Oberländer Polit-Urgestein Rosmarie Zapfl zu einer möglichen Bürgin-Kandidatur
Nachgefragt bei einer alt Nationalrätin
Die ehemalige CVP-Vizepräsidentin und alt Nationalrätin Rosmarie Zapfl kann nachvollziehen, weshalb sich so viele Bundesratskandidaten frühzeitig aus dem Rennen nehmen.
Mit Hochdruck ist die Mitte-Partei daran, eine mögliche Bundesratsnachfolge für Viola Amherd zu finden. Dass in den letzten Tagen ein Kandidat nach dem anderen abwinkte, ist für Politik-Urgestein Rosmarie Zapfl aus Rüti (86, CVP) nicht verwunderlich. «Mit der Rolle des Bundesrats wird die eigene Person schlagartig in die Öffentlichkeit gerückt.»
Als Vorkämpferin der Frauenrechte würde es Rosmarie Zapfl sehr begrüssen, wenn mit der möglichen Mitte-Kandidatin Yvonne Bürgin (Rüti) wieder eine Frau in den Bundesrat gewählt würde. Ihrer Meinung nach brauche es mindestens drei Frauen, damit der Bundesrat einigermassen im Gleichgewicht sei.
«Nachdem über 100 Jahre hinweg nur Männer politisiert hatten, haben wir es endlich geschafft, Frauen nach Bundesbern zu bringen», sagt sie in resolutem Ton, «da wäre es ein grosser Rückschritt, wenn wir uns das wieder nehmen lassen.»
Zapfl weiss, wovon sie spricht, war sie vor Jahren doch in exakt derselben Ausgangslage wie heute Yvonne Bürgin. «Als Vizepräsidentin der CVP Schweiz wurde ich als Bundesratskandidatin gehandelt», erinnert sie sich zurück. Schliesslich sei CVP-Präsident Berti Durrer ins Rennen gegangen, dessen Amt sie währenddessen zusätzlich habe bekleiden müssen. «Er wurde dann aber nicht in den Bundesrat gewählt.»
Entscheidung mit Folgen
Es liegt der rüstigen Politikerin fern, über die Qualitäten von Yvonne Bürgin als möglicher Bundesrätin zu urteilen. «Ich bin zu weit weg vom aktuellen Geschehen in Bern.»
Sie rät Bürgin und allen anderen möglichen Anwärtern jedoch, sich diesen Schritt sehr gut zu überlegen. «Wenn sich Familienmenschen in einem solch intensiven Amt engagieren, müssen sie tagtäglich Kompromisse eingehen.»
Nur schon wer als möglicher Kandidat gehandelt werde, sei sehr stark exponiert und erscheine regelmässig in den Zeitungen. Mit einer Familie im Hintergrund trage dieser Umstand ungleich schwerer auf. «Wer möchte schon seine Familienmitglieder öffentlich an den Pranger stellen?», lautet die provokative Frage von Zapfl. Damit spricht sie unter anderem den Geldwäscherei-Skandal um den Ehemann von alt Bundesrätin Elisabeth Kopp (FDP) an.
Dass sich bisher viele der männlichen Politiker aus familiären Gründen gegen eine Kandidatur entschieden haben, spricht gemäss Zapfl für ein modernes, emanzipiertes Familienbild: «Das sind Fortschritte, über die ich mich freue.»
Zur Person
1967 wurde Rosmarie Zapfl zur Präsidentin des Katholischen Frauenvereins gewählt, drei Jahre später trat sie in die Frauenbundsbewegung ein. Ihre politische Laufbahn begann sie 1974 im Dübendorfer Gemeinderat, den sie 1977/1978 präsidierte – als erste Frau im Kanton Zürich.
1978 folgte die Wahl zur ersten Stadträtin in Dübendorf; der Exekutive gehörte sie bis 1990 an. Nach einer Legislatur in der Katholischen Kirchenpflege schaffte sie 1995 die Wahl in den Nationalrat, in dem sie bis 2006 politisierte.
Zapfl war Vizepräsidentin der CVP Schweiz, sie präsidierte die CVP international und sass im Europarat. Bis 2014 war sie zudem Präsidentin von Alliance F.
