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Tösstaler Gemeindepräsidenten weibeln gegen Fusion von Wildberg und Pfäffikon

Wildberg will fusionieren – und das möglichst bald. Dass man sich in Richtung Pfäffikon orientiert, halten Wila und Turbenthal für einen Fehler.

Haben die drei Herren ausreichend miteinander gesprochen? Simon Mösch (links) und René Gubler (rechts) wollen Dölf Conrad (Mitte) mit seinem Wildberg nur ungern nach Pfäffikon ziehen lassen.

Fotos: André Gutzwiller/PD

Tösstaler Gemeindepräsidenten weibeln gegen Fusion von Wildberg und Pfäffikon

«Gemeinsame Geschichte, gemeinsame Zukunft?»

Liegt die Zukunft der kleinen Gemeinde in Pfäffikon? Das entscheiden die Wildberger Anfang Februar. Jetzt schalten sich die Gemeinderäte von Wila und Turbenthal ein. Ein Ja an der Urne würde in ihren Augen vieles kaputt machen.

Am 9. Februar 2025 fällen die Bürgerinnen und Bürger von Wildberg einen Grundsatzentscheid: Soll die Gemeinde Fusionsverhandlungen mit Pfäffikon aufnehmen? Sagen die Wildberger ja, bringt die grosse Nachbarin im Mai dieselbe Frage an die Urne.

Der herannahende Urnengang ruft die Gemeinderäte von Turbenthal und Wila auf den Plan. In einem Schreiben mit dem Titel «Gemeinsame Geschichte, gemeinsame Zukunft?» geben sie sich enttäuscht vom Lauf der Dinge.

«Die Gemeinderäte aus Wila und Turbenthal fänden eine Zustimmung sehr bedauerlich, denn Wildberg ist ein wichtiger Teil unseres schönen Tösstals!», schreiben sie.

Im Kern geht es den beiden Gremien um die bestehenden Zusammenarbeiten mit Wildberg: die Schulen, das Schwimmbad Neuguet, die Feuerwehr, die Alterspflege, um nur einige zu nennen.

Sie sind der Überzeugung: Eine Fusion würde diese «langjährige und sehr bewährte» Zusammenarbeit beenden oder zumindest stark infrage stellen.

Sie nennen aber auch «weiche Faktoren», weshalb Wildberg und Pfäffikon ihrer Meinung nach nicht so richtig zusammenpassen. So gebe es zwischen den beiden keine geografischen, kulturellen oder historischen Berührungspunkte, und auch keine langjährigen Beziehungen. «Die Wildberger sind Teil der Tösstaler Gemeinschaft.»

Öffentliche Sommerschlussübung der Feuerwehr TWW in der Badi Turbenthal
Das Schwimmbad, die Feuerwehr: Die Kooperationen sind für die Tösstaler Gemeinden Argumente für Wildberg, sich in ihre Richtung zu orientieren. (Archiv)

Im Juli, kurz nachdem die beiden Fusionswilligen ihre Pläne verkündet hatten, betonte der Wilemer Gemeindepräsident Simon Mösch (Die Mitte): «Wildberg hat eine eigene Analyse gemacht, und Pfäffikon hat dabei am besten abgeschnitten, das respektieren wir.»

Im Vorfeld der Abstimmung scheint man sich damit nicht mehr zufriedenzugeben. «Wir arbeiten seit Jahrzehnten und Jahrhunderten mit Wildberg zusammen. Den Weg mit Pfäffikon einzuschlagen, widerspricht der langjährigen erfolgreichen Zusammenarbeit und würde mittel- bis langfristig zu einer Abkehr vom Tösstal führen», kommentiert Mösch den jüngsten Effort. «Es geht darum, die beste Lösung zu finden, und die liegt unserer Meinung nach im Tösstal.»

Wildberg stelle die Sache aber so dar, als ob eine Fusion mit Pfäffikon die einzige Option sei. Das sei nicht korrekt. «Wir sind mit dem ganzen Gemeinderat nach Wildberg gegangen und haben Gespräche geführt, die sehr positiv verlaufen sind.» Anstatt diese weiterzuführen, habe man abgesehen von kurzen Informationen über laufende Gespräche lange nichts mehr gehört. Die offizielle Absage vonseiten Wildbergs sei dann zeitgleich mit der Medienmitteilung eingetroffen.

Möschs Wunsch: Wildberg soll alle Optionen prüfen. Im Tösstal sei schon vieles klar, die offenen Fragen «bewegen sich auf einem viel tieferen Level». Dazu zählt er auch die Schulgrenzen-Thematik: «Sie sind gar kein Problem für den Fusionsprozess. Das ist ein vorgeschobenes Argument.»

Keine Gespräche mit Turbenthal

Sein Turbenthaler Amtskollege René Gubler (FDP) will mit dem Statement der beiden Gemeinden vor allem Transparenz schaffen und ein Signal an die Nachbargemeinde senden: «Wir wollen Hand bieten und sind offen für einen weiteren Dialog.»

Ein solcher habe laut Gubler mit Turbenthal gar nie stattgefunden. Die Anfrage Wildbergs für mögliche Fusionsverhandlungen sei schriftlich erfolgt – die Antwort ebenfalls. «Wir haben nie nein gesagt», betont der Gemeindepräsident.

Da Turbenthal jedoch keine Einheitsgemeinde ist und die Schulgrenzen mit Wila noch nicht bereinigt sind, sah Wildberg offenbar keinen Anlass für vertiefte Gespräche. Dies bestätigte der Wildberger Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP) im Rahmen einer Informationsveranstaltung vergangene Woche.

Archivbilder von Wildberg, Dorfzentrum
Das kleine Wildberg als Teil eines grossen Pfäffikons: Für Conrad die langfristige Lösung, die die Gemeinde sucht.

Gubler bedauert diesen Entscheid sehr. Die Schulgrenzen sieht er, ähnlich wie Mösch, nicht als Problem für weitere Verhandlungen. «Es gibt zwei, drei kleine Hürden für eine Fusion», gesteht er ein. «Aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.»

Trotzdem will er die Mitteilung der beiden Gemeinden nicht missverstanden wissen. «Es geht uns nicht um Abstimmungskampf, ich weible nicht für ein Nein in Wildberg am 9. Februar», stellt Gubler klar.

Den Entscheid, egal in welche Richtung, werde er auf jeden Fall akzeptieren. «Das ist Demokratie, aber wir wollen den Wildbergern vor der Abstimmung einfach die ganz offizielle Haltung von Wila und Turbenthal mitteilen.»

Fusion als Zwischenschritt

In Wildberg kommt das Statement der beiden Nachbarn nicht gut an. «Dass Wila und Turbenthal jetzt hineingrätschen, ist komplett kontraproduktiv», sagt Gemeindepräsident Dölf Conrad. «Wir wollen fusionieren, solange wir fit sind, und nicht warten, bis wir auf den Knien das Tösstal um eine Fusion bitten müssen.»

Dass es zwischen Wildberg und Pfäffikon keine Berührungspunkte gebe, sei zudem «schlichtweg falsch». «Geopolitisch gehören wir zur Region Zürcher Oberland, nicht zum Tösstal», stellt er klar. Man sei auf der Suche nach etwas Nachhaltigem – deshalb sei Wila eher als Alternative gedacht. «Das geht vielleicht kurzfristig gut, aber längerfristig hätten wir die gleichen Probleme.»

Überhaupt ist die Fusion zwischen Wildberg und Pfäffikon für Conrad ein Zwischenschritt hin zu etwas Grösserem, einer zusammengehörenden «Region Pfäffikon». «Auch wenn ich das vielleicht nicht mehr erlebe.»

Nach sorgfältigen Analysen und den Auswertungen der letzten Gespräche habe sich Pfäffikon als idealer Partner ausgezeichnet. «Und wenn man seine Traumbraut findet, muss man da andocken», sagt Conrad, «die Tösstaler Gemeinden sollen gute Freunde bleiben, aber heiraten kann man nur einmal.»

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