Wildberg und Pfäffikon wollen fusionieren
Mehr Informationen im September
Wildberg will fusionieren und hat mit Pfäffikon einen möglichen Partner gefunden. Ein grosser Schritt für Wildberg, ein kleiner für Pfäffikon.
Während in Uster ein kleiner Rosenkrieg zwischen den Ortsteilen ausgebrochen ist, bahnt sich im benachbarten Bezirk eine neue Romanze an. Wildberg hat einen möglichen Fusionspartner gefunden: Pfäffikon. Die beiden Gemeinden wollen in den nächsten Wochen verschiedene Details für einen möglichen Zusammenschluss klären und im September die Bevölkerung informieren.
Im vergangenen Oktober haben sich die Wildberger an der Urne für Fusionspläne ausgesprochen. Der Gemeinderat hat daraufhin alle Nachbargemeinden kontaktiert.
Bauma, Weisslingen und Zell haben ihm eine Absage erteilt. Turbenthal wollte vorerst seine Themen betreffend Schul- und Gemeindefusionen lösen. Pfäffikon, Russikon und Wila bekundeten zwar Interesse nach einem Erstgespräch, jedoch wollte nur Pfäffikon eine Fusion prüfen.

Der Bezirkshauptort hat sich dabei für Wildberg als idealer Fusionspartner herausgestellt. «Wir haben eine umfassende SWOT-Analyse aller Gemeinden gemacht», sagt Gemeindepräsident Dölf Conrad (SVP). Das ist eine Technik, um Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken eines Projekts zu bestimmen. «Pfäffikon stach dabei positiv hervor.»
Mehr will Conrad aber dazu im Moment nicht sagen – auch nicht zum weiteren Prozess. Er verweist auf die Info-Veranstaltungen im September. «Dort werden sicher viele Fragen und Anregungen kommen», erwartet er.
Der Bräutigam ist erfreut
Für Pfäffikons Gemeindepräsident Marco Hirzel (parteilos) ist die Anfrage aus Wildberg im letzten Herbst nicht überraschend gekommen: «Unter den Gemeindepräsidien ist man in stetem Austausch, und zwischen den Zeilen haben wir schon länger vernommen, dass Wildberg auf der Suche nach einem Fusionspartner ist.»
Dass Pfäffikon nun als «interessantester Bräutigam» erkoren wurde, erfüllt Hirzel mit Freude. «Obwohl wir den Aufwand, den so eine Prüfung mit sich bringt, nicht aktiv gesucht haben.» Er bleibt denn auch sec, wenn er sagt: «Eine Fusion hat für Pfäffikon keine eigentlichen Vorteile – aber auch keine Nachteile.»

Als Mitglied der Arbeitsgruppe Interkommunale Zusammenarbeit des Verbands der Gemeindepräsidien des Kantons Zürich sei ihm die gegenseitige Unterstützung zwischen den Gemeinden ein persönliches Anliegen. «Und da sind Fusionen manchmal die beste Lösung.»
Nun sei der Moment gekommen, die Fusionspläne beziehungsweise -abklärungen öffentlich zu machen, damit keine falschen Gerüchte entstünden. «Und wir sind gespannt, wie die Rückmeldungen an den beiden Informationsveranstaltungen lauten werden.»
Anders als in Wildberg gibt es bisher keine Indizien, wie die Pfäffiker Bevölkerung einer Fusion gegenübersteht. «Aber Pfäffikon ist mit rund 12’700 Einwohnern fast 13-mal so gross wie Wildberg», fasst Hirzel zusammen. «Hier würde man im Gegensatz zu Wildberg kaum etwas von einer Fusion bemerken.»

Das neue, weit verzettelte Gemeindegebiet wäre zudem auch nichts Neues für die Pfäffiker. «Wildberg wäre eine weitere grosse und schöne Aussenwacht – wenn auch eine sehr schöne.» Mit dem Auto sei man schliesslich in 12 Minuten dort, mit dem Bus in knapp 20. «In Städten wie Zürich braucht man noch viel länger, um von der einen Ecke zur anderen zu gelangen.»
So geht Hirzel auch nicht von einer grossen Opposition gegen die Fusionspläne aus den Pfäffiker Reihen aus. Trotzdem würde man nach den Informationsveranstaltungen aufgrund der Reaktionen den weiteren Fahrplan bestimmen. «Wir werden die Learnings aus Gemeindefusionen aus der jüngsten Vergangenheit genau unter die Lupe nehmen, bevor wir einen Entscheid treffen.»
Und wie immer bei einer Hochzeit stellt sich die Frage des künftigen Namens. Wird man nach der Fusion beide Namen zusammenhängen? Oder wird das kleinere Wildberg einfach in das grössere Pfäffikon eingemeindet? «Wir sprechen von einer Absorptionsfusion», sagt Marco Hirzel. «Wildberg kommt nach Pfäffikon.»
Die grosse Schulfrage
In den nächsten Wochen müssen die Gemeinden derweil verschiedene Details im Hinblick auf einen möglichen Zusammenschluss klären. Dölf Conrad betont: «Wir denken immer in Varianten.»
Auch beim Thema Schule. Heute bildet die 1000-Einwohner-Gemeinde Wildberg zusammen mit Turbenthal die Sekundarschulgemeinde Turbenthal-Wildberg. Schülerinnen und Schüler aus Schalchen besuchen jedoch mit einem Anschlussvertrag die Sek in Wila. Wo die Jugendlichen aus der Gemeinde nach der Fusion die Schulbank drücken, ist noch offen. «Es gibt Lösungen», erläutert Conrad. Auf Details geht er aber noch nicht ein.
Wenn Wildberg und Pfäffikon tatsächlich fusionieren, hätte die neue Gemeinde knapp 14’000 Einwohner und eine Fläche von gut 30 Quadratkilometern. Das entspricht etwa der Grösse von Fischenthal und wäre nur zwei Quadratkilometer kleiner als die flächenmässig grösste Gemeinde in der Region, Illnau-Effretikon – eine Grösse, die ebenfalls durch eine Fusion entstanden ist.
Info-Veranstaltungen
Die beiden Gemeinden werden am 18. September um 18 Uhr in Wildberg beziehungsweise am 19. September um 19 Uhr in Pfäffikon die Einwohnerinnen und Einwohner über die Inhalte und Absichten der geplanten Gemeindefusion informieren. Weitere Details zu den Veranstaltungen folgen. (bes)
