Energieverbund Effretikon: Eine Lösung für alle?
Heizungen ersetzen
Illnau-Effretikon wird Abwärme von einem Rechenzentrum in Volketswil erhalten. Die umweltfreundliche Wärme lohnt sich finanziell aber nicht für alle.
Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer aufgepasst. Seit 2022 ist die Gesetzeslage klar: Fossile Energie wie Erdgas oder Öl muss ersetzt werden – zum Beispiel durch Holzwärme, Erdwärme oder Abwärme.
Die Stadt Illnau-Effretikon ist darum auch schon auf verschiedene Wärmeverbünde eingegangen, damit in den nächsten Jahrzehnten nachhaltig geheizt werden kann.
Einer davon ist der Energieverbund Effretikon, der Haushalte mit Heizwärme durch Abwärme versorgen soll. An der Informationsveranstaltung gab es aber die eine oder andere Überraschung. Deshalb folgen hier die wichtigsten Antworten.
Was passiert in Illnau-Effretikon?
Während die Stadt in Teilen von Illnau auf Holzwärme setzt, werden Teile Effretikons – die Quartiere Vogelbuck und Watt, Wohngebiete östlich und westlich des Bahnhofs und das Industriegebiet im Bietenholz – ab 2028 mit Abwärme versorgt.

Der sogenannte Energieverbund Effretikon ist ein Bündnis mit dem Unternehmen Energie 360°, das mit der Abwärme eines Rechenzentrums in Volketswil über 1700 Haushalte wärmen wird. Die Leitungsarbeiten von Volketswil nach Illnau-Effretikon haben bereits begonnen, der Ausbauplan wird zwischen 2027 und 2030 folgen.
Im Zuge dieser Umstellung wird das Gasnetz eingestellt. Man wird es noch höchstens 20 Jahre brauchen können. Die Stadt wird Liegenschaften mit Gasanschluss frühzeitig über die Stilllegung informieren.
Wie viel kostet ein Anschluss an die Abwärme?
Jede Liegenschaft braucht einen Hausanschluss, der von der Energie 360° installiert wird. Diese Installation verlangt einmalige Kosten. Danach setzen sich die jährlichen Energiekosten aus zwei Faktoren zusammen.
Zum einen gibt es den Grundpreis, der die Kosten für den Anschluss zusammenfasst – also das Gerät und dessen Unterhaltskosten. Zum anderen gibt es den Energiepreis, also die Kosten für die verbrauchte Wärme.
Finanziell gesehen eignet sich der Energieverbund Effretikon für Einfamilienhäuser jedoch nicht. Ein Beispiel: Angenommen ein Einfamilienhaus mit einem Zwei-Personen-Haushalt braucht 3000 Kilowattstunden Energie jährlich, liegen die Heizkosten bei 2957 Franken pro Jahr. Mit einem Grundpreis von 2534 Franken und einem Energiepreis von 202 Franken.
Bei einem Mehrfamilienhaus sehen die Gesamtkosten besser aus. Angenommen eine Liegenschaft hat zehn Haushalte mit demselben Verbrauch wie zuvor (gesamt 30’000 kWh/j), liegen die jährlichen Heizungskosten bei 5488 Franken – Grundpreis von 3028 Franken und Energiepreis von 2012 Franken. Das, wenn es sich um eine Gasheizung handelt. Eine Ölheizung beispielsweise ist teurer.
Die Stadt Illnau-Effretikon vergibt auch Fördermittel und unterstützt Haushalte beim Wechsel zum neuen Wärmenetz.
Konzipiert für dichte Besiedlung
Der Energieverbund Effretikon ist für das zentrumsnahe Gebiet konzipiert, mit einer grossen Energiedichte und einem entsprechend höheren Wärmeverbrauch pro Fläche.
«Bei einem Verbund konzentriert man sich auf die dicht besiedelten Quartiere, und kostenintensive Wärmeleitungen in Einfamilienhausgebieten wären nicht wirtschaftlich», erklärt Alex Herzog, Fachverantwortlicher in Energiethemen bei der Stadt Illnau-Effretikon. Diese müssten gemäss Energieplan eine eigene Lösung für die Wärmeversorgung finden.
Einfamilienhäuser dürfen sich trotzdem dem Energieverbund Effretikon anschliessen. Ein Verbund von mehreren Einfamilienhäusern ist ebenfalls möglich.
Die Kosten sind allgemein sehr von der Liegenschaft und von der zu ersetzenden Heizung abhängig. Egal, ob es sich um ein Ein- oder Mehrfamilienhaus handelt, Interessierte können den Richtpreis auf energie360.ch/verbund/effretikon prüfen oder sich über die weiteren Möglichkeiten informieren.
Ist das Rechenzentrum eine sichere Wärmequelle?
Das Rechenzentrum, das den Wärmeverbund mit Energie versorgen soll, steht noch gar nicht. Es wird jetzt aber gebaut, und ab 2028 soll die Abwärme nutzbar sein. Mit der fortschreitenden Digitalisierung ist ein Rechenzentrum eine sehr potente Quelle, die eigentlich nicht von den einzelnen Unternehmen abhängig ist. Wie ein Einkaufszentrum: Geht ein Geschäft pleite, folgt lediglich ein neues – das Einkaufszentrum bleibt bestehen.
Dass Rechenzentren irgendwann nicht mehr gebraucht werden, ist unwahrscheinlich, denn sie sind ein wichtiger Pfeiler für die Wirtschaft weltweit. Sie werden deswegen wohl auch die letzten Gebäude sein, in denen der eigene Strom ausfallen könnte.
Doch im Fall der Fälle hat die Energie 360° AG einen Plan B: Biogas und Energie aus dem Greifensee.
Der Energieverbund Effretikon soll bereits 2027 in Betrieb genommen werden. Bis aber die Abwärme des Rechenzentrums ab 2028 genutzt werden kann, wird überbrückend Biogas eingesetzt.
Wie genau funktioniert das mit der Abwärme?
In einem Rechenzentrum speichern oder verarbeiten leistungsstarke Computer Daten von Unternehmen oder Konzernen. All diese aneinanderreihenden Rechner erzeugen Wärme. Damit die Maschinen nicht überhitzen, müssen die Räume gekühlt werden.
Durch den hohen Energieverbrauch erzeugt ein Rechenzentrum reichlich Abwärme, die als Energie genutzt werden kann. Die abgekoppelte Wärme liegt bei 30 Grad, die Temperatur wird mit einer Wärmepumpe auf 70 Grad erhitzt. Dafür baut die Energie 360° eine Energiezentrale gleich neben dem Rechenzentrum in Volketswil.
Was kostet das die Stadt?
Nichts. Es ist nicht die Stadt Illnau-Effretikon, die in das neue Abwärmesystem investiert, sondern die Energie 360°, die in die Stadt investiert. Das heisst, dass die gesamten Baukosten von der Energie 360° übernommen werden.
Der Konzessionsvertrag zwischen der Stadt und dem Energieversorger regelt die nächsten 50 Jahre vertraglich im Detail, beispielsweise wer die Kosten deckt, was, wenn etwas defekt ist, und auch, dass die Strassenbauten koordiniert gemacht werden. Wenn also die Stadt eine Strasse umbauen muss, soll sich die Energie 360° daran orientieren und ebenfalls dann bauen, damit die Strassen nicht mehrmals gesperrt werden.
Die Stadt wird ihre Liegenschaften ebenfalls an das Netz schliessen. Diese Kosten trägt sie dann selbst.