Nächster Anlauf für einen Bus ins Alpenblick-Quartier in Hinwil
Nach gescheiterten Projekten
Viel wurde schon probiert. Doch noch immer fährt kein Bus durch das Quartier im Norden Hinwils. Jetzt folgt ein neuer Versuch – und eine Abstimmung.
Braucht das Hinwiler Quartier Alpenblick einen Anschluss ans ÖV-Netz? Diese Frage ist nicht neu. Doch sie erhält in diesen Tagen wieder eine erhöhte Brisanz. Denn in anderthalb Wochen müssen die Stimmberechtigten über eine Einzelinitiative abstimmen, die die Erschliessung des im Norden der Gemeinde gelegenen Quartiers fordert.
Durch das Alpenblick-Quartier verkehrt derzeit lediglich abends ab 20 Uhr ein Buxi. Tagsüber müssen sich die Quartierbewohnerinnen und -bewohner individuell organisieren.
Die Ausgangslage
Rund 1000 Personen wohnen im Alpenblick-Quartier. Die teilweise steile Ringwilerstrasse schlängelt sich zwischen den Wohnhäusern hindurch und überwindet bis nach Ringwil rund 100 Höhenmeter.
Einkaufsmöglichkeiten und Schulen gibt es im Quartier keine. Das Restaurant Alpenblick mit seiner atemberaubenden Aussicht ist schon seit Jahren geschlossen. Mit dem Bezirksgericht befindet sich aber dennoch eine öffentliche Institution im Quartier. Die nächste Bushaltestelle liegt aber im Hinwiler Dorfkern beim «Hirschen» – mehrere hundert Meter Fussweg entfernt.
Das fordert die Initiative
Für Anwohner Jakob Sauter ist dieser Zustand unbefriedigend. «Das ist vor allem für ältere Menschen ein Problem», findet er, der schon viele Jahre im Quartier lebt. «Man ist auf ein Privatauto angewiesen, wenn das nicht mehr geht, ist man aufgeschmissen.»
Der Initiant bemüht sich schon seit Jahren um die Einführung einer definitiven Buslinie durch das Quartier. Bisher ohne Erfolg. Zuletzt hat die Gemeinde Hinwil im vergangenen Dezember einen Antrag des Initianten mit mehreren Vorschlägen für eine Erschliessung abgelehnt.
Als einzigen Ausweg sah dieser darum eine Einzelinitiative. Die Forderung darin ist klar: Das Alpenblick-Quartier soll einen ÖV-Anschluss erhalten. Bei einem Ja der Bevölkerung zur Initiative müsste die Gemeinde eine Umsetzungsvorlage innerhalb von 18 Monaten ausarbeiten. Voraussichtlich im März 2026 käme es zu einer weiteren Abstimmung.
Er habe die Initiative allerdings bewusst nur als Anliegen formuliert, erklärt der Initiant. Ihm geht es vorerst darum, dass die Gemeinde Stellung beziehen muss. Eine konkrete Linienführung ist in der Vorlage deshalb nicht enthalten. Naheliegend wäre die Weiterführung der bestehenden Buslinie 875, die derzeit von Hinwil via Wernetshausen nach Ringwil führt.
Eine «schräge Idee» als Vorgeschichte
Elf Jahre ist es inzwischen her, seit zum letzten Mal ein Linienbus durch das Alpenblick-Quartier verkehrte. Damals fiel der Entscheid, einen versuchsweisen Kleinbusbetrieb zu Stosszeiten definitiv einzustellen. Der Grund: Die Nachfrage war zu gering – und die Kosten entsprechend zu hoch.
Parallel zur Kleinbuslinie sollte damals ein Mitfahrkonzept das ÖV-Problem ausserhalb der Stosszeiten lösen. Die Idee: Privatpersonen nehmen an definierten Haltepunkten ihre Nachbarinnen und Nachbarn in ihrem Auto mit. Das Projekt «Alpenblick fährt mit» machte weit über die Gemeindegrenzen hinaus Schlagzeilen. Bei einem Erfolg hätte es als Grundlage für ähnliche Lösungsansätze in anderen Gemeinden dienen sollen.
Doch dieser war dem unkonventionellen Konzept nicht beschieden. Im Nachhinein schrieben die Verkehrsbetriebe Zürichsee und Oberland (VZO) von einer «schrägen Idee». Der Verein hatte zwar auch ohne Unterstützung der VZO versucht, den Gratisfahrdienst aufrechtzuerhalten. Aber auch dieses Unterfangen scheiterte.

Seither hat das Alpenblick-Quartier zwischen dem Hinwiler Ortszentrum und der Aussenwacht Ringwil mit Ausnahme des Buxis keinen ÖV-Anschluss mehr. Den Verein Alpenblick fährt mit gibt es indes bis heute. Der Vorstand unterstützt die aktuelle Initiative.
So reagiert die Gemeinde
Auf wenig Anklang stösst die Initiative bei der Gemeinde. Sie lehnt das Begehren ab. Zwar anerkennt sie den Wunsch der Bevölkerung nach einem guten Anschluss an den öffentlichen Verkehr. Doch sie sagt auch heute: Eine Buslinie durch das Alpenblick-Quartier ist zu teuer.
Nach aktuellen Berechnungen, die auf der Kalkulationsmethode des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) beruhen, würde ein durchgehender Testbetrieb während vier Jahren rund 650’000 Franken pro Jahr kosten. Ein reduzierter Betrieb unter der Woche und nur zu Stosszeiten immerhin noch 260’000 Franken pro Jahr.
Während des Testbetriebs ab 2008 hätten nicht einmal 10 Prozent der Quartierbewohner den Bus genutzt. Das sei zu wenig. Damit der ZVV eine Buslinie in den regulären Fahrplan aufnimmt, ist ein Kostendeckungsgrad von 30 Prozent nötig.
Als Herausforderung führt die Gemeinde die komplexe Siedlungsstruktur Hinwils an. Der Anschluss der Aussenquartiere und Aussenwachten an den öffentlichen Verkehr sei nicht einfach. Gleichzeitig sei es dem Gemeinderat «ein wichtiges Anliegen, die ÖV-Erschliessung im gesamten Gemeindegebiet zu prüfen», teilt die Gemeinde schriftlich mit.
Allerdings wird auf die nächste Legislatur vertröstet. «Ein solches Projekt benötigt entsprechende Ressourcen und Zeit», heisst es. In dieser Legislatur werde die Verkehrsberuhigung in den Quartieren angegangen. Ein entsprechendes Projekt läuft seit gut einem Jahr.
Ob dem Gemeinderat Zeit bis zur nächsten Legislatur bleiben wird, zeigt sich am 24. November. Dann können die Stimmberechtigten von Hinwil über die Einzelinitiative für den ÖV-Anschluss von Hinwil Nord abstimmen.
