Wahl für das Schulpräsidium in Pfäffikon führt zu Parteiaustritten
Fünf Kandidierende
Die Vorgeschichte ist emotionsgeladen, und nun dürfte auch der Wahlkampf explosiv werden: Die Ersatzwahl für das Schulpräsidium hat die Gemeinde Pfäffikon bereits durchgerüttelt.
Das Pfäffiker Schulpräsidium ist ein Amt, das sich in diesem Jahr nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat. Ex-Schulpräsident Hanspeter Hugentobler (EVP) trat Ende Mai aus gesundheitlichen Gründen per sofort zurück. Der Eklat um einen homosexuellen Lehrer, der ins Kreuzfeuer von wertkonservativen Eltern geraten und schliesslich aus seiner Position gedrängt worden war, hatte die Gemüter in der Gemeinde derart hochkochen lassen, dass Hugentobler krankgeschrieben wurde.
Danach stellte sich die Frage: Wer will so ein Amt überhaupt? Niemand, oder erst recht viele, die es besser machen wollen? Nun liegt die Antwort vor. Vier Kandidatinnen und ein Kandidat kämpfen darum, die Nachfolge von Hugentobler im Pfäffiker Gemeinderat anzutreten. Die Wahl findet am 24. November statt.
Bei der ersten Frist gingen indes erst drei Wahlvorschläge ein: Nicole Keller-Hochuli (FDP), amtierende Vizepräsidentin der Schulpflege, sowie Claudia Knecht (Grüne), in der Gemeinde vor allem bekannt als Initiantin des Wochenmarkts, sowie Informatiker Martin Wirth (parteilos).
Nach Ablauf der zweiten Frist hat sich die Liste fast verdoppelt. Nun mischen auch die aktuelle Schulpflegerin Andrea Di Biase (parteilos) sowie die ehemalige Schulpflegerin Daniela Hänni (parteilos) im Rennen um das Präsidium mit.
Aus elf mach vier
Es ist eine Liste von Namen, die in der Gemeinde alles andere als unbekannt sind. Eine Überraschung ist Daniela Hänni (parteilos). Sie sass bereits von 2006 bis 2010 in der Schulpflege und geriet in die Schlagzeilen, als sie beim Bezirksrat eine Aufsichtsbeschwerde gegen das Gremium wegen zu grosszügigen Umgangs mit Steuergeldern sowie Mobbing einreichte.
Die Schulpflege hatte unter anderem während eines Essens auf einem Zürichsee-Kursschiff über 20'000 Franken für Prosecco ausgegeben. Gleichzeitig wurde Hänni der Einblick in Protokolle der Schulpflege verweigert. Bezirksrat und Verwaltungsgericht waren ihrer Meinung und rügten die Schulpflege – daraufhin gab es einen Exodus von sieben mehrheitlich bürgerlichen Mitgliedern inklusive Präsident.

Zurück blieben im damals elfköpfigen Gremium nur noch Hänni, die zu jener Zeit noch für die Grünen politisierte, zwei SP-Schulpflegerinnen sowie die heute nach wie vor amtierende Schulpflegerin Elisabeth Weidmann (EVP). Schliesslich unterlag Hänni 2010 bei der Wahl des Schulpräsidiums Hanspeter Hugentobler und schied als überzählig aus der Schulpflege aus.
«Das war Wählerwillen und für mich damals gut so», sagt Hänni auf Anfrage. Jetzt habe sie mehr Erfahrung, Zeit und Energie, um sich erneut zu engagieren. Seit ihrer Zeit in der Behörde habe sie unter anderem als Klassenassistenz und pädagogische Mitarbeiterin der Volksschule die «andere Seite» der Schule kennengelernt. Deshalb will sie ihre neu gewonnene Erfahrung wieder in Pfäffikon einbringen.
Dass sie sich erst bei der zweiten Frist zur Wahl aufstellen liess, sei ganz bewusst. «Ich wollte zuerst prüfen, wer sich noch für das Amt interessiert. Und die Auswahl hat mich nicht überzeugt.»
Mit der amtierenden Vizepräsidentin Nicole Keller-Hochuli sass Hänni noch kurze Zeit gemeinsam in der Schulpflege. Ihre eigene Kandidatur will sie aber nicht als direkte Kritik an Keller-Hochuli verstanden haben. «Ich mache keinen Wahlkampf gegen andere, sondern ich stelle mich dem Stimmvolk zur Verfügung», betont sie.
Ausschluss aus der FDP
Auch die Kandidatur von Schulpflegerin Andrea Di Biase (parteilos) während der zweiten Frist dürfte bei einigen Pfäffikerinnen und Pfäffikern für Stirnrunzeln sorgen. Sie macht damit Vizepräsidentin und FDP-Frau Keller-Hochuli unbestritten direkt Konkurrenz, denn bis vor Kurzem politisierte die jetzt parteilose Di Biase ebenfalls noch für die örtliche FDP.
So waren es auch die parteiinternen Diskussionen um die Ersatzwahl, die zum Knall zwischen der Ortspartei und Di Biase geführt haben. Gemäss einer internen Mitteilung von Anfang September an die Mitglieder der FDP, die der Redaktion vorliegt, hatte man sich an der Parteiversammlung dafür entschieden, Keller-Hochuli statt Di Biase für die FDP ins Rennen zu schicken.

«Leider gab es im Nachgang die sehr unschöne Situation, dass Andrea Di Biase diesen Entscheid nicht akzeptiert hat und auf eigene Faust den Wahlvorschlag bei der Gemeinde eingereicht und gezielt gegen die Kandidatur von Nicole Keller-Hochuli agiert hat», heisst es darin.
Der Vorstand sei zum Schluss gekommen, dass ein solches Verhalten der Partei und der Kandidatur von Keller-Hochuli für das Schulpräsidium massiv schadet. Daher habe man den Ausschluss von Di Biase aus der Partei beschlossen.
Ideologie unverändert
Ein Umstand, den sie als «im Moment zwar unangenehm», aber «halb so schlimm» bezeichnet. «Ich habe mir schon früh viele Gedanken gemacht und mich für eine Kandidatur entschieden», sagt Di Biase. «Ich habe das ideale Rüstzeug für das Schulpräsidium. Und wenn ich mich für etwas entschieden habe, dann mache ich es auch.»
Nun, da alle fünf Kandidaturen bekannt sind, mache sie sich auch weniger Sorgen, dass sie sowohl ihre Chancen als auch diese von Nicole Keller-Hochuli schmälert. «Die anderen drei sind ebenfalls Grüne oder ehemals Grüne.»
Mit der FDP hat sie dabei nicht komplett gebrochen. «Ich bin nach wie vor Mitglied der Bezirks- und Kantonalpartei.» Ihre Ideologie werde sich nicht ändern. «Vielleicht erhalte ich ohne Partei sogar noch mehr Stimmen.»
Gelebte Demokratie
Dass Nicole Keller-Hochuli (FDP) nun Konkurrenz durch Di Biase – zwar nicht mehr Partei-, aber nach wie vor Schulpflegekollegin – erhält, sieht diese gelassen. «Das ist gelebte Demokratie. Es ist ein schönes Zeichen für Pfäffikon, dass sich auf ein Amt so viele Interessierte gemeldet haben.»

Keller-Hochuli kam nach dem grossen Exodus vor 16 Jahren in die Schulpflege, 12 davon ist sie bereits Vizepräsidentin. Zudem hat sie Behördenerfahrung aus der Reformierten Kirchenpflege, aktuell ist sie dort noch in der Rechnungsprüfungskommission engagiert.
«Als Schulpräsidentin würde ich für Kontinuität stehen – ich bin ja bereits über alle Geschäfte informiert», sagt sie. «Mit meiner Erfahrung unterstütze ich eine starke und moderne Führungsstruktur, damit unsere Schülerinnen und Schüler ein positives und wertschätzendes Lernumfeld vorfinden, wo sie bestmöglich gefördert werden können.»
Positives bewirken – auch an der Schule
Ob das Stimmvolk Kontinuität oder doch einen nötigen Wechsel nach der Affäre um den homosexuellen Lehrer als Ziel hat, wird sich an der Urne zeigen. Ob Externe eine höhere Chance auf den Wahlsieg haben als die amtierenden Schulpflegerinnen, wagt Kandidatin Claudia Knecht (Grüne) nicht zu vermuten.
«Viele Leute waren ob den Vorkommnissen im Schulhaus Obermatt sehr entrüstet. Andere sind primär betroffen, dass ein so verdienter Schulpräsident gehen musste, und stellen der Schule grundsätzlich ein gutes Zeugnis aus – die Meinungen sind wohl geteilt.»

Als Präsidentin des Vereins Pfäffiker Wochenmarkt, den sie 2019 zusammen mit Dominik Gross gegründet hatte, kenne sie aber sehr viele im Dorf. «Und ich habe gezeigt, dass ich etwas Positives bewirken kann. Ich möchte mich auch an der Schule Pfäffikon für ein starkes Miteinander einsetzen.»
Durch ihre drei mittlerweile erwachsenen Kinder habe sie «verschiedene Erfahrungen» mit der Schule gemacht. Und durch ihre Tätigkeiten in der einstigen Gesundheitsbehörde, in der sie von 1998 bis 2002 engagiert war, bringe sie bereits Behördenerfahrung mit.
Bruch mit der Partei zum Zweiten
Für Martin Wirth (parteilos) hingegen ist klar, dass es frischen Wind in der Schulpflege braucht. «Die Fehler wurden zwar erkannt, aber es braucht jetzt einen neutralen Blick, um die Probleme zu lösen.»
Dass er als Parteiloser kandidiert, hat einen ähnlichen Hintergrund wie bei Andrea Di Biase. Bis vor Kurzem war er noch Mitglied der Grünen. Diese hatten sich aber für die Nomination von Claudia Knecht entschieden.
Wirth kritisiert dabei die Vorgehensweise des Vorstands, denn bereits in der Einladung zu dieser ausserordentlichen Parteiversammlung war als Programmpunkt «Nomination von Claudia Knecht» aufgeführt.
«Dass auch ich hätte kandidieren wollen, wurde in der Einladung nicht einmal erwähnt.» Seine Konsequenz: Er kandidiert trotzdem. Und die Konsequenz der Grünen: Sie sistierten Wirths Mitgliedschaft.

«Wir haben Martin nahegelegt, selbst aus der Partei auszutreten», heisst es in einer E-Mail des Vorstands der Grünen an die Parteimitglieder, die der Redaktion vorliegt. Dies hat Wirth mittlerweile auch getan.
Nun ist er auf der Suche nach einer neuen Partei, in deren Namen er kandidieren kann. «Ich möchte kein politisches Amt ohne Vertraute antreten, die mich im Wahlkampf und auch später unterstützen können.»
Noch bleiben ihm zehn Wochen, um einen neuen Anschluss zu finden. Zehn Wochen, die auch den anderen Kandidatinnen dazu dienen, Pfäffikon von sich zu überzeugen.
