Bubikon behält nun doch sein altes Logo
Teurer Knatsch um Logo
Die Bevölkerung sollte ein neues Logo für Bubikon wählen. Jetzt bleibt doch alles beim Alten – obwohl diese Option gar nicht zur Wahl stand.
Jetzt ist es amtlich: Das Bubiker Logo bleibt so, wie es ist. Eigentlich wollte der Gemeinderat seinem Dorf mit neuem Logo und Slogan einen frischen Anstrich verpassen. Doch nach diversen negativen Reaktionen hat er es sich anders überlegt.
«Ich habe keine einzige Stimme gehört, die ein neues Logo wollte», sagt Emanuel Armbruster, Mitte-Präsident von Bubikon-Wolfhausen, auf Anfrage. Für ihn kommt der Entscheid des Gemeinderats darum nicht überraschend. «Wäre das alte Logo nicht beibehalten worden, hätte die Bevölkerung als Reaktion wahrscheinlich einfach das Budget 2025 an der kommenden Gemeindeversammlung abgelehnt.» Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen?
Der erste Versuch
Die Odyssee beginnt vor über zwei Jahren mit der Erarbeitung eines neuen Kommunikationskonzepts. Damals wurden Werte definiert, die für die Gemeinde zentral sind: naturnah, lebendig, erfolgreich, klimaneutral, gestaltend. Letztes Jahr bestätigen sich diese Werte in einer Umfrage in der Bevölkerung.
Die Gemeinde und die Schule sind der Meinung, dass das bisherige Logo nicht mehr dem entspricht, was gegen aussen vermittelt werden soll. Der Grundstein für ein neues Logo ist gelegt.
Bei einer Info-Veranstaltung im Juni präsentiert Gemeindepräsident Hans-Christian Angele (FDP) erstmals ein neues Logo inklusive Slogan: «zweimal so gut». Der bisherige Slogan lautete «Bubikon und Wolfhausen: Zwei Dörfer – eine Gemeinde».

Das neue Logo sollte abstrakt und schlicht sein, und die Farben grün, gelb, schwarz und rot aufnehmen. Die Schule hätte dabei ein eigenes Logo im ähnlichen Stil erhalten.
Doch einige Personen üben Kritik am Entwurf. Die Verwaltung und der Gemeindepräsident erhalten mehrere Stellungnahmen – unter anderem von den Parteivorständen und der Ritterhausgesellschaft. Sie fordern eine deutlichere Verwendung der bisherigen Wappen- und Logo-Elemente. Manche insistieren, das alte Logo beizubehalten.
Zwei neue Varianten
Der Gemeinderat entscheidet sich aufgrund der vielen negativen Rückmeldungen, zwei zusätzliche Logo-Varianten auszuarbeiten. Die zweite Version greift einzelne Elemente des alten Logos auf. Das dritte Design ähnelt hingegen stark dem Gemeindewappen und bisherigen Logo.


Mittels Abstimmung legt die Exekutive Bubikons dann die drei Vorschläge der Bevölkerung zur Wahl vor. Doch das alte Logo der Gemeinde findet keinen Platz in der Abstimmung.

Und wieder üben Teile der Bevölkerung Kritik am Vorgehen des Gemeinderats. Auch zwei kommunale Parteien fordern, die «Logo-Übung» abzubrechen. In Medienmitteilungen machen die EDU und Die Mitte ihrem Unmut Luft.
Auf der Plattform «Buebikernews» stapeln sich derweil negative Kommentare wütender Bürger. Der Chefredaktor eröffnet kurzerhand ein eigenes Voting auf seiner Webseite. Über ein Kontaktformular können die Menschen ihre Stimme dem alten Logo geben. Letztlich erreicht dieses über tausend Stimmen.
Altes Logo bleibt doch
Die Abstimmung der Gemeinde läuft rund drei Wochen lang bis zum 13. Oktober. Es kommen gut 1500 Stimmen zusammen. Eine Mehrheit von fast zwei Dritteln spricht sich für die dritte Variante, die dem alten Logo am meisten ähnelt, aus. Doch die Entscheidung fällt trotzdem nicht auf jenes Logo.
Denn von den 71 von Hand eingeworfenen physischen Wahlzetteln sind mehr als die Hälfte mit dem Hinweis überschrieben, das bestehende Logo beizubehalten. In knapp 60 persönlichen Schreiben an den Gemeindepräsidenten und die Verwaltung wünscht sich der Grossteil der Menschen ebenso kein neues Logo.
«Normalerweise erhalte ich zu aktuellen Themen vielleicht zwei oder drei persönliche Rückmeldungen», sagt Gemeindepräsident Angele. Ihn habe es aber gefreut, dass die Rückmeldungen – bis auf eine – keine Beleidigungen enthielten.
Die Reaktionen waren teils auch im Alltag draussen zu spüren. «Das Thema hat uns nicht übermässig beschäftigt. Die Gemeinderäte und auch die Schulpflege wurden einfach im Alltag auf die Logos angesprochen», so Angele.
Und trotzdem: Wie der Gemeinderat am Donnerstag mitteilt, verzichten er und die Schulpflege nun auf ein neues Logo und einen neuen Slogan. Somit bleibt nach wochenlanger Aufregung alles beim Alten.
Viel Wirbel
Den Entscheid begründet der Gemeinderat mit den vielen eingegangenen Rückmeldungen. «Es kann davon ausgegangen werden, dass ein Grossteil der Einwohnerinnen und Einwohner, welche die dritte Variante gewählt haben, eigentlich das alte Logo beibehalten möchten», heisst es in der Medienmitteilung.
Dies sei in den persönlichen Schreiben und Gesprächen auch immer wieder angesprochen worden. Damit läge die Vermutung nahe, dass in einer Abstimmung das alte Logo klar am meisten Stimmen erhalten hätte.
Für den Auftritt der Gemeinde und der Schule auf der Webseite, bei Briefvorlagen oder auf sozialen Medien werden nun weiterhin das alte Logo und der bisherige Slogan verwendet.
Kosten von mehreren zehntausend Franken
Die kritischen Stimmen in der Logo-Debatte ärgerten sich besonders über die Kosten, die die Logo-Entwürfe auslösten. Bisher war jedoch unklar, wie viel Geld in die Erstellung tatsächlich floss, da die Arbeit um das Kommunikationskonzept mehr als nur das Logo beinhaltete.
Nun ist jedoch klar: «Der Entwurf des ersten Logos hat inklusive Sitzungen ungefähr 17’000 Franken gekostet.» Gemeindepräsident Angele legt zudem offen, dass für die weiteren Logo-Entwürfe und die Abstimmung inklusive Versand und Auswertung gut 27’000 Franken aufgewendet wurden. Insgesamt belaufen sich die Ausgaben auf rund 44’000 Franken.
Mit einem Blick zurück auf die letzten Wochen meint Angele: «Die Diskussion um das Logo war emotional. Nun wollen wir uns aber wieder den wichtigen Aufgaben in der Gemeinde zuwenden.»
Nachdem die Entscheidung um ein neues Logo für Bubikon gefallen ist, kann die Arbeit am Kommunikationskonzept weitergehen. Der neue Auftritt dürfte voraussichtlich im nächsten Sommer mit einer neuen Webseite erstmals sichtbar werden.