Soll es künftig Pedalos am Greifensee geben?
Naturschutz versus Freizeitspass
Ein Postulat soll Klarheit schaffen, wie der Greifensee aktiver für den Wassersport genutzt werden kann. Doch die Naturschützer sorgen sich um die Wasservögel.
Sollen Pedalos und Drachenboote den Greifensee zukünftig legal befahren dürfen? Mit einem Postulat wollen die beiden Kantonsräte Monika Keller (FDP) aus Greifensee und Simon Vlk (FDP) aus Uster den Regierungsrat auf eine zeitgemässe Nutzung des Greifensees mit nicht motorisierten Wassersportgeräten aufmerksam machen.
Gleichzeitig soll es den Regierungsrat anregen, dafür zu sorgen, dass die bereits bestehenden Schutzgebiete, insbesondere die seeseitigen Schilfgürtel, besser gekennzeichnet und geschützt werden vor unbedarften Wassersportlerinnen und -sportlern.
Sind die Regeln an den Ufern veraltet?
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Wassersport stark gewandelt. Die kantonale Schifffahrtsverordnung stammt jedoch aus dem Jahr 1980. Viele neue Wassersportarten sind seither entstanden, gleichzeitig hat sich die Situation für die Wasservögel und die Biodiversität zugespitzt: Klare Spielregeln seien auch zu deren Schutz wichtig, heisst es im Postulat.
Zudem seien die Bevölkerungszahlen im Bezirk Uster seit 1980 um rund 60 Prozent auf über 137’000 Personen angewachsen – und damit auch der Wunsch der Bevölkerung, die Freizeit in der freien Natur zu verbringen. Das erhöht den Freizeitdruck auf Naturschutzgebiete.
Der «Boom» von Stand-up-Paddeln auf dem Greifensee zeigt aus Sicht von Keller und Vlk exemplarisch auf, wie sich die Freizeitbedürfnisse der Bevölkerung gewandelt haben. Aber auch die abnehmende Nachfrage bei der Miete von Bootsbojen deutet für sie auf einen Wandel des Freizeitverhaltens hin.


Man habe nach wie vor ein starkes Bedürfnis, sich am See zu erholen, sei aber spontaner und weniger verbindlich unterwegs. Vor all diesen Hintergründen erscheint es den beiden Kantonsräten nicht mehr zeitgemäss und gewissermassen auch beliebig, dass ausgerechnet Pedalos verboten sein sollen. Auch deshalb, weil es Pedalos Personen, welche über kein eigenes Wassergefährt verfügen, erlauben würden, ihre Freizeit auf dem Greifensee zu verbringen.
Greifensee will legale Drachenboote
Speziell stossend ist für sie die aktuelle Situation bezüglich der Drachenboote auf dem Greifensee. Zwar werden diese Boote zurzeit toleriert, jedoch muss der Verein Greifensee Dragons aufgrund der jetzigen Rechtslage jederzeit damit rechnen, sein Nutzungsrecht auf dem See zu verlieren. Denn die Drachenboote entsprechen nicht einem Rennruderboot «üblicher Bauart» und wären somit streng genommen illegal.
Auch können die Greifensee Dragons keine Wettbewerbe veranstalten, während regelmässig anderweitige Segel- und Ruderveranstaltungen auf dem See stattfinden dürfen.
Mehrere Gerichtsurteile ergäben, dass die Kantone die Schifffahrt und den Wassersport mithin nicht beliebig einschränken dürften, sondern dem Grundsatz der Schifffahrts- und Wassersportfreiheit Rechnung tragen müssten, schreiben die Kantonsräte im Postulat. So sei eine Abwägung zwischen den verschiedenen öffentlichen Interessen vorzunehmen.
Naturschützer sind besorgt
Bisherige Bemühungen um Klarheit seien daran gescheitert, weil die zuständige Baudirektion stark negative Einflüsse auf die Wasservögel befürchte, betonen die beiden. Sie schlagen vor, dass die Frage allenfalls mit einem Gutachten der Vogelwarte Sempach zu prüfen sei. «Vermutlich wären örtliche Beschränkungen auf dem See oder saisonale Einschränkungen während der Brutzeit als Massnahmen ausreichend.»
Gleichzeitig könnten die bestehenden Schutzgebiete in Ufernähe generell besser geschützt werden durch eine verbesserte Signalisierung und durch Absperrungen.
Viele Wassersportler wüssten oft nicht, dass die weit auseinanderliegenden gelben Bojen ein Sperrgebiet bezeichneten. So genügten die Absperrungen für die Schilfgebiete seeseitig den heutigen Nutzungsformen des Greifensees nicht mehr und würden regelmässig – ungewollt – übertreten.
