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Die Aussenwachten bleiben bei Uster – der Groll auch

Keine Prüfung einer Grenzänderung heisst für Martin Bornhauser nicht, es gebe auch keinen Handlungsbedarf. Der Kopf des Komitees im Gespräch.

Eine faire Prüfung, das hätte sich Martin Bornhauser gewünscht. Auch nach der verlorenen Abstimmung sieht er die Stadt in der Verantwortung, zu handeln. (Archiv)

Foto: Lea Chiapolini

Die Aussenwachten bleiben bei Uster – der Groll auch

Offene Wunden nach Abstimmungskampf

Die emotionale Abstimmung hinterlässt Enttäuschung bei Martin Bornhauser, dem Sprecher des Komitees Pro 8606. Derweil sieht Stadtpräsidentin Barbara Thalmann nur bedingt ein Problem.

Mit über 65 Prozent sprach sich die Ustermer Stimmbevölkerung Ende November gegen eine Prüfung einer etwaigen Abspaltung von Nänikon und Werrikon nach Greifensee aus.

Dass damit eine Grenzänderung vom Tisch ist, ist klar – doch nach wie vor gibt es Themen rund um die Aussenwachten, die gemäss dem ehemaligen Ustermer SP-Stadtpräsidenten Martin Bornhauser und Sprecher des Komitees Pro 8606 zu wenig Gehör erlangen, wie er knapp zwei Wochen nach der Abstimmung erzählt.

So sagt er im Interview mit den «Nachrichten aus Greifensee» (NaG): «Wir erwarten, dass der Stadtrat von Uster künftig bei sämtlichen Themen, welche die beiden Aussenwachten betreffen, frühzeitig und aktiv deren Bedürfnisse abholt und mitberücksichtigt.» Des Weiteren erwarte man vom Stadtrat Uster, in Zukunft wirklich als eine ernst zu nehmende Aussenwacht und nicht als «Kolonie» behandelt zu werden.

Da schwingt Groll mit – doch konkret wird Bornhauser auf unsere Nachfrage nur bedingt.

Noch nicht geleckte Wunden

Es gebe zwar bereits heute ein Gotte/Götti-System in der Ustermer Stadtpolitik, wodurch jede Ustermer Aussenwacht eine direkte Ansprechperson im Stadtrat habe. «Meines Erachtens funktioniert das aber zu wenig», so Bornhauser im Gespräch mit der Redaktion.

Er wünscht sich von der Stadt mehr aktive Einbindung der Aussenwachten, quasi eine direkte politische Verbindung zwischen Stadthaus und Nänikon. «Dieses System zu verstärken, ist aber nur eine Idee, wie es laufen könnte – klar ist für mich, dass etwas passieren muss.»

Er sehe zwar keine konkreten Probleme, die liegen gelassen worden oder dringend anzugehen seien – doch entsprechende Themen würden sich bei einer engeren Zusammenarbeit ergeben.

Es scheint, als schwinge mit der verlorenen Abstimmung schlicht noch etwas Unmut mit – die Wunden sind noch nicht geleckt. Und das, obwohl Bornhauser die knapp 35 Prozent Ja-Stimmen zur Prüfung einer etwaigen Grenzänderung als Achtungserfolg sieht.

Martin Bornhauser beim Kick Off von Pro 8606
Martin Bornhauser beim Kick-off von Pro 8606 im Oktober: «Nänikon und Werrikon wollen ernst genommen werden.» (Archiv)

Dass es nicht mehr Stimmen waren, führt er auf eine «erfolgreiche Angstkampagne» der Stadt Uster zurück: «Das waren keine Fakten, sondern unbelegte Behauptungen», sagt er. Dennoch hat das Komitee im Vorfeld auf eine Stimmrechtsbeschwerde verzichtet, wohinter Bornhauser auch heute noch steht. «Mit einem Rechtsstreit hätten wir vermutlich keine Stimme dazugewonnen.»

Identität erhalten und stärken

Von einer Angstkampagne will Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) nichts wissen. «Wir verstehen, dass es bei der Kampagne um ein emotionales Thema ging und damit für das Komitee auch Enttäuschung mitschwingt», sagt sie.

«Aber ich kann nicht nachvollziehen, was Martin Bornhauser mit einer Angstkampagne meint.» So habe man schlichtweg aufgezeigt, was die Konsequenzen einer Grenzänderung wären. «Das haben wir uns nicht einfach aus den Fingern gezogen, sondern von renommierten Fachleuten abschätzen lassen.»

Sie ist der Meinung, man stehe bereits heute im direkten Austausch mit allen Aussenwachten – was Nänikon und Werrikon einschliesse. «Wir sind immer in Kontakt mit den Quartiervereinen, treffen uns regelmässig und wollen an den Themen dranbleiben», sagt sie.

Konkrete Probleme oder ein belastetes Verhältnis sieht sie nicht. Ausserdem zeige die Abstimmung für sie, dass eine Grenzänderung der falsche Weg gewesen wäre. Dennoch zeigten auch ihr die 35 Prozent, dass man mit offener und direkter Kommunikation die richtige Spur mit den Aussenwachten fahre.

Vorstoss im Parlament

Mittels eines Postulats hat Gemeinderat Balthasar Thalmann (SP) am 9. Dezember den Stadtrat dazu eingeladen, zu prüfen, wie die spezifischen Bedürfnisse einzelner Stadtteile systematisch in die politische Diskussion einfliessen können. Dabei nehme er spezifisch Bezug auf die vergangene Abstimmung, die gezeigt habe, dass sich Ortsteile von politischen Gremien nicht genügend gehört fühlten.

In den Aussenwachten wie auch den Quartieren gebe es unterschiedliche Bedürfnisse, und der Stadtrat solle nun prüfen, ob das bestehende Gotte/Götti-System und die Quartierkonferenz den heutigen Ansprüchen noch genügten.

«Wir wollen die Identität der einzelnen Quartiere und Aussenwachten erhalten und stärken, denn sie sind keine Kolonien, sondern ein aktiver Teil von Uster», so die Stadtpräsidentin. Das zu erreichen, sei immer ein aktuelles Thema. «Letztlich glaube ich, dass es immer um konkrete Themen geht. Und liegen diese auf dem Tisch, gehen wir sie an.»

Ein emotionaler Kampf

Die Initiative «Zusammenführen, was zusammengehört» war vor allem ein emotionaler Kampf. Und das hinterlässt Spuren: «Man hat Nänikon vor den Kopf gestossen, die Türe zugeschlagen. Man war nicht parat, schon nur die Folgen einer Grenzänderung zu prüfen», sagt Bornhauser. Daher rühre der Groll, und es gebe einiges gutzumachen.

Dass nicht die Stadtpräsidentin oder das Parlament, sondern im Endeffekt die Stimmbürger gegen die Prüfung stimmten, das scheint in einer Herzensangelegenheit wie dieser nur mässig wichtig.

«Ich respektiere den Entscheid des Volks», so Bornhauser. Dennoch wünsche er sich von der Stadt, dass diese aktiv und offen auf die Aussenwachten zukomme – jetzt und in Zukunft. «Ich hoffe, das führt zu einem Resultat. Aber wir stehen ja noch ganz am Anfang.»

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