Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Zwei linke Kandidaten kämpfen um einen Sitz am Bezirksgericht Pfäffikon

Die SP und die Grünen ringen um den Sitz am Bezirksgericht Pfäffikon. Doch weshalb kam es überhaupt zum Wahlkampf der linken Parteien?

Die beiden Kandidaten für das Bezirksrichteramt Pfäffikon: Livia Schlegel und Stefan Zuber.

Foto: diverse

Zwei linke Kandidaten kämpfen um einen Sitz am Bezirksgericht Pfäffikon

SP gegen Grüne

Für den Sitz am Bezirksgericht Pfäffikon stehen gleich zwei linke Kandidaten zur Wahl. Das sorgte zwischen den zwei Parteien für Unmut.

Das Bezirksgericht Pfäffikon sucht einen neuen Richter oder eine neue Richterin für die laufende Amtsdauer bis 2026. Dies, weil die amtierende Richterin Yvonne Mauz (SP) Ende Jahr in Rente geht. Mauz hatte zuvor für das Präsidium kandidiert – und war gescheitert.

Auf die Vakanz meldeten sich letztlich zwei Kandidaten. Und beide gehören einer linken Partei an – für eine solche Wahl eher unüblich. Doch dieses Mal können sich die linken Parteien nicht auf dieselbe Person einigen.

Wer wusste von welcher Kandidatur?

«Ich finde es grundsätzlich unglücklich», sagt Brigitte Röösli, Co-Präsidentin der SP-Bezirkspartei. Sie zeigt sich enttäuscht, dass die Grünen auch einen Kandidaten ins Rennen geschickt haben.

In einem persönlichen Gespräch habe sich Urs Dietschi, Präsident der Grünen-Bezirkspartei, bei ihr nach einer möglichen Kandidatur erkundigt. «Ich habe ihm gesagt, dass wir eine Kandidatin aufstellen», so Röösli.

Sie wusste von den Grünen von keiner Kandidatur, fragte aber nicht konkret nach. Die Parteileitung der SP ging davon aus, dass sie auch ein Anrecht auf das frei werdende Amt habe – gemessen an der politischen Gesinnung der Bevölkerung im Bezirk. Letztlich prüfte sie auch den Grünen-Kandidaten und kam zum Schluss, dass ihre Kandidatin besser geeignet wäre.

Urs Dietschi hingegen will von der Kandidatur der SP nichts gewusst haben: «Wir haben an der Sitzung der interparteilichen Konferenz (IPK) bekannt gegeben, dass wir einen Kandidaten aufstellen. Mir war nicht bekannt, dass die SP auch eine Kandidatin nominiert.» Ein paar Tage nach der Nomination der Grünen sei die SP mit ihrer Kandidatur nachgezogen.

Knatsch bei der Sitzung

Die Sitzung der IPK bleibt Brigitte Röösli in besonderer Erinnerung. Denn als die Grünen ihre Kandidatur bekannt geben, wird die Stimmung etwas angeheizter. «Die Sitzung lief aus dem Ruder», sagt Röösli.

Geleitet wird das Treffen vom Bezirkspräsidenten der Grünen, Urs Dietschi. Er sagt zur besagten Sitzung: «Die Stimmung wurde durch die Intervention der SP aufgeheizt. Die SP hat sich bei ihrem Einwand in der Tonlage vergriffen.»

Ein abgekartetes Spiel oder Zufall?

Die anderen Parteien unterstützen beinahe geschlossen den Kandidaten der Grünen. Die EVP, die Mitte, die GLP und grossmehrheitlich die FDP sprechen sich für Stefan Zuber aus. Die SVP verzichtet auf eine Wahlempfehlung. SP-Kandidatin Livia Schlegel wird nur von der eigenen Partei unterstützt.

«Ich verstehe das nicht, scheinbar war einiges schon vorher abgesprochen», erwägt Röösli. Anhaltspunkt gäben die persönlichen Beziehungen, die der Grüne-Kandidat wegen seiner Funktion in der Rechnungsprüfungskommission der Gemeinde Pfäffikon habe.

«Dass Stefan Zuber in der Rechnungsprüfungskommission tätig ist, spielte nie eine Rolle. Es ging immer um seine Eignung», sagt Urs Dietschi. Die anderen Parteien sind demnach von Zubers Fähigkeiten überzeugt.

Die Beziehung zwischen den Grünen und der SP ist angeschlagen. «Wir werden nach den Wahlen mit den Grünen zusammensitzen und unsere Zusammenarbeit klären», so Röösli. Und auch Urs Dietschi nimmt die Anspannung zur SP wahr.

Als Nächstes steht jedoch die Wahl der Bezirksrichter im Bezirk Pfäffikon an. Dann zeigt sich, ob sich Stefan Zuber von den Grünen oder doch Livia Schlegel von der SP durchsetzt.

Stefan Zuber (Grüne)

Eine Person lächelt.
Stefan Zuber kandidiert für die Grünen als Bezirksrichter in Pfäffikon.

Stefan Zuber (Grüne) ist 45 Jahre alt und lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in Pfäffikon. Derzeit arbeitet er als Obergerichtsschreiber und als Ersatzbezirksrichter in Zürich und Pfäffikon. In seiner Wohngemeinde engagiert er sich zudem als Mitglied in der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission.

Nach einer kaufmännischen Erstausbildung auf einem Betreibungs- und Konkursamt folgten berufliche Stationen in der Verwaltung und in der Privatwirtschaft – zehn Jahre als Geschäftsführer eines KMU. Danach absolvierte Zuber das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Zürich. Es folgten mehrere Anstellungen in Anwaltskanzleien, bei der Staatsanwaltschaft und als Dozent für Recht an einer Schule der höheren Berufsbildung, bevor er in die Justiz eintrat.

Warum stellen Sie sich als Bezirksrichter in Pfäffikon zur Wahl?

Weil ich überzeugt bin, dass es am Gericht authentische Menschen braucht, die nicht nur über Fachwissen, sondern auch über Berufs-, Führungs- und Lebenserfahrung verfügen. Als Familienvater und jemand, der viele Facetten der Gesellschaft erlebt hat, möchte ich mein Wissen und meine Werte in die Dienste der Gemeinschaft stellen.

Was wollen Sie als Bezirksrichter bewirken?

Das Bezirksgericht soll als faire, glaubwürdige, unparteiische Institution wahrgenommen werden. Den Menschen soll das Gericht mit Respekt begegnen. Dazu möchte ich beitragen. Ein Richter ist ausserdem allein dem Gesetz verpflichtet, muss neutral sein und auf der Basis von Fakten Entscheidungen treffen. Objektivität und Unabhängigkeit sind hierbei wichtige Werte – ohne dabei die menschliche Seite aus den Augen zu verlieren.

Was unterscheidet Sie von Ihrer Konkurrentin Livia Schlegel?

Ich habe ein Rucksack voller Erfahrungen – einerseits als Obergerichtsschreiber, andererseits als Ersatzbezirksrichter mit regelmässigen Einsätzen. In der Privatwirtschaft habe ich gelernt, strukturiert zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Das sind unverzichtbare Fähigkeiten, die ein Richter benötigt. Und dann das Offensichtliche: Ich habe eine Verbindung zum Bezirk, ich teile die Lebensrealität der Menschen hier. Diese unterscheidet sich von der Stadt oder einem Seebezirk. Meine Verbindung zum Bezirk Pfäffikon wird ebenfalls durch meine breite Unterstützung von fast allen Parteien verdeutlicht.

Welche Beziehung haben Sie zum Oberland?

Ich lebe mit meiner Familie in Pfäffikon, meine Kinder gehen hier zur Schule beziehungsweise in die Kita. Wir engagieren uns auch in der Gemeinde. Unsere Freunde leben in der Region; Pfäffikon gehört zu meinem Lebensmittelpunkt.

Sind Sie wegen Ihres Wohnorts nicht gerade zu nahe bei den Menschen?

Der Grossteil der Richter wohnt in der Regel in der Region, in der sie tätig sind. Wenn das ein Problem wäre, müsste man wahrscheinlich einige Richterinnen und Richter im Kanton auswechseln. Wenn ein Richter bei einem Fall eine Person persönlich kennt, soll er in den Ausstand treten.

Sie sind mit ihren 45 Jahren gut 14 Jahre älter als Ihre Konkurrentin. Zu alt für das Amt?

Das Alter bringt keinen Nachteil, sondern Vorteile: Stabilität und Weitsicht. Das sind Eigenschaften, die für Richter entscheidend sind. Auch in emotional aufgeladenen Situationen muss sich ein Richter mit Ruhe und Sachlichkeit behaupten können. Meine Erfahrungen in der Berufswelt und als Familienvater haben mich sehr gut auf das Amt vorbereitet.


Livia Schlegel (SP)

Eine Person lächelt.
Livia Schlegel will für die SP den Sitz als Bezirksrichterin in Pfäffikon halten.

Livia Schlegel (SP) ist 31 Jahre alt, in der Stadt Zürich aufgewachsen und bis heute dort wohnhaft. Sie lebt mit ihrem langjährigen Lebenspartner zusammen.

Schlegel startete ihre Laufbahn als Assistentin am Lehrstuhl für Steuerrecht an der Universität Zürich, wo sie auch den Master in Rechtswissenschaften abschloss. Danach absolvierte sie ein Anwaltspraktikum, arbeitete als Gerichtsschreiberin am Bezirksgericht Meilen, wurde dort Vorsitzende der Mietschlichtungsbehörde und erwarb das Anwaltspatent. Heute arbeitet die 31-Jährige als Gerichtsschreiberin am Handelsgericht Zürich und als Ersatzrichterin an den Bezirksgerichten Meilen, Winterthur, Zürich und seit Kurzem auch in Pfäffikon.

Warum stellen Sie sich zur Wahl als Bezirksrichterin in Pfäffikon?

Richterin zu sein, ist mein Traumberuf. Es liegt mir, Verhandlungen zu führen und mit den Menschen gemeinsam Lösungen zu finden. Gleichzeitig finde ich es spannend, jeweils beide Seiten eines Falls zu sehen.

Was wollen Sie als Bezirksrichterin bewirken?

In erster Linie will ich eine gute, faire Richterin sein. Zudem sollen die Verfahren effizient erledigt werden, da die Prozesslast aktuell sehr hoch ist. Die Menschen darf man allerdings nicht aus den Augen verlieren. Die Betroffenen und die Öffentlichkeit sollen die Urteile nachvollziehen können. Die politische Einstellung sollte keinen Einfluss auf die Entscheide haben. Selbstverständlich vertritt jeder Mensch seine Werte, diese sollen aber nicht auf andere projiziert werden.

Was unterscheidet Sie von Ihrem Konkurrenten Stefan Zuber?

Ich verfüge über mehr Arbeitserfahrung als Ersatzrichterin. So habe ich an verschiedenen Gerichten in unterschiedlichen Rechtsgebieten bereits zahlreiche Verfahren geführt. Zudem besitze ich das Anwaltspatent. Bei Verhandlungen werden die Parteien oft von Anwälten vertreten. Da ich selbst Anwältin bin, erhalte ich den Respekt der Parteien und kann auf Augenhöhe verhandeln. Und dann ein offensichtlicher Grund: Er ist ein Mann, ich eine Frau. In Straf- und Familienrechtsverfahren ist es wichtig, dass Richterinnen und Richter ausgewogen vertreten sind. Aktuell arbeiten drei Frauen und drei Männer als Richter in Pfäffikon. Da eine Frau geht, wäre das Verhältnis mit mir wieder ausgeglichen.

Sie wohnen in der Stadt Zürich. Welche Beziehung haben Sie zum Oberland?

Aus meiner Sicht kann es auch von Vorteil sein, wenn man nicht im Bezirk wohnt. Ich kann die Distanz in den Verfahren besser wahren. Beispielsweise bei einem Nachbarschaftsstreit oder einem Scheidungsfall ist man froh, die Richterin nicht persönlich zu kennen.

Aber sind Sie von der Lebensrealität der Menschen im Bezirk Pfäffikon nicht zu weit weg?

(Lacht.) Pfäffikon ist jetzt auch nicht am Ende der Welt. In einer halben Stunde gelangt man vom Zürcher Hauptbahnhof nach Pfäffikon. Ich kann mir auch vorstellen, dass ich mal in den Bezirk ziehe.

Ausserdem: Sind Sie mit 31 Jahren nicht zu jung für dieses Amt?

Diese Frage habe ich erwartet. Das Gericht soll die Bevölkerung repräsentieren. Und diese besteht nicht nur aus Menschen über 40. Es sollen neben den Parteien auch verschiedene Altersstufen vertreten werden. Ich bin seit Jahren fest in der Berufswelt angekommen und konnte genügend Erfahrungen sammeln.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns