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Löst ein Tunnel das Verkehrschaos in Uster?

Der Kanton möchte dem täglichen Stau in Uster mittels Unterführung entgegenwirken. Doch ist ein Tunnel nicht die bessere Variante?

Der Stau reicht teilweise bis zum Spital Uster. (Archiv)

Foto: Jan Gubser

Löst ein Tunnel das Verkehrschaos in Uster?

Gegen den Stau

In Uster dürften sich in den kommenden Jahren die Staus verlängern. Eine Gruppe Ustermer möchte das Problem mit einem Tunnel lösen. Doch so einfach ist es nicht.

In Uster droht Verkehrschaos. Während die Planungen für neue Unterführungen stocken, bringen Parlamentarier eine alternative Lösung ins Spiel: einen Tunnel.

Der Ausbau des SBB-Bahnnetzes zwischen Uster und Aathal führt zu erhöhtem Zugverkehr. Dadurch werden die Barrieren auf dem Ustermer Stadtgebiet häufiger geschlossen sein, und Autos, Velos sowie Fussgänger müssen bis zu 48 Minuten pro Stunde warten.

Das wohl grösste Projekt, um das Stauproblem in Uster zu lösen, ist zurzeit eine Unterführung an der Winterthurerstrasse. Am Mittwochabend informiert der Kanton erstmals detailliert über das Projekt. Und inmitten der Planung des Millionenprojekts bringt nun eine Handvoll Ustermer Stadtparlamentarier eine neue Idee auf den Tisch: einen Tunnel.

Ein Tunnel durch Uster

Für den Ustermer Stadtparlamentarier Benjamin Streit (SVP), den Erstunterzeichner der Einzelinitiative, ist klar: «Die geplante Unterführung an der Winterthurerstrasse wird das Verkehrsproblem in Uster nicht lösen.»

Denn der Verkehr bleibe auch mit der Unterführung stockend. Wegen der geplanten Temporeduktion auf 30 km/h werde der Verkehr gar verlangsamt. Und die Lärmbelastung für die Bevölkerung sei dann auch nicht beseitigt.

Ein Mann lächelt.
Benjamin Streit (SVP) wünscht sich einen Tunnel, der unter Uster durchführt.

Für Streit wäre ein Tunnel die ultimative Lösung. Der Langsamverkehr und der ÖV könnten vom Durchgangsverkehr grösstenteils getrennt werden. Im Fall einer Realisierung schlägt Streit vor, dass der Kanton die entlasteten oberirdischen Kantonsstrassen an die Stadt Uster abtritt. «So hätte Uster viel mehr Spielraum, wie sie die Stadt gestalten kann», sagt Streit.

Mit der Initiative reicht er und die zwei Mitunterzeichnenden, Jürg Krauer (FDP) und Isabel Eigenmann (Die Mitte), gleich zwei konkrete Varianten ein, wo ihnen ein Tunnel unter der Stadt sinnvoll erscheint.

Bei der Riedikerstrasse auf Höhe der Wührestrasse soll der Tunneleingang liegen. Dieser führt dann bei der Variante A über den sogenannten Nüssli-Kreisel beim Sternenplatz – direkt neben dem Stadthaus – in Richtung Spital. Zwischen dem Spital und der Autobahnausfahrt Uster Nord soll der Tunnel letztlich enden.

Bei der Variante B läge der Eingang des Tunnels ebenfalls bei der Riedikerstrasse. Der Tunnel zöge dann aber westlich in Richtung Zellweger-Weiher und würde bei der Winterthurerstrasse sein Ende finden.

Zwei Zufahrten

Die Initianten sehen für die Variante A zwei Zufahrten vor. Ein direkter Zugang in die Stadt wäre demnach auf der Höhe Nüssli-Kreisel möglich. «Wer nur kurz nach Uster einkaufen geht, kann sein Auto in einem der umliegenden Parkhäuser abstellen», erklärt Streit. «Und wer einfach nur die Stadt passieren will, nutzt den direkten Weg per Tunnel.»

Eine weitere Zufahrt wäre dem Rettungsdienst des Spitals Uster vorbehalten. Streit rechnet in den kommenden Jahren mit einer grösseren Auslastung des Rettungsdiensts – einerseits wegen der Entwicklungen in der Spitallandschaft, andererseits wegen des Bevölkerungswachstums.

«Die Einsatzfahrzeuge des Spitals haben teils heute schon Probleme, durch den Verkehr hindurchzukommen», sagt Streit. Ein direkter Zugang in den Tunnel sei für den Rettungsdienst deshalb von grossem Wert.

Mehrere hundert Millionen Franken

Ganz neu ist die Idee eines Tunnels zwischen der Nord- und Südachse allerdings nicht. Bereits vor vier Jahren befasste sich die Stadt Uster mit einem möglichen Tunnel. Doch die Idee sei wegen eines schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses verworfen worden, so der Ustermer Stadtrat und Bauvorsteher Stefan Feldmann (SP).

Damals prüfte die Stadt einen Nord-Süd-Tunnel in der Länge von ungefähr 3,5 Kilometern, wie aus dem Ergänzungsbericht des Stadtentwicklungskonzepts hervorgeht. Gemäss Kosteneinschätzung wäre mit Ausgaben im mittleren dreistelligen Millionenbereich zu rechnen.

«Verkehrstechnisch böte ein Stadttunnel Vorteile für den stadtquerenden Durchgangs­verkehr», bemerkt Feldmann. Allerdings mache dieser bei der Autobahnausfahrt Uster Nord lediglich ein Viertel aus. Bei der Variante A profitieren demzufolge nur 25 Prozent des Verkehrs vom Tunnel. Bei der Variante B wären es etwa 10 Prozent. Täglich würden bei einer optimistischen Berechnung immer noch gut 14’000 Fahrzeuge die Stadt oberirdisch befahren und die Barrieren der Bahnübergänge passieren müssen.

«Auch würde mit einem Stadttunnel der Weg über Uster mit Anschluss an die Autobahn an Attraktivität gewinnen», merkt der Stadtrat an. Als Folge würde der Verkehr auf dieser Achse deutlich zunehmen.

Der Kantonsrat entscheidet

Für die Initianten ist der Tunnel dennoch eine Art Universallösung. Und auch die kommunalen Parteien der SVP, FDP, und Die Mitte stehen hinter dieser Idee. Der Durchgangsverkehr falle durch einen Tunnel oberirdisch praktisch weg, die Strassen würden entlastet, das Stadtzentrum könnte auf den Langsamverkehr ausgerichtet werden.

Findet der Vorstoss im Kantonsparlament Anklang, müsste die Regierung dem Kantonsrat einen Bericht und einen Antrag vorlegen. Stimmt dann die Mehrheit des Rats der Initiative zu, müsste die Regierung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, um die Kosten und die Realisierbarkeit des Tunnels zu prüfen.

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