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Rädchen messen auf dem Batzberg den Wind für die grossen Räder

Der Vorbote für einen Windpark zwischen Wald und Rüti steht: ein Turm voller Sensoren.

Und wieder ein Teil mehr: Bis am Freitagabend hat der Mast seine Gesamthöhe von 120 Metern erreicht.

Foto: Christian Brändli

Rädchen messen auf dem Batzberg den Wind für die grossen Räder

Mast mit Windsensoren bei Wald aufgestellt

Es ist der erste Messmast, der in einem der 20 Zürcher Eignungsgebiete für Windenergie aufgestellt wird: Seit Freitag werden oberhalb von Wald Daten gesammelt.

Von 0 auf 120 Meter in rund sechs Stunden: Ein Team von zwölf Leuten der Firma Nigg Seilbahnen und eines Heli-Unternehmens hat auf dem Batzberg zwischen Wald und Rüti einen Windmessmasten aufgebaut.

Der Auftrag dafür kommt vom EW Wald. Der lokale Energieversorger und Netzbetreiber prüft nun in Partnerschaft mit der SN Energie AG und den St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) das Windenergiepotenzial dort oben. Geklärt wird auch, ob sich dort ein Windpark in der Dimension realisieren lässt, wie ihn sich die Zürcher Baudirektion vorstellt. Drei 220 Meter hohe Windenergieanlagen sollen nach deren Schätzung jährlich einen Ertrag von 25 Gigawattstunden liefern.

Walds Halbjahres-Energiebedarf

«Wald braucht im Winterhalbjahr 25 Gigawattstunden», rechnet Daniel Diggelmann vor. Er ist Geschäftsführer der Walder Energieberatungsfirma e3hus GmbH und Mitglied der Windpark-Projektleitung. Mit den drei Windrädern auf dem Batzberg könnte also ein grosser Teil des Walder Energiebedarfs gedeckt werden.

Bevor aber dort oben die ganz grossen Räder zu stehen kommen, müssen zuerst einmal kleine Rädchen messen, ob es auf dem Batzberg tatsächlich genug Wind hat. Die Sensoren sind auf verschiedenen Höhen des Mastes angebracht, und zwar jeweils an vier Meter langen Stangen ausserhalb des Turms.

Ergänzt werden die Windmesser durch Windfahnen. Diese dienen der Bestimmung der Windrichtung. Hinzu kommen noch Temperatur-, Feuchtigkeits- und Drucksensoren. Ausserdem erfassen Spezialdetektoren die Laute der Fledermäuse. Die Messdaten werden live analysiert und weitergeleitet. «Das ermöglicht uns die Überwachung der Geräte und die Qualität der erhobenen Daten», betont Diggelmann.

Verpflegung per Helikopter

Gegen 12 Uhr bringt der Helikopterpilot nicht nur ein neues Bauteil zum Viererteam, das oben am Mast Stück für Stück zusammenschraubt, sondern auch einen Sack mit Verpflegung. Mittlerweile haben die Männer schon drei Stunden in der Höhe verbracht – und dürften drei weitere dort oben zubringen.

Erst wenn das letzte Teil auf 120 Metern Höhe montiert ist, werden sie wieder herunterklettern. Und erst dann gibt es auch wieder Gelegenheit, um mal kurz auszutreten, wie Andreas Nigg, der Geschäftsführer der Nigg Seilbahnen, erklärt. Seine Firma hat sich neben solchen Windmessmasten auf den Bau von Materialseilbahnen und Kabelkrane spezialisiert.

Der Mast wird auf 30 und 60 Metern Höhe mit je neun Abspannseilen versehen, die zu Bodenankern führen. Diese gehen sieben Meter tief unter Grund. So gesichert hält der Mast auch Windstössen von 190 Stundenkilometern stand.   

Hohe Vorinvestitionen

Am Mast angebracht sind auch Solarpanel, die die nötige Energie für die Sicherheitsleuchte zuoberst auf dem Turm und die Sensoren liefert. «Und sollte das einmal nicht reichen, haben wir auch noch einen Generator am Boden unten», erklärt Urs Bisig, der Geschäftsführer des EW Wald. Zusammen mit den Partnern investiert die EW Wald AG insgesamt 320’000 Franken für die Machbarkeitsabklärungen. Davon sind allein 200’000 Franken für die Windmessdaten.

Der Mast wird gut ein Jahr auf dem Batzberg oben stehen bleiben. «Somit können wir alle vier Jahreszeiten abdecken», hält Diggelmann fest. Er möchte am liebsten noch ein zweites Erhebungsjahr anschliessen. Zum Einsatz kommen könnte dann auch ein Lasersystem, das in der Lage ist, vom Boden aus die Windverhältnisse in allen Höhen zu ermitteln.    

Die Messdaten, die nun erhoben werden, dienen nicht nur der Ermittlung der Winderträge, sondern können auch für eine spätere Umweltverträglichkeitsprüfung verwendet werden. In der präzisen Planung des zukünftigen Windparks werden die Art, die Anzahl und der Standort der einzelnen Windkraftanlagen sowie die Stromerzeugung abgeschätzt.

Einwilligung trotz Skepsis

An einer Scheune nahe dem Mast hängt ein Plakat: «Windräder nein danke» prangt darauf. Doch der Grundeigentümer habe trotz dieser Skepsis die Einwilligung für das Aufbauen des Metallturms auf seinem Boden gegeben, hält Bisig fest. Die Waldlichtung sei von der Grösse und der Zugänglichkeit her ideal.

Ob es dann dereinst auch so schlank gehen wird, wenn es um den möglichen Bau der Windräder gehen wird, ist noch offen. Der grösste Teil des Batzbergs ist im Besitz der Gemeinde Rüti. Diese hat sich vor Kurzem verhalten positiv zum Vorhaben geäussert. Doch einige Parzellen gehören auch verschiedenen Landwirten.

Während Diggelmann hofft, dass bis in sieben Jahren die grossen Windräder auf dem Batzberg oben drehen werden, rechnet Bisig eher mit zehn Jahren. Beiden ist wichtig, dass die Bevölkerung stets gut informiert ist. So ist schon eine Tafel montiert worden, auf der erklärt wird, was dort oben geschieht.  

Laufende Information

«Mit der regelmässigen Information aller Betroffenen über die verschiedenen Projektetappen wollen wir ein besseres Verständnis für die Herausforderungen dieses zukunftsgerichteten Windparks schaffen», halten die beiden fest. So ist im Frühjahr 2025 eine öffentliche Veranstaltung geplant, um die Bevölkerung über die ersten Ergebnisse der Windmessung zu informieren.

Eine Tafel informiert darüber, was auf dem Batzberg passiert.
Eine Tafel informiert darüber, was auf dem Batzberg passiert.

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