Seegräben legt Geld für Brücke beiseite
Steuerfuss sinkt auf 111 Prozent
Sagen die Seegräbner in einem Jahr Ja zum grossen Brückenschlag übers Aatal, haben sie den grössten Teil des benötigten Geldes schon bereit.
Reihum mühen sich die Gemeinden mit Steuererhöhungen ab. Nicht so in Seegräben: An ihrer Gemeindeversammlung vom Dienstag genehmigten die 111 Anwesenden – ein Neuntel der Stimmberechtigten – die Senkung des Steuerfusses um zwei Punkte auf noch 111 Prozent. Damit wird die kleinste Gemeinde im Bezirk Hinwil hinter dem unschlagbaren Bäretswil zur zweitgünstigsten.
Finanzvorstand Patrik Jenal (SVP) präsentierte für 2025 ein Budget, das mit einem minimen Plus von gut 13’000 Franken rechnet. Gegenüber den Vorjahren ist der Gesamtumsatz mit knapp 13,2 Millionen Franken massiv höher. Dies ist vor allem auf die Neubewertung einer gemeindeeigenen Parzelle zurückzuführen.
Teure Strassensanierungen
Mit einem Mehraufwand von 227’000 Franken dürfte die Gemeinde zwar einiges zusätzlich für den Bildungsbereich ausgeben müssen. Gleichzeitig rechnet Seegräben aber mit einem um 541’000 Franken höheren Ressourcenausgleich.
Mit fast zwei Millionen Franken wird im nächsten Jahr mit recht hohen Investitionen gerechnet. Zu Buche schlägt vor allem die Sanierung der Strassen und der Kanalisation im Grossweid-Quartier. Trotzdem könne der Steuerfuss gesenkt werden. Ziel der Exekutive ist es, diesen neuen Satz möglichst über einige Jahre halten zu können.
Auf die Frage eines Stimmberechtigten, wann denn die Sanierung der Gstalderstrasse anstehe, die vom Bahnhof Aathal ins Quartier Sack hinaufführt, gab es die Antwort: bald. Gemäss Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) ist die Sanierung der Strasse inklusive Brücke im Jahr 2026 eingeplant. Kosten soll diese 1,2 Millionen Franken.
Sorgen wegen des Spitals
Und dann kam die Sprache auch noch auf das GZO Spital, das zurzeit das ganze Oberland beschäftigt. Gesundheitsvorsteherin Katharina Hefti (FDP) hielt fest, dass hier noch nichts spruchreif sei. Ob und wie viel Geld Seegräben zusätzlich einschiesse, werde voraussichtlich erst Ende 2025 von den Stimmberechtigten entschieden.
Pezzatti ergänzte, dass Seegräben voraussichtlich rund 600’000 Franken zusätzlich leisten müsste. Obwohl dieser Betrag in der Kompetenz der Gemeindeversammlung liege, überlege sich die Exekutive, dieses Geschäft wie in allen anderen Verbandsgemeinden auch an die Urne zu bringen. Damit wäre ein einheitlicher Abstimmungstermin sichergestellt.
Geld aus Landverkauf für die Brücke
Nach dieser kurzen Diskussion wurde das Budget einstimmig gutgeheissen und ein Applaus hinterhergeschickt. Gar keine Diskussion gab es zum anderen Geschäft. So schlug der Gemeinderat vor, für die geplante Fussgänger- und Velobrücke übers Aatal 3,532 Millionen Franken als Vorfinanzierung beiseitezulegen.



Finanzvorstand Jenal wies auf die einmalige Chance hin, die sich mit der Neubewertung einer gemeindeeigenen Parzelle im Sack ergibt. Diese wird an eine Genossenschaft verkauft, die dort eine altersdurchmischte Siedlung erstellen will. Diese käme damit nahe zum geplanten Brückenkopf auf der Seite des Sacks zu liegen. Die Neubewertung richtet sich nach dem von der Gemeindeversammlung vor zweieinhalb Jahren bestimmten Verkaufspreis.
Gemäss Jenal kann dieser einmalige buchhalterische Gewinn genutzt werden, um die Vorfinanzierung zu tätigen. Die Vorfinanzierung des Brückenbaus samt Lift zum Bahnhof Aathal würde es erlauben, die Abschreibungen in den nächsten 40 Jahren rund zur Hälfte zu entlasten. Das wiederum würde den künftigen finanziellen Spielraum der Gemeinde erhöhen.

Wie der Gemeinderat in der Weisung schreibt, wird aktuell mit Bruttokosten von rund sieben Millionen Franken für den Brückenbau gerechnet. Vor Jahresfrist lag die Bandbreite noch zwischen 6,9 und 7,5 Millionen. Etwa 2,2 Millionen Franken werden durch den Bund über das Agglomerationsprogramm finanziert. Somit blieben noch rund 4,8 Millionen, die von der Gemeinde und allfälligen weiteren Geldgebern beizusteuern wären.
Abstimmung in einem Jahr
Im Vorfeld hatten bereits die SVP und die FDP ihre Zustimmung zu diesem «finanztechnisch sinnvollen» Schritt geäussert. Gleichzeitig betonten sie, dass diese Vorfinanzierung keine Vorwegnahme des Entscheids zum Baukredit für eine Brücke sei. Voraussichtlich dürfte über den Baukredit im November 2025 an der Urne abgestimmt werden.
Letztlich passierte auch dieses Geschäft mit 90 Stimmen. 16 sprachen sich dagegen aus. Und so sind die Seegräbner gespannt, wie hoch der Baukredit für die 285 Meter lange, 40 Meter hohe und 3 Meter breite Brücke nach der laufenden Detailplanung tatsächlich ausfallen wird.
