Offener Brief fordert Fusion von Turbenthal, Wila und Wildberg
Quo vadis, Tösstal?
Wie sieht die Zukunft für Turbenthal, Wila und Wildberg aus? Fragen dazu treiben die Gemeinden mehr denn je um. Ein offener Brief bringt jetzt eine weitere Idee ins Spiel – und macht die Sache damit nicht einfacher.
In den Gemeinden Turbenthal, Wila und Wildberg ist politisch derzeit einiges los. Während in Turbenthal der Vorschlag einer Einheitsgemeinde und jener einer Kreisschule Mittleres Tösstal geprüft werden, hat Wildberg unlängst angekündigt, sich mit Pfäffikon vermählen zu wollen – was wiederum in Wila für Unmut sorgt.
Gleichzeitig schwelt der Schulgrenzenkonflikt zwischen Wila und Turbenthal. Dabei zeichnet sich ein Rechtsstreit ab. Abgesehen davon, dass sie einiges Verwirrungspotenzial mit sich bringen, haben all diese Vorhaben eines gemein: Sie stellen Weichen für die Zukunft der drei Gemeinden.
Ein offener Brief des Turbenthalers Urs Gutknecht – der notabene die örtliche FDP gegründet hat – bringt nun einen weiteren Vorschlag aufs Tapet.
Im Schreiben, das er Anfang vergangener Woche an die Verantwortlichen der Politischen und der Schulgemeinden richtete – und auch uns hat zukommen lassen –, fordert er: Die Gemeinden sollen sich einen Ruck geben und über eine Grossfusion reden, «gemeinsam, offen, ohne Animositäten und ohne rote Linien».
«Bei so vielen gemeinsamen Aufgaben erachte ich es als naheliegend, diese drei Gemeinden zusammenzuführen. Das ist eine bessere Lösung als alles bisher Vorgeschlagene», schreibt er. «So entstehen eine Gemeinde, die den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist, sowie Schulen mit genügenden Schülerzahlen.»
Wildberg will fusionieren, bevor es zu spät ist
Prompt auf das Schreiben reagiert hat der Wildberger Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP). Er betont, dass Gutknechts Gedanken zwar theoretisch überzeugend klingen würden, in der aktuellen Situation aber kaum umsetzbar seien. Schliesslich stehe bei den anderen Gemeinden mit den eingereichten Begehren viel Arbeit bevor.
«Meiner rein persönlichen Einschätzung nach müssen zuerst die bereits eingebrachten und gültigen Initiativen bearbeitet und dem Souverän vorgelegt werden», schreibt Conrad, «bevor als weiterer Schritt eine Gesamtfusion ins Auge gefasst werden kann.»
Wildberg sei bereits eine Einheitsgemeinde und damit einen Schritt weiter. Man wolle fusionieren, solange die Gemeinde noch attraktiv sei, und nicht erst, wenn man «mit dem Rücken zur Wand» stehe.
Ueli Laib (parteilos), Präsident der Primarschulgemeinde Turbenthal, erklärt in einer ersten Reaktion, dass er dem Vorstoss von Urs Gutknecht Positives abgewinnen kann. Der Treiber der Idee einer Kreisschule sei schliesslich auch motiviert durch die Tatsache, dass eigenständige Schulen auf lange Sicht zu klein seien.
«Egal, welche Optionen zur zukünftigen Organisationsstruktur der verschiedenen Gemeinden gewählt werden», schreibt Laib, «im Alleingang kann dies kaum bewältigt werden, zu verstrickt ist das Gemeindegebiet, zu verwoben sind die heutigen Gemeinden.»
Laut ihm ist die Primarschule bereit für einen offenen Austausch zwischen den Gemeinden und hat Mitte April bereits einen ähnlichen Anlauf nehmen wollen.
Fusionen für Mösch kein Heilsbringer
Dezidiert anders sieht das Simon Mösch (Die Mitte), Gemeindepräsident von Wila. Er führt ins Feld, dass die Anzahl Politischer Gemeinden im Kanton im letzten Jahrzehnt um zehn abgenommen hat. Statistisch seien die Vorteile von Fusionen nicht nachweisbar.
Stattdessen würden Analysen wie das nationale Gemeindemonitoring zeigen, dass die Beteiligung bei kommunalen Wahlen in grösseren Gemeinden im Schnitt rund zehn Prozent tiefer liege als bei kleineren.
«Fusionen werden immer wieder als Heilsbringer hochstilisiert, und doch haben sie in Tat und Wahrheit vor allem signifikante politische Nachteile für alle Bürgerinnen und Bürger», schreibt Mösch. «Es ist weniger eine zukunftsgerichtete Vision, sondern vielmehr der Weg des geringsten Widerstands.»
Eine Grossfusion würde seiner Meinung nach kaum Probleme lösen. «Als Demokrat» fragt er sich, ob eine kleine Gemeinde nicht auch Vorteile hat, die es zu berücksichtigen gilt. So sei etwa die Mitwirkung grösser, weil ein grösserer Teil der Bevölkerung an der Gemeinde mitarbeiten müsse.
Der Turbenthaler Gemeindepräsident René Gubler (FDP) hat sich bislang nicht zum offenen Brief geäussert.
