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Zahlenknatsch in Pfäffikon – mit unterschiedlichen Resultaten

Lässt sich ein Politiker von seiner Meinung abbringen? Albert von Allmen, Vermieter des Sozialdiensts Pfäffikon, hat's versucht.

«Ich kenne Paul, seit er ein kleiner Bub war»: Albert von Allmen (rechts) im Gespräch mit SVP-Kantonsrat Paul von Euw.

Foto: Sandro Compagno

Zahlenknatsch in Pfäffikon – mit unterschiedlichen Resultaten

Sozialdienst Bezirk Pfäffikon

Paul von Euw rechnet, Albert von Allmen rechnet auch. Es geht um die Miete des Sozialdiensts Bezirk Pfäffikon. Die Ergebnisse könnten unterschiedlicher nicht sein.

«Arithmetik ist keine Meinung.» Dieses schöne Zitat stammt vom einstigen italienischen Finanzminister Bernardino Grimaldi (1839–1897). Nun gut, Grimaldi konnte damals die Pfäffiker Gemengelage nicht vorhersehen. Denn im Oberländer Bezirk führen Zahlen anscheinend ein mathematisches Eigenleben.

Auf der einen Seite steht die SVP, angeführt von Paul von Euw, dem Präsidenten der Bezirkspartei. Er ist ein entschiedener Gegner der Vorlage, die am 24. November zur Abstimmung kommt. Für ihn ist die Zusammenlegung des Sozialdiensts Bezirk Pfäffikon an der Sophie-Guyer-Strasse 9 unnötig und vor allem zu teuer.

Auf der anderen Seite steht der Pfäffiker Unternehmer Albert von Allmen. Er will endlich Klarheit. Der Besitzer des 1981 erbauten und in den letzten Jahren grundlegend sanierten Gebäudes wartet seit mehr als einem Jahr auf Mieterträge für den zweiten Stock seiner Immobilie. Dieser steht nach wie vor im Rohbau – bis man weiss, ob der Sozialdienst seine Berufsbeistände dort unterbringen darf.

Darum geht es

Über den Zweckverband Soziales Bezirk Pfäffikon erfüllen die zehn Gemeinden des Bezirks die Gemeindeaufgaben des Sozialdiensts.

Im Februar 2020 hatte die Stimmbevölkerung des Bezirks einen jährlich wiederkehrenden Kredit über 320’000 Franken für die geplante Zentralisierung des Sozialdiensts an der Sophie-Guyer-Strasse 9 in Pfäffikon klar verworfen.

Nachdem kein alternativer Standort hatte gefunden werden können, unternahm der Zweckverband Soziales einen erneuten Versuch, seine Dienste am Standort Sophie-Guyer-Strasse zusammenzulegen. Dort sind seit 2023 bereits verschiedene Bereiche des Sozialdiensts untergebracht.

Ein zweistöckiges Bürogebäude.
Sophie-Guyer-Strasse 9 in Pfäffikon: Der obere Stock steht leer.

Die Exekutiven der zehn Gemeinden im Bezirk haben dem jährlichen Kredit von rund 67’000 Franken, der dem Umzug zugrunde liegt, im Herbst 2023 mit 6 zu 4 Stimmen zugestimmt.

Dagegen hat der Effretiker SVP-Stadtparlamentarier Daniel Huber beim Bezirksrat eine Stimmrechtsbeschwerde eingereicht. Er argumentierte, dass es nicht nur um den Kredit von rund 67’000 Franken für die nun geplante Zusammenlegung geht, sondern dass auch der erste Umzug in dieses Geschäft gehört.

Damit liege der Kredit über der Limite von jährlich 120’000 Franken, für die ein Volksentscheid notwendig sei. Der Bezirksrat hat die Beschwerde gutgeheissen.

Deshalb stimmt der Souverän des Bezirks Pfäffikon am 24. November zum zweiten Mal über die Zusammenlegung der Räumlichkeiten des Sozialdiensts an der Sophie-Guyer-Strasse 9 ab. Diesmal geht es um einen wiederkehrenden Kredit von 280’000 Franken.

Albert von Allmen ärgert sich. Er ärgert sich über eine Aussage von Paul von Euw, die dieser an einer Podiumsdiskussion in Effretikon Ende Oktober geäussert hat: Die mehr als 1000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche an der Sophie-Guyer-Strasse seien übertrieben, sagte der SVP-Politiker damals und warf dem Sozialdienst vor, «auf Halde zu mieten». Er berief sich dabei auf eine Studie der Immobilienberater Wüest Partner, die den Flächenbedarf eines Büroarbeitsplatzes errechnet hat.

Wüest Partner kommen für eine Pendlergemeinde ausserhalb der Agglomeration auf einen Flächenbedarf pro Vollzeitäquivalent von knapp 15 m2 Bruttogeschossfläche. Von Euw rundet in seiner Berechnung grosszügig auf. Dass die meisten der rund 30 Mitarbeitenden des Sozialdiensts im 80-Prozent-Pensum arbeiten, lässt er nicht in seine Rechnung einfliessen. Inklusive Sitzungszimmer kommt er so auf einen Raumbedarf von 510 Quadratmetern. Im aktuellen Projekt sind es 738.

Zu viel Bürofläche, zu grosses Lager?

Auch die Räume für Archiv und Lager seien 200 Quadratmeter zu gross, so Paul von Euw. Ursprünglich sei man von einem Bedarf von 100 m2 ausgegangen, an der Sophie-Guyer-Strasse umfassen Lager und Archiv aber 300 m2.

Die Büroflächen multipliziert der SVP-Bezirkspräsident mit marktüblichen 200 Franken Jahresmiete pro Quadratmeter, das Archiv mit 80 Franken pro Quadratmeter. Nach seiner Berechnung resultieren so in vier Jahren rund 250’000 Franken Miete, die der Sozialdienst an diesem Standort zu viel bezahlen würde.

14,5 Quadratmeter für ein Standardbüro

Diese Zahl wiederum bestreitet Albert von Allmen vehement und spricht von Falschaussagen. Die Planung für die Büros halte sich an die Vorgaben für die kantonale Verwaltung. Diese sieht für ein sogenanntes «Standard Büro» einen Raumbedarf von 14,5 m2 für einen Büroarbeitsplatz vor. Das hat der Zürcher Regierungsrat 2023 so festgelegt.

Allerdings, so von Allmen, blende von Euw den Raumbedarf für Zugänge, Nebenräume, Sanitäranlagen sowie zentrale Beratungs- und Verkehrsflächen aus. Diese zählen in seiner Lesart nicht zur Arbeitsplatzfläche.

Auch das bestätigt der Regierungsrat in seinem Beschluss vom Mai 2023: «Nicht anwendbar ist der Standard für Tätigkeitsflächen in Bürobauten, die nicht für Büroarbeit klassifiziert sind. Dazu zählen beispielsweise Laborflächen, zentrale Räume zur Einvernahme oder Beratung, Therapieräume, Archivflächen ohne Tageslicht oder spezifische Kundenflächen bei Schalteranlagen.»

Lediglich Archiv und Nebenräume seien – aufgrund der Architektur des Gebäudes – etwas gross ausgefallen, gibt von Allmen zu. Aber diese 300 Quadratmeter würde er zu 80 Franken vermieten, was in vier Jahren knapp 100’000 Franken seien.

Der Unternehmer lud Paul von Euw in das Gebäude an der Sophie-Guyer-Strasse ein, um ihm seine Sicht der Dinge darzulegen. Gemeinsam mit Iwan Hubschmid, dem Geschäftsleiter des Sozialdiensts, und Arzt und FDP-Kantonsrat Andreas Juchli, der die Zusammenlegung unterstützt, führte er den SVP-Politiker durch die Räumlichkeiten des Sozialdiensts.

Hubschmid erläuterte die Aufgaben der verschiedenen Abteilungen des Sozialdiensts, erklärte die Abläufe, sogar die Haustechnik war ein Thema des durchaus freundlichen Austauschs.

Er gehe davon aus, «die grundsätzlichen Zweifel am Platzbedarf vom Sozialdienst beheben» zu können, hatte Albert von Allmen in seiner Einladung zur Besichtigung geschrieben.

Ob ihm das gelungen ist, scheint fraglich. Tags darauf erreichte uns eine E-Mail von Paul von Euw mit der Berechnung, die dieser schon am Podium in Effretikon vorgebracht hatte. Das Fazit: «Somit bin ich nach wie vor der Ansicht, dass meine Aussage von 250'000 Franken in vier Jahren stimmt.» Eine Einigung klingt irgendwie anders. 

Wer also hat recht? Ein Stück weit beide. Die Räume an der Sophie-Guyer-Strasse sind grosszügig. Allerdings ist der Platzbedarf eines Berufsbeistands sicher grösser als beispielsweise der eines Journalisten: Er empfängt Klienten, benötigt deshalb ein Büro oder Sitzungsräume für vertrauliche Gespräche. Und er hat weniger Gelegenheit, im Homeoffice zu arbeiten.

Abweichungen von den 14,5 m2 Fläche für ein Standardbüro sind also nachvollziehbar. Wie gross diese Abweichungen sein dürfen, darüber scheiden sich die Geister.


Dieser Artikel wurde nach der Publikation am Montagabend noch angepasst.

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