Illnau-Effretikon ersetzt die umstrittenen Sickersteine
Hindernisfreier Verkehrsraum nicht erfüllt
Weil sie den Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes nicht entsprechen, müssen die Illnau-Effretiker Sickersteine ersetzt werden.
Die Sickersteine an der Alpen-, der Wingert- und der Anwandelstrasse werden in den nächsten Monaten ersetzt. So schreibt es die Stadt Illnau-Effretikon in ihrer Mitteilung. Obwohl die Steine erst seit rund zwei Jahren verbaut sind, werden sie nun wieder rausgerissen und anschliessend im nicht öffentlichen Bereich verwendet.
Der Grund dafür: Es stellte sich heraus, dass die Steine «unglücklicherweise» nicht die Anforderungen des Behindertengleichstellungsgesetzes respektive die dafür anzuwendende Norm erfüllen.
Eine Tatsache, die ein Anwohner und pensionierter Bauingenieur bereits im November letzten Jahrs prophezeite: Gemäss seiner Nachmessung spannen sich die Fugen an der Oberfläche bis zu drei Zentimeter und damit zwei zu viel. Das wiederum habe zur Folge, dass ältere und gehbehinderte Menschen die Trottoirs nicht benutzen könnten.
Er sagte damals überzeugt: «Die Fugen entsprechen nicht der offiziellen VSS-Normierung, die maximal einen Zentimeter Abstand zwischen den Steinen erlaubt. Sie verletzen die Richtlinien für behindertengerechte Fusswegnetze der Fachstelle für behindertengerechtes Bauen. Und sie verstossen damit gegen das Bau- und das Behindertengleichstellungsgesetz.»
Und er sollte recht behalten, wie die Stadt nun bestätigt.
Neuer Stein, alter Stein
In der Mitteilung schreibt die Stadt, man habe im Rahmen der Instandsetzung der Rebenstrasse ein neues Produkt als geeigneten Verbundsickerstein nutzen können. Diese Steine haben wesentlich schmalere Abstände und sind von älteren und gehbehinderten Menschen in Zusammenarbeit mit Pro Senectute und dem Verein Lebensphase 3 getestet und als gut befunden worden.
Ebendieser Steintyp soll nun auch die aktuellen Steine auf der Alpen-, der Wingert- und der Anwandelstrasse ersetzen, die einst als die drei Pilotprojekte zur Verbauung von Sickersteinen der Stadt galten.
Die damit überflüssig gewordenen Sickersteine mit den zu grossen Abständen und den gebrochenen Kanten sollen aber nicht entsorgt, sondern wiederverwendet werden: Sie werden bei der Umgebungsgestaltung des neuen Feuerwehr- und Werkgebäudes im nicht öffentlichen Bereich für sickerfähige Parkplätze verbaut. Damit könne der finanzielle Schaden in Grenzen gehalten werden, und die Ressourcen würden geschont.
Für die Erneuerung der Steine bewilligte der Stadtrat in der Sitzung vom 22. August einen Kredit von 142’000 Franken.