Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Liegt die Zukunft der Oberländer Spitäler in Verbunden?

Das sagen die Spitäler zu einem möglichen Spitalverbund - nicht nur regional sondern auch überkantonal. Kostentechnisch müssten jedoch einige Hürden genommen werden.

Die Rettungswagen von Regio 144 sind jetzt schon für das GZO Wetzikon und für das Spital Linth im Einsatz.

Foto: PD

Liegt die Zukunft der Oberländer Spitäler in Verbunden?

Spitalkrise anders auffangen

Jetzt schaltet sich die Lokalpolitik in die Krise des GZO Wetzikon ein – und fordert die Prüfung von Synergien. Könnte es funktionieren, wenn Spitäler sich über die Kantonsgrenze hinaus zusammenschlössen?

Das Gesundheitssystem lahmt über die regionalen Grenzen hinaus: Viele Spitäler schreiben rote Zahlen. Ob das an den geplanten und abgesagten Neubauten liegt, an den steigenden Gesundheits- oder Lohnkosten, dem Fachkräftemangel oder den neuen Fallpauschalen der Krankenkassen – es ist ein komplexes Thema.

Stark diskutiert wird über das GZO Spital Wetzikon, das sich in einer finanziellen Krise befindet. Ideen für eine Besserung der Situation des GZO kommen von verschiedenen Seiten. So auch ein Vorstoss aus der rechten Ecke des Bezirks Hinwil, welcher von den Aktionärsgemeinden, dem Verwaltungsrat der GZO AG und von der kantonalen Politik Folgendes fordert: Neben überregionalen sollen zeitnah auch überkantonale Spitalverbunde geprüft werden.

Die künftigen Strukturen der regionalen Gesundheitsversorgung seien mit Weitblick zugunsten der Bevölkerung zu planen, schreibt die SVP Bezirk Hinwil in einer Medienmitteilung.

Spitäler in der Region

Mit den überkantonalen Spitälern sind in der Nähe des Zürcher Oberlands vor allem das Spital Lachen im Kanton Schwyz und das Spital Linth in Uznach im Kanton St. Gallen gemeint – für Spitäler in der Region könnten aufgrund ihrer geografischen Lage das Spital Uster, das GZO Spital Wetzikon, das Spital Zollikerberg und das Spital Männedorf ins Feld geführt werden.

Überkantonale Spitalverbunde ausserhalb des Kantons Zürich gibt es schon. Zum Beispiel im Westen der Schweiz: Das Spital Riviera-Chablais Waadt-Wallis untersteht der gemeinsamen Aufsicht der Kantone Waadt und Wallis. Eine Leistungserbringung und eine Abrechnung durch überkantonale Spitalverbunde sind also grundsätzlich möglich. Voraussetzung wäre, dass der entsprechende Leistungserbringer in der Spitalliste aufgeführt ist.

Überkantonaler Verbund theoretisch möglich

Der Kanton Zürich übernimmt momentan 55 Prozent der Gesundheitskosten bei jedem stationären Krankheitsfall. Er macht alle zehn Jahre eine Spitalplanung mit dem Ziel, «eine bedarfsgerechte, qualitativ hochstehende und wirtschaftliche Versorgung der Zürcher Bevölkerung mit stationären Leistungen sicherzustellen», schreibt der Kanton auf seiner Website.

Spitalverbunde könnten eine Überlegung sein, sagt Patrick Borer, Leiter Kommunikation der Zürcher Gesundheitsdirektion (GD). «Im Hinblick auf die neue Spitalplanung im Jahr 2033 werden wir die Zuteilung der Leistungsaufträge wieder neu prüfen.» Falls sich davor schon konkrete Änderungen bei der Trägerschaft ergeben würden, könne bei der Gesundheitsdirektion ein Gesuch eingereicht werden.

Spital Linth fusioniert mit anderen Partnern

Das Spital Linth war kürzlich in den Schlagzeilen, weil es mit Problemen kämpfte: Der Kanton St. Gallen setzte Anfang dieses Jahrs ein Ultimatum. Das Spital müsse die stationären Fallkosten bis 2027 senken, ansonsten werde es keinen Leistungsauftrag mehr erhalten.

Wäre das Spital in Uznach bereit für einen überkantonalen Verbund? «Unser Fokus liegt woanders», sagt Sabrina Good, Leiterin Kommunikation und Marketing des Spitals Linth. Denn das Regionalspital Linth wird Anfang nächsten Jahrs mit drei anderen Regionalspitälern und dem Kantonsspital St. Gallen fusionieren.

Anfang 2025 ist es so weit: Die Standorte St. Gallen, Grabs/Altstätten, Wil und Uznach werden eine gemeinsame Geschäftsleitung erhalten. «Das neue Unternehmen tritt unter einem neuen, gemeinsamen Namen auf», sagt Good.

Trotz geplanter Fusion mit anderen Playern pflege das Spital Linth eine gute Beziehung zum GZO in Wetzikon: Beim Rettungsdienst Regio 144 kooperieren die beiden Spitäler und sind dabei gleichberechtigte Partner. «Auch die Ärzte sind spitalübergreifend gut untereinander vernetzt.» Kooperationen gibt es also sowieso schon.

Ist man gemeinsam stärker?

Für das Spital Lachen im Kanton Schwyz seien allgemein «Kooperationen in vielfältigen Formen ein zentrales Element der Strategie», sagt Martin Kaspar, Leiter Kommunikation und Marketing des Spitals. «Neuen Chancen im sich wandelnden Spitalmarkt stehen wir grundsätzlich offen gegenüber und prüfen diese, sobald sie konkret und sinnvoll sind.» Kurz: Wenn die Möglichkeiten und Chancen für die Partner in der Zusammenarbeit grösser seien als im Alleingang. Zum Thema Spitalverbund möchte er aber konkret keine Stellung nehmen.

Auch dieses Spital ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. So vermeldete es kürzlich, dass der geplante Neubau nicht stattfinden wird. Dieser hätte 150 Millionen Franken gekostet. Doch dann brachen die Verantwortlichen die Übung ab. Ein Neubau wäre zu teuer gewesen. Stattdessen soll das bestehende Gebäude jetzt in Etappen saniert werden.

Was die Regionalspitäler von der Idee halten

Schon zu Beginn der Krise am GZO Spital Wetzikon liess Verwaltungsratspräsident Jörg Kündig verlauten, dass sie für einen Spitalverbund oder sogar zu einer Fusion bereit wären. Da sich das Spital zurzeit in der provisorischen Nachlassstundung befindet, kann das GZO jedoch nicht weiter auf einen möglichen Verbund eingehen.

«Das GZO Spital Wetzikon war stets offen für Kooperationen mit anderen Spitälern. Daran hat sich nichts geändert», sagt Sascha Natalie Fisler, Mediensprecherin des GZO. Verwaltungsrat und Geschäftsleitung seien offen für Gespräche.

Auch für das Spital Uster ist ein Verbund denkbar, wie Vital Schreiber, CEO ad interim, auf Anfrage bestätigt. Damit könnten beispielsweise administrative Aufgaben zentralisiert werden. Wenn Fachspezialisten an mehreren Standorten arbeiteten, würden zudem Kosten gespart. Das sei unter anderem bei Operationen oder Geburten möglich.

Zudem müsse einheitlich geregelt sein, wie viel die Kantone an ausserkantonale Behandlungen zahlten. Die Beteiligung an den Kosten fällt teils unterschiedlich hoch aus, je nachdem, ob sich ein Patient im Kanton selbst oder ausserhalb ärztlich versorgen lässt. Damit verweist Schreiber auf eine kostentechnische und administrative Hürde: «Heute ist es oft einfacher, Patienten aus dem Ausland zu behandeln als ausserkantonale.»

Auch das Spital Männedorf hat bereits erste Erfahrungen mit Kooperationen gesammelt. Dieses arbeitete mit dem Spital Linth bei der Sterilisation von Operationsmaterialien zusammen. Ein Spitalverbund, ob regional oder überkantonal, kommt für Männedorf infrage.

«Allerdings scheitern die Ansätze in den medizinischen Bereichen meist an den Bedürfnissen der Bevölkerung, die sich an den Hauptverkehrswegen entlang bewegt», sagt Marco Stücheli, Mediensprecher des Spitals Männedorf. Das Potenzial für Synergien sieht das Spital Männedorf bei der IT, im Rechnungswesen, in der Technik oder bei der Personaladministration.

«Die Verhandlungen zwischen beteiligten Spitälern müssten auf Augenhöhe geführt werden», erklärt Stücheli weiter. Jedoch bedürfe dies der vollen Unterstützung und der Finanzierung der kantonalen Regierungen.

Nur ein regionales Spital will nicht

Dementsprechend stehen drei der vier regionalen Spitäler einem überkantonalen Spitalverbund offen gegenüber. Für die Spitäler hängt das Interesse an einem Verbund aber von der konkreten Form und den Rahmenbedingungen ab. Der grosse Vorteil sei für alle Beteiligten, wenn die Spitäler finanziell nicht am Ergebnis eines einzelnen Standorts, sondern an dem des Verbunds gemessen würden.

Lediglich für das Spital Zollikerberg ist ein Verbund keine Option. Im April äusserte sich Alina Bolz, stellvertretende Leiterin Marketing und Kommunikation, dass ein Beitritt zu einem regionalen Spitalverbund nicht der strategischen Ausrichtung entspricht. Ob das auch bei einem überkantonalen Verbund der Fall wäre, konnte der Spitaldirektor abwesenheitsbedingt nicht beantworten.


Mitarbeit: Jan Gubser

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns