnisse entwickelt hat, um sich zu unterhalten oder zu lesen. Die Parlamentarierin forderte den Stadtrat also auf, eine solche Erweiterung des Angebots zu prüfen.

Schädler wusste, was es grundsätzlich zu diskutieren gab: Ist eine solche Förderung überhaupt die Aufgabe der Stadt? Wenn es nach der SVP ginge, nicht.

«Für die Fraktion hat der Vorstoss einen guten und vertretbaren Ansatz», sagte Thomas Schumacher (SVP). Trotzdem sei es nicht die Pflicht der Stadt, dies zu finanzieren. Das sei Verantwortung jeder Ausländerin und jedes Ausländers selbst.

Frauen sollen beispielsweise auch ihre Ehemänner um das Hüten der Kinder bitten. Oder eine Nachbarin. «Sich selbst zu organisieren, gehört schliesslich zur Integration dazu», argumentierte Daniel Huber (SVP).

Fliessenderes Deutsch, mehr Engagement?

Die SVP sprach sich also gegen den Vorstoss aus. Doch sonstigen Widerstand gab es kaum. Ursprünglich hatte Schädler eine Erweiterung bis zum Niveau C1 vorgesehen – noch eine Stufe fortgeschrittener. Doch sie hat das Niveau im Vorstoss heruntergesetzt, mit der Hoffnung, dass damit mehr Parlamentarierinnen und Parlamentarier mitziehen würden.

Anzupassen hätte Schädler die Stufe anscheinend nicht brauchen – auch wenn einzelne Stimmen wie beispielsweise aus der FDP fanden, dass man mit einem tieferen Sprachniveau bereits integriert sei. Nicht nur aus der GLP, auch aus der Mitte kamen befürwortende Argumente für noch fortgeschrittenere Kurse.

Kilian Meier (Die Mitte) sprach sogar von Kursen bis zur Stufe C2. Durch die Beherrschung der Sprache könnten sich die Ausländerinnen und Ausländer in der Stadt einbringen, was sowieso notwendig sei. «Es ist ein sehr gutes Postulat. Somit könnten sich künftig die Menschen mehr engagieren, sei es als Trainer oder in der Stadtmusik oder wo auch immer», sagte er.

Nach der Sprache kommt das Dorf

«Ich selbst habe die Integration hinter mir und weiss, wie schwierig es sein kann», erklärte Vedat Tüzer aus der SP, der seit über 20 Jahren in der Schweiz ist. Ein Arzttermin werde schnell sehr kompliziert, man sei immer auf jemanden angewiesen. «Soziale Kontakte hat man kaum, man isoliert sich», erzählte er aus eigener Erfahrung.

Das Parlament sprach auch über die Vernetzung von Ausländerinnen und Ausländern. Oft wurde am Donnerstagabend auf das Sprichwort verwiesen, es brauche ein ganzes Dorf, um ein Kind grosszuziehen. «Aber die, die neu sind, müssen sich ihr Dorf erst aufbauen», sagte Silja Benker (Grüne). Und dies gelinge am besten mit dem Beherrschen einer Sprache.

Teil einer nachhaltigen Integration sei auch, die Werte der Schweiz zu vermitteln, fügte Schädler am Ende hinzu. Das beginne schon bei Dingen wie der Abfalltrennung. Die gesellschaftlichen Systeme lerne man in diesen Kursen kennen.

Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben das Postulat an den Stadtrat überwiesen. Einzig die SVP-Fraktion stimmte dagegen. Zwei FDPler enthielten sich der Stimme.

Weitere Beschlüsse

Der Antrag des Stadtrats bezüglich des Kunstrasens beim Sportzentrum Effretikon ist im Parlament genehmigt worden – mit 28 Ja-Stimmen und vier Enthaltungen. Damit wird ein sanierungsbedürftiger Naturrasen ersetzt. Dies war das zweite Mal, dass der Antrag im Parlament diskutiert wurde. Der erste wäre fast zurückgewiesen worden, erhielt aber eine zweite Chance.

Die Kreditabrechnung für den Neubau des Feuerwehr- und Werkgebäudes ist einstimmig genehmigt worden.

Auch die Kreditabrechnung zum Bau des Kindergartens Rosswinkel haben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier einstimmig genehmigt. (mgp)

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