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Verkehr und Verschmutzung – eine geplante Deponie wühlt Ringwil auf

Konkret sind die Pläne für die Deponie Bodenweid noch nicht. Doch die Gemeinde stärkt der Ringwiler Bevölkerung in ihrem Widerstand den Rücken.

Wird auf dieser Wiese in ferner Zukunft Abfall deponiert? Der Kanton will den Standort Bodenweid bei Ringwil in den Richtplan eintragen.

Foto: Lennart Langer

Verkehr und Verschmutzung – eine geplante Deponie wühlt Ringwil auf

Deponie Bodenweid

Konkret sind die Pläne für die Deponie Bodenweid noch nicht. Doch die Gemeinde stärkt der Ringwiler Bevölkerung in ihrem Widerstand den Rücken.

Eine Petition mit rund 300 Unterschriften hat der Dorfverein Ringwil im vergangenen Herbst bei Baudirektor Martin Neukom (Grüne) eingereicht. Dies entspricht ungefähr der Einwohnerzahl des kleinen Dorfs am Bachtel, das zur Gemeinde Hinwil gehört. Das dringliche Anliegen: Der Kanton soll auf den Bau einer Abfalldeponie im Gebiet Bodenweid verzichten.

Seither hat sich die Aufregung im beschaulichen Ort nicht gelegt. Ganz im Gegenteil. Am Donnerstagabend war die kleine Schüür im Dorfkern bis zum Bersten voll. Auf Einladung des Dorfvereins erklärten zwei Vertreter des Amts für Wasser, Energie und Luft (Awel) der besorgten Bevölkerung die kantonalen Pläne.

Gut 100 Personen interessierten sich für die Ausführungen. Sie hatten sich auf Festbänke zwischen Kuhglocken und einem Boxsack gezwängt. Mitgebracht hatten sie viele Fragen und teilweise auch Wut im Bauch.

Viele Menschen in einer Scheune.
Grosses Interesse an den kantonalen Plänen: Die Schüür in Ringwil war bis auf den letzten Platz gefüllt.

Eine Deponie im Gebiet Bodenweid will niemand von ihnen. Die Gründe für die Ablehnung sind zahlreich. Im Kern ging es aber vor allem um zwei Themen: den zusätzlichen Verkehr durch die Bewirtschaftung der Deponie und die Gefahr durch die Schadstoffe im abgelagerten Material.

Zeitraum von 30 bis 40 Jahren

Doch was ist in Ringwil überhaupt geplant? Die Deponie Bodenweid ist einer von 23 Standorten, die der Kanton im Rahmen der Gesamtschau Deponien zur Aufnahme in den Richtplan prüft. Hier soll Material des Typs B abgelagert werden. Es handelt sich dabei um schwach belastete Abfälle oder Aushub von Baustellen.

Der Umsetzungsprozess befindet sich noch im Anfangsstadium. Bis zum 14. März liegen die Unterlagen öffentlich auf. Bis dann kann sich die Bevölkerung mit ihren Bedenken einbringen. Anschliessend folgen weitere politische und planerische Schritte.

Insgesamt sind die Pläne also noch sehr unkonkret. Mehrfach betonten die Awel-Vertreter, dass erst weitere Abklärungen gemacht werden müssen. Ein Standardverfahren, währenddessen sich auch herausstellen kann, dass ein Standort doch nicht für eine Deponie geeignet ist.

Ringwil käme voraussichtlich sowieso erst in 30 bis 40 Jahren als Standort zum Zug. Die Deponie Bodenweid ist als Ersatzstandort für die Deponie Goldbach im Grundtal bei Wald vorgesehen. Diese befindet sich zwar schon länger im Richtplan, gebaut wurde sie aber noch nicht.

Kommen Wasserquellen in die Quere?

Dennoch sind die Sorgen in der Bevölkerung schon jetzt gross. Und Balthasar Thalmann, der stellvertretende Amtschef des Awel, machte auch klar: «Es gibt keinen Plan B zu Deponien. Es gibt Abfälle, die irgendwo abgelagert werden müssen.»

Dennoch versuchte Thalmann gemeinsam mit Daniel Locher, dem Projektleiter der Gesamtschau Deponien, die Bedenken der Bevölkerung anzuhören und zu besänftigen. Letzteres gelang aber nur bedingt.

Zwei Männer halten eine Präsentation ab.
Daniel Locher (links) und Balthasar Thalmann vom Amt für Wasser, Energie und Luft (Awel) stellten sich den kritischen Fragen der Ringwiler Bevölkerung.

Zwar betonten die Awel-Vertreter beispielsweise mehrfach, dass die Zufahrtsroute noch nicht abschliessend feststeht. Allerdings ist klar, dass die Strecke durch bewohnte Gebiete führen würde – sei dies nun durch Ringwil und Hinwil, durch Ettenhausen oder durch Wetzikon. 10 bis 20 Lastwagen könnten gemäss einer noch sehr vagen Prognose künftig jeden Tag über die teilweise engen Strassen rollen.

Das zweite grosse Thema des Abends beschäftigt vor allem die unmittelbaren Anwohner – und damit auch die Stadt Wetzikon. So war es denn auch der Wetziker Stadtrat Heinrich Vettiger (SVP), der auf die zahlreichen Quellen in direkter Umgebung des Deponiestandorts hinwies. Die Sorge: Das abgelagerte Material könnte trotz dem abgedichteten Deponiebecken das Grundwasser verschmutzen.

«Das ist eine Knacknuss», räumte Projektleiter Daniel Locher ein. Allerdings hätten sie bei praktisch allen Standorten ähnliche Fragen zu klären. Diese Überprüfung würde aber erst innerhalb der nächsten Sondierungen geschehen. Bisher geht das Awel davon aus, dass die Bodenweid ein geeigneter Standort ist. «Wenn sich die bisherigen Annahmen als falsch erweisen, gibt es keine Deponie», so Thalmann.

Gemeinde will mit Kanton sprechen

Gemeindepräsident Andreas Bühler (SP) liess durchblicken, dass auch die Gemeinde nicht viel von den kantonalen Deponieplänen in Ringwil hält. «Der Gemeinderat will im Namen der Bevölkerung genau hinschauen.»

Eine offizielle Stellungnahme zum Projekt steht noch aus. Für den Moment spielte Bühler den Ball an die Bevölkerung zurück: «Je mehr Einwendungen eingehen, desto mehr Gedanken muss sich die Baudirektion machen.»

Mit der Baudirektion befinde sich der Gemeinderat bereits in intensiven Diskussionen – allerdings nicht nur wegen der geplanten Deponie. Denn die Gemeinde fühlt sich insgesamt ungerecht behandelt.

Sie will darum eine Gesamtprüfung verschiedener kantonaler Projekte auf dem Gemeindegebiet vornehmen, wie Bühler klarmachte. «Wir sind inzwischen bekannt dafür, dass man alles in Hinwil deponieren kann. Darüber müssen wir mit dem Kanton sprechen.»

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