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Bürger von Zell wünschen sich Tempo 30 – doch es braucht Geduld

In Langenhard und Kollbrunn fordern Bürgerinnen verkehrsberuhigende Massnahmen. Auf Fortschritte warten sie bislang vergeblich.

Steht am Ortseingang von Unterlangenhard bald eine Tempo-30-Tafel? Einige Bürger wünschen sich das.

Foto: Noah Salvetti/Bildmontage: ZO

Bürger von Zell wünschen sich Tempo 30 – doch es braucht Geduld

Verkehrsberuhigung im Tösstal

Der Gemeinderat von Zell muss sich mit Tempo 30 befassen. Zwei Einwohnerinnen haben voneinander unabhängig den Stein ins Rollen gebracht – beide mit breiter Unterstützung. Getan hat sich seither wenig.

Gleich von mehreren Seiten wurden in der Gemeinde Zell jüngst Rufe nach verkehrsberuhigenden Massnahmen laut. Einer der Schauplätze: Unterlangenhard.

Die Langenhardstrasse sei «eine absolute Rennstrecke»– so begründete Anwohnerin Charlotte Joss Ende Juni ihr Anliegen, auf ebendieser Strasse die Einführung von Tempo 30 und weiteren Massnahmen zur Verkehrsberuhigung zu prüfen.

Im Vorfeld der Gemeindeversammlung hatte sie dem Gemeinderat eine Anfrage zukommen lassen, die um mehrere Unterschriften aus der Rikemer Aussenwacht ergänzt war. Nicht nur Tempo 50, sondern auch die «häufige und zum Teil massive Überschreitung der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit» gefährdeten die Sicherheit der Kinder im Ort.

Stall mit dahinterliegendem Wohnhaus und Briefkasten
Die Langenhardstrasse führt durchs Dorf und ist von Wohnhäusern gesäumt.

Die Diskussion im Saal zeigte, dass das Thema bewegt. Trotz Gegenstimmen schien eine Mehrheit ihr Anliegen zu unterstützen – obwohl dies im Fall einer Anfrage gar nicht von Belang ist, sie muss so oder so beantwortet werden.

Gemeindepräsidentin Regula Ehrismann (EVP) gab an jenem Abend zu bedenken, dass man auch den Lärm, den bauliche Hindernisse bei Tempo 30 verursachten, nicht unterschätzen dürfe. Und kündigte an, das Anliegen in einer der nächsten Sitzungen zu thematisieren.

Gemeinderat lässt sich Zeit

«Ich war überrascht, wie viele positive Rückmeldungen ich da erhielt», erzählt Charlotte Joss. Von der Gemeinde habe sie seit ihrem Auftritt an der Gemeindeversammlung aber auch drei Monate später nichts mehr gehört.

Die Funkstille begründet der zuständige Gemeinderat Stefan Hochreutener (EVP) mit «ausstehenden Informationen», die man habe einholen müssen, etwa beim Kanton. «Diese liegen nun vor, und wir werden uns an der nächsten Gemeinderatssitzung mit der Thematik befassen.»

Spielt der Gemeinderat auf Zeit? Ihre Meinung hat die Langenharder Theaterschauspielerin jedenfalls nicht geändert. Im Gegenteil: «Ich war im Sommer oft zu Hause und habe gleich mehrere Schnellfahrer beobachtet», sagt Joss. Auch am Langenharder Quartierfest erhielt sie zahlreiche unterstützende Rückmeldungen.

Szenenwechsel nach Kollbrunn. Im dortigen Bolsternbuck-Quartier setzt sich Anwohnerin Cornelia Schmidt für verkehrsberuhigende Massnahmen auf der Bolsternstrasse ein. Sie hat dazu Ende Juli eine Petition lanciert und im Quartier Unterschriften gesammelt. Rund 120 Bürger haben bereits unterzeichnet.

Anders als in Langenhard handelt es sich um eine Kantonsstrasse. Eine Verkehrsberuhigung kommt auf diesen Strassen nur zustande, wenn die Standortgemeinde involviert ist. Und selbst dann nur, wenn sie das Anliegen unterstützt und der Abschnitt sowieso in den nächsten Jahren saniert werden müsste.

Man sieht eine Frau an einem Tisch mit einem Zettel in der Hand und einem Schild daneben.
120 Leute haben die Petition von Cornelia Schmidt bereits unterschrieben.

Pünktlich zur nächsten Gemeindeversammlung will Schmidt ihre Forderung, so, wie es bereits Joss getan hat, als Anfrage an den Gemeinderat richten. Denn anders als eine Petition gelangt diese an die Gemeindeversammlung und kann dort diskutiert werden.

Auch Schmidts Betroffenheit ist seit der Lancierung ihres Anliegens eher grösser geworden. Der Grund ist ein tragischer: Nachdem eine ihrer Freigängerkatzen bereits kurz nach ihrem Zuzug überfahren worden war, ereilte eine weitere Fellnase vor Kurzem dasselbe Schicksal.

Trauernde Büsihalter, besorgte Eltern

Mit dem Problem ist sie nicht allein. «Ich weiss von Leuten, die drei ihrer Katzen auf diese Weise verloren haben», berichtet Schmidt. Davon zeugt nicht zuletzt das – inzwischen von Unbekannten wieder abmontierte – Schild mit der Aufschrift «Vorsicht Katzen», das Anwohner aufgestellt hatten.

Zudem höre sie auch viele Stimmen von besorgten Eltern, die ihre Kinder nur ungerne allein auf den Schulweg entlang der Bolsternstrasse schickten.

Mit der Gemeinde hatte Schmidt bereits regen Kontakt – nicht nur per Telefon, sondern auch persönlich. Gefruchtet habe dies bisher wenig. Offenbar erachte die Gemeinde die Situation als sicher genug. «Ich habe den Eindruck, dass sich Kanton und Gemeinde gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben», sagt Schmidt.

Aufgeben will Cornelia Schmidt aber keinesfalls. Bis sie ihre Anfrage im November an die Gemeindeversammlung richten kann, sammelt sie weiter Unterschriften.

Und auch Joss lässt nicht locker. Sie will erneut beim Gemeinderat nachhaken, sofern ihr dieser nicht zuvorkommt. Am Donnerstag tagt die Exekutive zum nächsten Mal.

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