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Rechnungsprüfer kritisieren Budget und Strassen-Umgestaltung in Zell

Ökologischere Strasse und Geld sparen: Die RPK findet für einige, bald zur Abstimmung stehende Vorlagen, nicht nur positive Worte.

Bäume, Sträucher, Pflastersteine: So soll die alte Tösstalstrasse in Rämismühle künftig aussehen. Doch der RPK ist das Vorhaben zu teuer.

Visualisierung: PD/Planikum AG

Rechnungsprüfer kritisieren Budget und Strassen-Umgestaltung in Zell

Vor Gemeindeversammlung

An der Gemeindeversammlung Zell befinden die Bürgerinnen und Bürger über viel Geld. Zwei Geschäfte sind umstritten. Was Sie dazu wissen müssen.

Neben dem Budget fürs kommende Rechnungsjahr will sich der Gemeinderat an der nächsten Gemeindeversammlung in zehn Tagen die Zustimmung für zwei Projekte einholen: die Sanierung der alten Tösstalstrasse in Rämismühle und das Projekt «Offene Jugendarbeit Zell 2025». Doch zwei von drei Geschäften sind nach der Stellungnahme der Rechnungsprüfungskommission umstritten.

Budget: Steuersenkung statt Reserven?

Auf den ersten Blick fällt das Budget für 2025 positiv aus: Ein Plus von fast einer halben Million Franken und ein gleichbleibender Steuersatz von 118 Prozent beantragt die Gemeinde.

Doch die Rechnungsprüfungskommission ist mit dem Budgetvorschlag nicht einverstanden. «Bei detaillierter Prüfung des Budgets und des Finanz- und Aufgabenplans stellt die RPK eine schleichende Zunahme der Aufwendungen in der Erfolgsrechnung fest, welche Sorgen bereitet», schreibt die Kommission in ihrer Stellungnahme.

Die RPK vermisse einen aktiven Sparwillen und einen «kreativeren Umgang» mit den zur Verfügung gestellten Mitteln. Vor allem aber stört sie sich an der Einlage in die finanzpolitische Reserve. Wie bereits im Budget für das laufende Jahr will der Gemeinderat auch in jenem für 2025 eine Million Franken zur Seite legen.

«ln den Augen der RPK kann es nicht Aufgabe der Gemeinde sein, aktiv zusätzliche Mittel für künftige Ausgaben anzusparen», schreiben die Rechnungsprüfer.

Deshalb beantragt die RPK, den Steuerfuss von 118 auf 114 Prozent zu senken und die Einlage in die Reserve zu streichen. Es würde im Budget entsprechend ein «solider» Ertragsüberschuss von rund einer Million Franken resultieren.

Alte Tösstalstrasse umgestalten: Ein Prestigeprojekt?

In Rämismühle findet sich ein Relikt aus alten Zeiten: Seit der Kanton 1978 die Linienführung der Tösstalstrasse angepasst hat, ist die von Häusern gesäumte alte Tösstalstrasse hinter dem Bahnhof eine normale Quartierstrasse.

In ihrem Erscheinungsbild hat sie sich jedoch – mit Ausnahme von Tempo 30, einigen Verengungen und Parkplätzen – kaum verändert. Weil aktuell die Wasserleitungen ersetzt werden, soll die überdimensionierte Strasse im gleichen Atemzug umgestaltet werden. Kostenpunkt: 1,9 Millionen Franken.

«Wir schieben das Projekt seit bald zehn Jahren vor uns hin», sagt die zuständige Gemeinderätin Susanne Stahl (SP). Lange hat man sich mit der Frage beschäftigt, wie man die breite Strasse wohnlicher gestalten könnte.

Ende 2023 beauftragte die Gemeinde ein Zürcher Landschaftsarchitekturbüro. Aus Ideen des Büros und rund 30 Anwohnern des Quartiers entstand schliesslich das Projekt mit dem Arbeitstitel «Gartencollage».

Geplant ist eine begrünte Strasse mit 23 neuen Bäumen und 28 Sträuchern, Wiesenflächen und Bänkli. Spezielle Beläge und Versickerungsflächen sollen eine starke Aufheizung verhindern.

Wie beim Bahnhofplatz in Kollbrunn soll auch hier das Schwammstadt-Prinzip zum Tragen kommen. Im nördlichen Teil ist zudem eine Tempo-20-Zone geplant.

Das Schwammstadt-Prinzip ist ein Konzept zur nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Idee dahinter ist, dass das Regenwasser im Boden versickert und von Bäumen über den Wasserkreislauf wieder abgegeben wird. Durch die Verdunstung entsteht ein Kühlungseffekt.

Dadurch sollen extreme Wetterereignisse wie Hitzeperioden oder Starkregen besser abgefangen werden. Weil das Regenwasser in durchlässigen Böden besser abfliessen kann, kann die Schwammstadt auch vor Hochwasser schützen. (nos)

Die Rechnungsprüfungskommission begrüsst die Absicht des Gemeinderats, die Strasse zu sanieren, und hält auch den Zeitpunkt für optimal. Trotzdem empfiehlt sie den Kredit zur Ablehnung. Das Projekt sei «massiv überteuert» und schiesse am Ziel vorbei, zumal die Strasse in einem ruhigen Quartier nahe an der Natur liege und nicht etwa in einer Grossstadt.

Sie schlägt stattdessen vor, die Strasse in einfacher Form zu erneuern – kosten würde dies laut Schätzungen des Gemeinderats rund 1,3 Millionen Franken.

Stahl hält dagegen: Massgebliches Argument für die Neugestaltung ist für sie der Zukunftsgedanke. «Wir erneuern diese Strasse mit Blick auf die nächsten 50 Jahre, deshalb würde ich nicht von Luxus sprechen, sondern vielmehr von einer Investition.»

Das Quartier verfüge nämlich über Baulandereserven, zudem gebe es in diesem Bereich viel Potenzial für verdichtetes Bauen. Das ist auch der Grund, weshalb die Gemeinde das angrenzende Bahnhofsareal in der neuen Bau- und Zonenordnung mit einer Gestaltungsplanpflicht belegt hat.

Eine ansprechend gestaltete Strasse könnte laut Stahl nicht nur die Attraktivität und Sicherheit für die jetzigen Anwohner steigern, sondern auch potenzielle Immobilien-Investoren anziehen, die bei ihren Projekten auf Nachhaltigkeit achten.

Stimmen die Bürger dem Projekt zu, wird im Anschluss ein konkretes Bauprojekt erarbeitet – die Arbeiten würden bereits im kommenden Jahr starten.

Auf Anfrage dieser Redaktion wollte sich die RPK weder zum Budget noch zum Strassenprojekt äussern. Sie verweist auf die Stellungnahme in den offiziellen Unterlagen zur Gemeindeversammlung.

Gemeindeversammlung Zell: 25. November, 20.15 Uhr, Singsaal Schulhaus Hirsgarten, Rikon.

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