Steuerfüsse im Tösstal treten an Ort
Am günstigsten ist es – noch – ab vom Schuss
Während im Zürcher Oberland einige Gemeinden ihre Steuern erhöhen, bleibt es im Tösstal ruhig. Doch das Niveau ist ohnehin schon hoch.
Auf 2023 hin ging durch die ganze Region ein Ruck. Die Steuerfüsse gerieten in Bewegung. Fast die Hälfte der Oberländer und der Tösstaler Gemeinden senkte damals ihren Satz. Die meisten – wie Wildberg oder Turbenthal – gingen um 2 Prozentpunkte runter, einige wie Wila gar um 3. Und Wila setzte im Jahr 2024 nach und strich gleich nochmals einen Prozentpunkt.
Nun hat das Pendel umgeschlagen. Im Zürcher Oberland erhöhen gleich sechs Gemeinden – Greifensee, Schwerzenbach, Fehraltorf, Illnau-Effretikon, Grüningen und Hinwil – für 2025 ihre Steuersätze. Wobei dies im Fall von Hinwil noch nicht in Stein gemeisselt ist. Das Budget der Schule und damit auch die Erhöhung um satte 10 Prozentpunkte wurden zurückgewiesen. Damit startet die Gemeinde mit einem Notbudget ins Jahr 2025. Die Schulpflege muss nun ein neues Budget erarbeiten und dieses Mitte März nochmals der Stimmbevölkerung vorlegen.
Stabilität und Gratiswasser
Anders sieht es im Tösstal aus. Alle sieben Gemeinden setzen auf Konstanz und behalten ihre Steuerfüsse auf bisheriger Höhe. Wobei dies nicht überall unbestritten war. In Turbenthal etwa hatte die FDP bereits im Sommer eine Reduktion um 3 Prozentpunkte gefordert.
Dies hätte jedoch eine Kürzung des Finanzausgleichs mit sich gebracht. Deshalb entschied der Gemeinderat, der Bevölkerung ein Jahr lang die Wassergebühren zu erlassen. Damit spart jeder Haushalt 270 Franken – statt der rund 30 Franken, die ein durchschnittlicher Steuerzahler bei einer Steuerfussreduktion weniger bezahlen müsste.


So passierte an der Budgetgemeindeversammlung der bisherige Satz von 122 Prozent ohne Opposition. Dieser setzt sich allerdings neu zusammen. Um eine ausgeglichene Rechnung zu erreichen, muss die Primarschulgemeinde höhere Erträge erzielen – und das geht aktuell nur über eine Steuerfusserhöhung um 2 Prozentpunkte auf 60 Prozent.
Laut der Schulgemeinde soll der Steuerfuss die nächsten Jahre auf diesem Niveau bleiben. Im Gegenzug senkt die Politische Gemeinde ihren Steuerfuss um 2 Prozentpunkte und belastet den Aufwandüberschuss von 532’060 Franken dem Eigenkapital. Die Sekundarschulgemeinde Turbenthal-Wildberg lässt ihren Steuerfuss unangetastet.
Finanzausgleich versus Steuersenkung
Auch in Zell wurde eine Steuersenkung verlangt, dort allerdings von der Rechnungsprüfungskommission (RPK). Gleich 4 Prozentpunkte weniger standen zur Diskussion. RPK-Präsident Michael Stahel (FDP) mahnte, die Gemeinde solle nicht «nach Steuergeldern fragen und diese dann horten».
Dazu kreidete er der Gemeinde mangelnden Sparwillen an: «Wenn es zwei Varianten gibt, wählen wir die teurere – das ist für mich sinnbildlich für die Finanzen dieser Gemeinde.» Doch diese Argumente verfingen nicht. Zu gross waren bei der Mehrheit der anwesenden Stimmberechtigten die Bedenken, dass ein tieferer Steuerfuss nicht lange gehalten werden und sich zudem negativ auf den Finanzausgleich auswirken könnte.

Obwohl Wildberg bereits auf rekordhohen 127 Prozent steht, ist dort sparen angesagt. So hat der Gemeinderat nach Diskussionen mit der RPK Investitionen aus dem Budget 2025 gestrichen. «Wir schnallen den Gürtel zwei Löcher enger», betonte Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP) an der Budgetgemeindeversammlung. «Das heisst nicht, dass die Kosten nicht auf uns zukommen.» Der RPK-Präsident betonte, dass das Budget mit den vorgesehenen Kürzungen für 2025 noch durchgehe. «Was 2026 sein wird, werden wir sehen. Es wird nicht einfacher für eine kleine Gemeinde.»
Die Extreme in der Region
Von den drei Oberländer Bezirken hat der Bezirk Hinwil weiterhin die höchsten Steuersätze: Im Durchschnitt sind es 117 Prozent – angenommen, der Satz in Hinwil wird 122 Prozent betragen. Nur knapp besser sieht es im Bezirk Pfäffikon aus, wo der Schnitt bei 115 Prozent liegt. Weit tiefer liegt diese Messgrösse im Bezirk Uster: 100 Prozent.
Von solchen Werten kann das Tösstal nur träumen. Der Durchschnittssatz der sieben Gemeinden, die zu den Bezirken Winterthur, Pfäffikon und Hinwil gehören, beträgt weiterhin fast 123 Prozent.
Das traditionelle Steuerparadies des Oberlands liegt am Greifensee. Lediglich 85 Prozent verlangt Maur. Demgegenüber kennt Wildberg weiterhin die höchste Steuerlast. Die kleine Gemeinde ist mit einem Steuerfuss von 127 Prozent alleiniger Spitzenreiter.
Die grösste Spanne zwischen der günstigsten und der teuersten Gemeinde innerhalb eines Bezirks ist im Bezirk Uster zu finden. Satte 27 Prozent beträgt dort die Differenz zwischen Maur und Uster. Dieses Verhältnis sieht im Tösstal ganz anders aus. Zwischen Zell und Wildberg liegen gerade einmal 9 Prozentpunkte.
Der Sonderfall im Seitental
Nicht eingerechnet ist da allerdings der Sonderfall Steinenbach. Der Turbenthaler Weiler schickt seine Primarschüler nach Wila – vorläufig noch. Und die Primarschule dort verlangt einen viel tieferen Steuersatz. Dieser wird zwar jetzt auf 50 Prozent erhöht, doch mit einem Gesamtsteuerfuss von 112 Prozent ist der kleine Fleck weiterhin das Tösstaler Steuerparadies.


Der Sonderfall steht allerdings vor seinem Ende. So haben die Bezirksräte Pfäffikon und Winterthur im Streit um die Grenzen der Primarschulen Wila und Turbenthal dieses Jahr den Primarschulgemeinden unmissverständlich den Auftrag erteilt, die Grenzbereinigung zu vollziehen.
Konkret bedeutet das, dass die Turbenthaler Weiler – darunter Tablat und die rechte Seite des Steinenbachtals – nicht mehr Teil der Primarschulgemeinde Wila sein dürfen, sondern zu Turbenthal gehören müssen. Wann die neuen Grenzen in Kraft treten, hängt also auch davon ab, ob es zu Rekursen kommt.
Verläuft alles reibungslos, rechnen die Bezirksräte damit, dass dies auf Anfang des Schuljahrs 2026/2027 der Fall sein wird. Damit Kinder weiterhin dieselbe Schule besuchen dürfen, empfiehlt die Aufsichtsbehörde den beiden Schulpflegen, für die Betroffenen Anschlussverträge abzuschliessen. Die Primarschulgemeinde Turbenthal würde dann für den Schulbesuch in Wila bezahlen.
