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Wie stark weichen die Baukosten in Uster vom Budget ab?

Wie viel Geld gibt die Stadt Uster effektiv für ihre Bauprojekte aus? Mehrere Gemeinderäte forderten zu dieser Frage Antworten.

Bauprojekte kosten Geld. Doch wie gut hält sich die Stadt Uster an die Kostenvorgaben? (Symbolbild)

Foto: Fabio Meier

Wie stark weichen die Baukosten in Uster vom Budget ab?

Bauen und bezahlen

Ist ein Baukredit bewilligt, wird ein Bauprojekt umgesetzt. Die effektiven Kosten können dann aber vom Budget abweichen. Deshalb wollten Ustermer Gemeinderäte wissen, ob die Stadt ihre Ausgaben im Griff hat.

Eine wachsende Stadt muss bauen. Neue Wohnungen, neue Schulen, neue Kulturräume. In Uster stehen in den kommenden Jahren hohe Investitionen bevor. Auf satte 33,4 Millionen Franken beziffern sich die Nettoinvestitionen im laufenden Budget. «Dieses Investitionsvolumen ist für die Stadt nicht tragbar», sagte Stadtrat Cla Famos (FDP) im vergangenen Oktober.

Grund für die hohen Investitionen sind gleich mehrere grosse Projekte. So beispielsweise das geplante Seerestaurant Schifflände mit 3,75 Millionen und das Kulturzentrum auf dem Zeughausareal mit insgesamt 36,6 Millionen Franken. Die Projektkosten können sich dabei auf mehrere Jahre verteilen.

Doch das Parlament und die Bevölkerung beschäftigen sich nur sporadisch mit den Millionenprojekten. Meist dann, wenn wieder eine Bewilligung von konkreten Geldbeträgen fällig wird. Wie teuer Bauprojekte nach Abschluss tatsächlich sind, wird dabei erst Monate oder Jahre später klar.

Der GLP-Parlamentarier Marco Kranner forderte im Herbst in Form einer Interpellation mit fünf weiteren Unterzeichnenden aus GLP, SVP und FDP deshalb: Der Stadtrat soll die Ausgaben der Bauprojekte der vergangenen fünf Jahre auflisten. Dabei sollte gekennzeichnet werden, wie stark die tatsächlichen Kosten vom Budget abweichen.

Stimmt das Gefühl?

Wie die Unterzeichnenden in der Interpellation schreiben, beanspruchen Bauvorhaben einen grossen Teil des Budgets. Anhand einiger Meldungen im Gemeinderat wurden die Interpellanten auf Abweichungen in den Planungs- und Umsetzungskosten aufmerksam.

Die Parlamentarier vermuteten, dass die effektiven Baukosten häufig die budgetierten Beträge überschreiten könnten. «Deshalb wollte ich ein Gefühl dafür entwickeln, wie häufig solche Ausreisser vorkommen», erklärt Erstunterzeichner Kranner.

Ausgaben mit Toleranz

Doch ein Vergleich scheint auf den ersten Blick gar nicht mal so einfach. Denn ein Bauprojekt durchläuft verschiedene Stufen – von der ersten strategischen Planung, Vorstudien, einem Projektierungskredit über die Ausschreibung bis hin zur Realisierung.

Auf dem Weg bis zu einem finalisierten Bauprojekt bewilligt der Stadtrat – und je nach Grösse des Betrags auch der Gemeinderat und die Bevölkerung – entsprechende Kredite. In einem ersten Schritt betrifft dies den sogenannten Projektierungskredit, später den Kredit für das Vorprojekt, dann denjenigen für das konkrete Bauprojekt. Der Ablauf orientiert sich dabei an einem gesetzlich vorgeschriebenen Prozess.

Je nach Kredit gilt dabei eine Kostentoleranz von anfangs 20 bis 25, zuletzt von 10 Prozent. Die Kostengenauigkeit nimmt demnach im Verlauf der Planung stetig zu.

Ein Beispiel zur Veranschaulichung: Wird für die definitive Umsetzung ein Baukredit von 100’000 Franken gesprochen, dürfen sich die effektiven Ausgaben in der Toleranz von 10 Prozent, also in einer Preisspanne von 90’000 bis 110’000 Franken, bewegen.

Hunderttausende Franken gespart

Um nun die Ausgaben der Stadt Uster genauer unter die Lupe zu nehmen, hat der Stadtrat eine Liste mit den Ausgaben aller abgeschlossenen Bauprojekte der letzten zwei Jahre zusammengestellt. Jedoch forderten die Gemeinderäte eine Übersicht zu den vergangenen fünf Jahren.

Der zuständige Stadtrat und Finanzvorsteher Cla Famos erklärt, dass der Aufwand dafür aber unverhältnismässig gross gewesen wäre. Auf Nachfrage beteuert er, dass sich die Kostenabweichungen der vorangegangenen Jahre in einem ähnlichen Rahmen bewegen würden.

Wie viel kosteten denn nun die Bauprojekte? 2023 und 2024 gab Uster rund 19,2 Millionen Franken für Bauprojekte aus. Rechnet man die Budgets der insgesamt 55 Projekte zusammen, hätte allerdings ein Betrag von rund 20,1 Millionen Franken zur Verfügung gestanden. Unter dem Strich sparte Uster somit mehr als 900’000 Franken.

«Ich bin von den Resultaten positiv überrascht», sagt Kranner. «Irgendwie kann ich es fast nicht glauben, dass alles im Rahmen des Budgets liegt.» Theoretisch hätten die gesamten Ausgaben im Bereich von rund 18,1 bis 22,1 Millionen Franken liegen dürfen.

Allerdings muss man das positive Ergebnis etwas relativieren. Denn den Grossteil des Betrags sparte die Stadt mit einem einzigen Projekt. Die Sanierung der mechanischen Abwasserreinigung der Ara Jungholz schloss mit gut 700’000 Franken unter Budget ab.

Diese zwei Projekte waren zu teuer

Taucht man tiefer in die Zahlen ein, zeichnet sich ein solides Bild ab: Der Grossteil der Ustermer Bauprojekte schnitt prozentual gerechnet günstiger ab als zuvor budgetiert. Konkret sind es 70 Prozent aller Bauprojekte, die mit Minderkosten abschlossen. Rund ein Drittel war zudem um mehr als 10 Prozent günstiger und unterschritt somit die rechnerische Toleranz von 10 Prozent.

Schweift der Blick hingegen auf die negativen Ausreisser, lassen sich zwei Bauprojekte finden, welche die gesetzliche Kostentoleranz überschritten. 2023 kostete die Ersatzbeleuchtung der Buchholzhalle über 23’000 Franken respektive 11,4 Prozent mehr. Somit liegen die Ausgaben mit rund 2800 Franken über der gesetzlichen Toleranz.

Besonders auffällig ist allerdings die Instandsetzung des Schulhauses Oberuster. Konkret erhielten die Aussenwände entlang der Strasse, des Velounterstands sowie des Nebengebäudes und der Abgang zur Turnhalle eine Spezialbeschichtung zum Schutz vor Graffiti. Zusätzlich wurden die Aussenwände zweier Kellerräume abgedichtet, da sich an diesen Schimmel bildete, und eine sogenannte Wassersperre eingebaut.

Das Budget für die Instandsetzung: 75’000 Franken. Die effektiven Kosten: 98’201 Franken. Die Ausgaben liegen hier mit über 23’000 Franken, prozentual mit 30,9 Prozent, über dem bewilligten Budget.

Doch wie entstehen solche Ausreisser überhaupt? «Das ist sehr projektspezifisch. Da müsste man jedes einzelne Bauprojekt im Detail betrachten», erklärt Finanzvorsteher Cla Famos. Die Gründe für die Kostenüberschreitungen würden jeweils nach Abschluss des Projekts in der Bauabrechnung ausgewiesen.

Im Fall des Graffitischutzes und der Sanierung der Keller im Schulhaus Oberuster begründete die Primarschulpflege die höheren Ausgaben folgendermassen: Da es sich um ein grobes Mauerwerk handelt, wurden wesentlich mehr Material und Arbeitszeit zum Ausgleichen der Oberfläche benötigt.

Was tun bei Mehrkosten?

Damit die Stadt Mehrkosten jedoch früh erkennen kann, setzt sie für Bauprojekte sogenannte Steuergruppen ein. Diese bestehen normalerweise aus politischen Vertretern, solchen von der Verwaltung und aus Baufachleuten, welche die Projekte begleiten.

Überschreitet ein Bauprojekt das Budget, befasst sich zuerst jene Steuergruppe mit den Mehrkosten. Diese hat je nach Zusammensetzung einen unterschiedlich hohen Entscheidungsspielraum.

Grundsätzlich werden gemäss Stadtrat Famos aber bei höheren Kosten immer mögliche Einsparungen geprüft. Liegen die Mehrkosten dennoch über der gesetzlichen Toleranz, wird ein Nachtragskredit beantragt. Der Stadtrat wird im Prozess regelmässig über den aktuellen Stand der Bauprojekte informiert.

Zu den angegebenen Massnahmen ist der GLP-Gemeinderat Kranner etwas enttäuscht: «Hier würde ich gerne ein Gefühl dafür entwickeln, wie die konkreten strategischen Massnahmen aussehen.» Seitens des Stadtrats hätte er sich hier eine ausführlichere Antwort gewünscht.

Einen weiteren politischen Vorstoss habe er aber nicht geplant, da er mit den Zahlen und Antworten grundsätzlich zufrieden sei. Der Ustermer Gemeinderat nahm an seiner Sitzung vom 10. Februar die beantwortete Interpellation zur Kenntnis, das Geschäft ist somit erledigt.

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