Wie geht es mit der Unteren Farb und dem Stadtarchiv weiter?
Durchzogene Gemeinderatssitzung
Die Meinungen gehen auseinander, die Zukunft der Unteren Farb und des Stadtarchivs steht nach wie vor in den Sternen. Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) erklärt, wie es jetzt weitergehen soll.
Die gemeinsame Zukunft der Unteren Farb und des Stadtarchivs – eine Ustermer Geschichte, die gerade auf Eis liegt. Denn nur bei einer Sache ist sich der Gemeinderat im Projekt einig: Es herrscht Uneinigkeit. Die Möglichkeiten sind da, die Meinungen auch. Doch wie es nun wirklich weitergeht, weiss niemand so genau.
Nur einen Tag nach der verlorenen Abstimmung um den Projektierungskredit im März 2024 reichte Gemeinderat Balthasar Thalmann (SP) ein Postulat ein. Darin forderte er, das weitere Vorgehen rund um das Projekt sorgfältig zu analysieren und daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.
Das hat der Stadtrat in seinem Bericht gemacht – und kam zum Schluss, mit dem Projekt könne kaum alles unter einen Hut gebracht werden. Letztlich legte er dem Parlament drei mögliche Optionen vor, welche in der Sitzung vom 21. Oktober diskutiert wurden.
Die Lösungsvorschläge des Stadtrats
Option 1, die Reduktion, sieht einen Verzicht auf die Gastronomie in der Unteren Farb vor. Damit könnte Geld gespart werden, und die Sanierung wie auch der Einbau des Archivs würde wie geplant umgesetzt.
Mit Option 2, der Trennung, würden die Untere Farb und das Stadtarchiv separat angegangen. Die Untere Farb würde saniert, das Archiv käme in ein alternatives Gebäude. So beispielsweise in die ehemalige Käserei Roth.
Option 3, der Neustart, wäre eine neue Ausarbeitung des Gestaltungsplans mit neuen Nutzungsmöglichkeiten der Unteren Farb. Das Archiv müsste auch mit dem Neustart aber eine zukünftige Bleibe finden – wie beispielsweise in der Käserei Roth.
Alle drei Lösungsmöglichkeiten stiessen sowohl auf Zustimmung als auch auf Ablehnung. Eine eindeutige Tendenz blieb aus.
Ganz oder gar nicht
Der Initiant des Postulats, Balthasar Thalmann (SP), stellte fest: In der Diskussion um die Untere Farb gelte es zwei wesentliche Fragen zu beantworten. Zum einen, das weitere Vorgehen und die Nutzung der Unteren Farb. Zum anderen, die Zukunft des Stadtarchivs und der Paul Kläui Bibliothek.
Nur mit der vorgeschlagenen Option 1 des Stadtrats, der Reduktion, würden beide Fragen beantwortet. Diese Option sei für die SP-Fraktion weiterzuverfolgen.
Gemeinderat Markus Ehrensperger (SVP) erläutert für die SVP/EDU-Fraktion, man halte am anfänglichen Konzept für die Untere Farb und das Stadtarchiv fest – wenn möglich auch zu den ursprünglichen Kosten.
Müsse man sich für eine der vorgeschlagenen Optionen entscheiden, tendiere die Fraktion zum Neustart. Doch so ganz glücklich sind sie mit den Vorschlägen nicht: «Die drei Varianten stammen vom rot-grünen Stadtrat, somit hat man die Wahl zwischen Pest, Cholera und Pizza Hawaii», so Ehrensperger. Die SVP/EDU-Fraktion lehnte das Postulat darum ab.
Durchzogene Einigkeit
Mit Option 2, der Trennung, hatte der Stadtrat seine Favoritin gefunden. Unterstützung findet er damit bei der GLP/EVP-Fraktion, welche ebenfalls diese unterstützt.
Josua Graf (GLP) erläuterte, der Gestaltungsplan müsse nicht komplett neu erarbeitet werden, eine zukunftsfähige Nutzung müsse jedoch möglich sein. Die Untere Farb könne mit dieser Lösung beispielsweise für die Jugendarbeit genutzt werden.
Auch Marc Thalmann (FDP) sprach sich für die FDP/Mitte-Fraktion für Option 2 aus, genauso wie Lukas Adam, welcher für die Grüne-Fraktion sprach. Dass die Nutzung der Unteren Farb damit offen bliebe, kommentierte er, «in der Hoffnung, die nächste Generation an Politikern hat eine zündende Idee für die zukünftige Nutzung».
Neustart sei nötig
Der fraktionslose Paul Stopper (BPU) war nicht nur Teil des Referendumskomitees gegen die ursprünglichen Pläne für die Untere Farb, sondern ist auch Mitglied des Vereins der Freunde der Paul Kläui Bibliothek.
«Ja, wir sind so klug wie zuvor», kommentierte Stopper den Bericht des Stadtrats. Es folgten Tipps und Vorschläge, so beispielsweise die Finanzabteilung in die Käserei Roth und dafür das Archiv ins ehemalige ZKB-Gebäude ziehen zu lassen.
Weiter hielt er daran fest, dass der Wohnteil in der Unteren Farb weiter als solcher genutzt werden soll. Die Gründung einer Stiftung könne neues Licht ins Dunkel des Projekts bringen – «wie das der Zürcher Heimatschutz schon vor 20 Jahren in vielen Eingaben vorgeschlagen hatte». So oder so, ein Neustart sei nötig – und damit tendiert er zu Option 3 der vorgeschlagenen Lösungen des Stadtrats.
Ein runder Tisch
Es sind Ideen und Meinungen, die an diesem Montagabend durch den Gemeinderatssaal flogen – es scheint, als habe jeder eine Vision, doch in eine gemeinsame Zukunft zu blicken, das fällt schwer.
Dennoch wurde das Postulat mit 24 zu 9 Stimmen angenommen und wäre damit prinzipiell erledigt. Doch die Debatte um die Untere Farb und den Verbleib des Stadtarchivs ist noch lange nicht zu Ende – das sieht auch Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) so.
«Die Diskussion hat gezeigt, wie unterschiedlich die Nutzungsvorstellungen in der Unteren Farb nach wie vor sind. Wir nehmen den Wunsch nach einem runden Tisch für eine breite Diskussion ernst», so Thalmann.
Dabei verfolge der Stadtrat auch nach wie vor die Option «Trennung», denn die Käserei Roth stelle eine gute Lösung für das Stadtarchiv dar. Für die Zukunft der Unteren Farb erwarte der Stadtrat «klarere Antworten am runden Tisch».
Es seien aber immer noch alle Optionen möglich – allerdings scheint die Option der Käserei Roth nicht ewig zur Verfügung zu stehen. «Der Vermieter erwartet in nützlicher Frist eine Antwort seitens Stadtrat», so Thalmann.
