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«Eine Grossfusion wäre der nächste logische Schritt»

Liegt die Zukunft der drei Nachbargemeinden in einer Grossgemeinde? Ein offener Brief findet, ja. Jetzt spricht der Absender.

Lokalpolitiker Urs Gutknecht will eine Grossfusion von Turbenthal, Wila und Wildberg.

Foto: PD/Roman Hugi

«Eine Grossfusion wäre der nächste logische Schritt»

Interview zu offenem Brief

Turbenthal, Wila und Wildberg sollen über eine grosse Gemeindefusion sprechen. Das fordert der Turbenthaler Urs Gutknecht in einem offenen Brief. Im Interview verrät er, was hinter seiner Idee steckt.

Herr Gutknecht, Sie fordern eine Grossfusion zwischen Turbenthal, Wila und Wildberg. Warum und wieso jetzt?

Urs Gutknecht: Ich bin schon lange ein Befürworter dieser «grossen Kiste». Auslöser waren die jüngsten Entwicklungen – die geplante Fusion von Wildberg und Pfäffikon und der Vorschlag aus Turbenthal, eine Kreisschule Mittleres Tösstal zu errichten. Eine solche Schulfusion ist schon vor gut 20 Jahren gescheitert. Ich habe den Eindruck, dass wir uns im Kreis drehen.

Im März haben die Stimmbürger in Turbenthal entschieden: Sie wollen beide Vorschläge, eine Schulfusion und eine Einheitsgemeinde, prüfen. Umsetzbar ist nur einer von beiden. Weshalb wäre eine Grossfusion der beste Weg?

Wenn die Turbenthaler der Kreisschule den Vorzug geben, blockiert das die Gemeinde auf unbestimmte Zeit, weil in dieser Zeit nicht über Fusionen verhandelt werden kann. In den letzten Jahrzehnten sind die drei Gemeinden in vielen Bereichen zusammengewachsen. Eine Grossfusion wäre der nächste logische Schritt. Wenn sich Wildberg aber mit Pfäffikon zusammentut, drohen diese erfolgreichen Zusammenarbeiten kaputtzugehen. Und doch verstehe ich, dass Wildberg vorwärtsmachen will.

Urs Gutknecht engagiert sich seit Jahren politisch in Turbenthal. Der 73-Jährige hat 1986 die örtliche FDP gegründet und war unter anderem acht Jahre lang Mitglied der Rechnungsprüfungskommission (RPK). Seit April diesen Jahrs ist er wieder im Vorstand der Ortspartei und will dort «noch einmal Gas geben». Den Vorschlag einer Fusion bringt er aber bewusst als Privatperson aufs Tapet. (nos)

Sie sagten, Bemühungen für eine grosse Schule habe es schon gegeben. Vor zwei Jahren lehnte Wila eine Fusion mit Turbenthal ab. Warum tut man sich so schwer mit etwas, das in Ihren Augen naheliegend ist?

Bisher fand immer jemand ein Haar in der Suppe oder hatte persönlich etwas dagegen – bei der Schulabstimmung um das Jahr 2000 herum waren es die Lehrer. Die Ur-Tösstaler sind sicher ein bisschen eigensinnig (lacht). Ein grösseres Projekt wird selten im ersten Anlauf gutgeheissen. Aber ich finde, man hat das Thema Fusion zu lange aufgeschoben und verpasst eine Chance, wenn man nicht darüber redet. Nicht nur wegen der bestehenden gemeinsamen Strukturen.

Sondern?

Man könnte dadurch auch Synergien nutzen, die sich zum Beispiel positiv auf die Steuern auswirken würden. Und man könnte die Erreichbarkeit der Behörden verbessern, weil genügend Personal vorhanden wäre – eine Verwaltung, die einen ganzen Tag pro Woche geschlossen hat wie heute in Wildberg, gäbe es bei einer Grossgemeinde nicht.

Was sagen Sie zum häufigen Gegenargument, dass bei einer Fusion die Mitsprache der Bürger leiden würde?

Diese Angst gibt es, klar. Aber ich glaube nicht, dass eine Fusion mehr Leute davon abhält, an eine Gemeindeversammlung zu gehen. Das Problem besteht heute schon. Ich muss selbst auch sechs Kilometer fahren und besuche, wenn möglich, trotzdem jede Versammlung.

Wenn Sie sich umhören, haben Sie das Gefühl, dass in Turbenthal der Wind allmählich dreht, oder sind Sie mit Ihrer Meinung allein auf weiter Flur?

Ich höre viele, die sagen, dass eine Fusion Sinn machen würde – die Frage ist, ob man das auch offen zugibt oder seine Meinung lieber für sich behält. Turbenthal hat sich bisher immer bewusst zurückhaltend gezeigt. Man hat sich Sorgen gemacht, dass ein Vorpreschen der «Grossen» für Widerstand bei den kleineren Nachbarn gesorgt hätte.

Ihr Brief ist platziert. Wie soll es jetzt weitergehen?

Ich wünsche mir, dass sich die Vertreter der Gemeinden nach den Sommerferien ohne Vorbehalte an einen Tisch setzen und das Ganze – am besten mit einem Vermittler – diskutieren. Wenn sich alle drei gemeinsam dafür einsetzen, lässt sich das auch verwirklichen.

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