So läuft die Sanierung des Gemeindehauses in Turbenthal
Operation am offenen Herzen
Seit letztem August versteckt sich das Turbenthaler Verwaltungsgebäude hinter einem Baugerüst. Seither hat sich einiges getan. Ein Besuch auf der Baustelle.
Das Turbenthaler Gemeindehaus fristet zurzeit ein tristes Dasein. Ohne Fassade, und auf allen Seiten bis unters Dach eingerüstet, wirkt es für Besucher wenig einladend. Von der Eingangstreppe ist nicht mehr viel zu sehen, sie wird von einer provisorischen Holzrampe überdeckt.
Das Bild ist geprägt von Handwerkerautos, Baumaterialien und Arbeitern. Die Aussensanierung des Gebäudes mit Jahrgang 1963 ist in vollem Gange. Sie hat im vergangenen Spätsommer ihren Anfang genommen, seither steht das Baugerüst.
Es ist die erste umfassende Sanierungsmassnahme, und laut Hochbau- und Liegenschaftenvorsteherin Katharina Fenner (FDP) ist sie bitter nötig. «Bei den Überprüfungen hat sich gezeigt, dass es an verschiedenen Stellen durch die Fassade zieht», sagt sie. Daher war klar: Es braucht eine bessere Isolation.
Teurer als geplant
Auch die zum Teil über 60-jährigen Fenster genügten den heutigen Anforderungen nicht mehr. Deswegen entschied sich die Gemeinde für eine Sanierung.
Die Kosten belaufen sich voraussichtlich auf 1,7 Millionen Franken. Ursprünglich war der Gemeinderat von tieferen Beträgen ausgegangen. Im Budget 2024 hatte er für das Vorhaben noch 800’000 Franken vorgesehen.
Mit ein Grund ist die integrierte Lüftung, deren Einbau erst nachträglich geplant wurde. Sie kostet knapp 400’000 Franken. «Wir hatten zuerst gehofft, dass es ohne geht», erklärt Fenner. Es brauche sie aber, um in den Sommermonaten die Räume zu kühlen.
Laut der Gemeinderätin ist es in den letzten Jahren für die Verwaltungsangestellten immer schwieriger geworden, in den oberen beiden Etagen zu arbeiten. «An heissen Tagen klebte ihnen jeweils der Schweiss auf der Haut», sagt sie. «Das ist für die Mitarbeitenden eine Zumutung.»
In Zeiten des Fachkräftemangels, vor dem auch die Gemeindeverwaltung nicht gefeit sei, müsse man attraktive Arbeitsplätze bieten können. Lüftungen, die für gutes Raumklima sorgen, gehören mittlerweile zum Standard.
Da die Sanierungsarbeiten im Gemeindebudget unter gebundene Ausgaben fallen, musste die Bevölkerung nicht darüber abstimmen. Sie wurde an einer Gemeindeversammlung lediglich über die Pläne informiert. Trotzdem hat es für Irritation gesorgt, als das Baugerüst plötzlich stand und die alte Fassade heruntergerissen wurde.
«Die Leute waren verunsichert, weil sich etwas verändert», sagt sie. Deswegen organisierte der Gemeinderat im vergangenen Dezember eine Info-Veranstaltung, um Bedenken auszuräumen. «Wir haben es uns zu Herzen genommen, dass die Bevölkerung besser informiert sein will.»
Weniger rot, dafür mehr cremefarbig
Am Gemeindehaus verändert sich durch die Sanierung nicht alles. Die Form des Gebäudes bleibt gleich. Wegen der neuen Isolierung wird es lediglich auf jeder Seite ein bisschen breiter. Trotzdem gibt es verschiedene Optimierungen.
So wird die weisse Fassade mit den roten Elementen einem Verputz in cremefarbiger Natursteinoptik weichen. «Eine echte Steinfassade wäre zwar langlebiger, aber finanziell nicht machbar», meint Fenner.
Als weitere Massnahme erhält der Eingangsbereich ein Facelifting: Er ist nun von Holzelementen geprägt, die den neuen Schaukasten sowie die Fensterfront mit der Tür einrahmen. Sie geben bereits einen ersten Vorgeschmack, wie sich das Gemeindehaus künftig seinen Besuchern präsentieren will: freundlicher und repräsentativer.
Zudem ist der Velounterstand an der Südseite samt Vordach verschwunden. An seine Stelle ist eine neue Rollstuhlrampe mit direktem Zugang zum Eingangsbereich gerückt. Sie ersetzt die alte mit ihrem dominanten roten Geländer.


Katharina Fenner freut sich darauf, wenn die Bauarbeiten nach einem guten Dreivierteljahr abgeschlossen sein werden. Verläuft alles nach Plan, sollte Anfang April die neue Fassade fertig aufgezogen sein. Dann verschwindet auch das dominante Gerüst. Damit sich die Bevölkerung ein Bild von ihrem neuen alten Gemeindehaus machen kann, ist am 17. Mai ein Tag der offenen Tür geplant.
Warten auf die Solarpanels
Ganz fertig ist die Sanierung dann aber noch nicht. Bei der geplanten Solaranlage ist Warten angesagt. «Die Lieferfrist beträgt mehr als ein halbes Jahr», so Fenner. Sind die Panels einmal da, werden sie an die Fassade an der Südseite Richtung alte Stickerei angebracht. Sie sollen das ganze Jahr über Strom für das Gemeindehaus liefern. «Es gibt kein Kraftwerk», betont die Gemeinderätin. Ist die Produktion jedoch höher als der Eigenverbrauch, wird der Strom ins allgemeine Netz eingespeist.
Zudem werden die neuen Sonnenstoren erst Ende Mai geliefert. Da sie alle auf Mass sein müssen, konnte die Gemeinde sie erst bestellen, nachdem die 80 neuen Fenster fixfertig eingebaut und ausgemessen waren.
Während sich die Bauarbeiter an der Fassade zu schaffen machen, läuft der Betrieb der Verwaltung im Innern auf Hochtouren. Die Mitarbeitenden kümmern sich während der üblichen Öffnungszeiten um die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger. Keine einfache Aufgabe, wenn um einen herum gebohrt und gehämmert wird oder plötzlich alle Fenster verschwinden.
Alle diese Faktoren erschwerten nicht nur die Planung der Arbeiten, sondern auch die Umsetzung. Deswegen ist die Liegenschaftenvorsteherin überzeugt: «Ein bestehendes Gebäude zu sanieren, ist aufwendiger, als ein neues zu bauen.»