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Bürger von Zell machen sich für Tempo 30 in Langenhard stark

Eine 30er-Zone soll die Kinder in Unterlangenhard vor Temposündern schützen – das fordert eine Bürgerin. Doch so einfach ist das offenbar nicht.

Wenn es nach einer Bürgerin geht, soll auf der Durchgangsstrasse in Unterlangenhard künftig Tempo 30 gelten.

Foto: Noah Salvetti/Bildmontage: ZO

Bürger von Zell machen sich für Tempo 30 in Langenhard stark

An Gemeindeversammlung

Unterlangenhard soll sicherer werden – zum Beispiel mit einer Tempo-30-Zone. Mit einer Anfrage hat eine Einwohnerin den Gemeinderat dazu aufgerufen, Massnahmen zu prüfen. Und erhielt breite Unterstützung.

11 Sekunden. So viel Zeit spart man, wenn man den Weiler Unterlangenhard mit 50 statt mit 30 Kilometern pro Stunde durchquert. «Lohnt es sich, dafür ein Kinderleben aufs Spiel zu setzen?»

Mit diesen emotionalen Worten begründete Charlotte Joss ihre Anfrage – eines von drei Traktanden an der Zeller Gemeindeversammlung vom Montag.

Konkret forderte sie vom Gemeinderat, eine Einführung von Tempo 30 und weitere verkehrsberuhigende Massnahmen zu prüfen – darunter eine Tempoanzeige, ein Vorsichtsschild oder einen farbigen Strassenbelag.

Denn die Langenhardstrasse sei vor allem für die vielen dort lebenden Kinder ein gefährliches Pflaster. Sie sei nicht nur unübersichtlich, häufig werde selbst das geltende Höchsttempo von 50 km/h überschritten.

Dass Autofahrer nicht abbremsen, hat laut Joss auch mit der Strasse zu tun, die nach der letzten Kurve bis zur Ortstafel «bolzengerade» verläuft und daher zum Schnellfahren animiert. «Es ist eine absolute Rennstrecke.»

Tödlicher Unfall hallt nach

Ein ähnliches Begehren reichte die Langenharderin bereits vor gut 30 Jahren, kurz nach ihrem Zuzug in die Gemeinde, ein. Waren es früher die eigenen Kinder, um die sie fürchtete, sind es heute die Enkelkinder, die auf der anderen Strassenseite wohnen.

Nach Abschluss der Diskussion lieferten Werkvorsteherin Susanne Stahl (SP) und Planer Roger Kolb Informationen zum Hochwasserschutzprojekt beim Rikoner Dorfbach.

Das Vorprojekt, das in den letzten Monaten ausgearbeitet wurde, sieht verschiedene Anpassungen vor. Wo möglich, soll der Bach neu oberirdisch fliessen: zum Beispiel auf dem Schulgelände oder dem Badi-Areal. An den anderen Orten sollen künftig grössere Rohre für einen besseren Abfluss sorgen. Das definitive Bauprojekt soll bis im Frühling 2025 ausgearbeitet werden. (nos)

«Klar, mein Enkel schaut links und rechts, bevor er über die Strasse geht», argumentierte Joss, «aber wer kann garantieren, dass er die Situation immer richtig einschätzt? Warum soll ein Fünfjähriger mehr Verantwortung übernehmen als ein Erwachsener?»

Im Anschluss an Joss’ Plädoyer herrschte im Saal Diskussionsbedarf. Unter den Anwesenden fanden sich denn auch mehrere Fürsprecher. Unterstützung erhielt das Anliegen nicht zuletzt vom Elternforum.

Und bei einem älteren Bürger weckte die Diskussion Erinnerungen an einen Unfall, der just an jener Stelle vor vielen Jahren ein Todesopfer gefordert hatte. «Müssen wir wirklich noch mal so einen Vorfall haben?», fragte er in die Runde.

Immer wieder wurde als positives Beispiel der Dorfplatz Zell genannt, der in Zukunft gar zur Begegnungszone werden soll. «Jede 30er-Zone, die auch genutzt wird, ist ein Gewinn», meinte ein Votant.

Doch es gab auch Kritiker. Ein Anwohner aus Unter-Rikon betonte, dass seine Kinder den richtigen Umgang im Verkehr – notabene an der viel befahrenen Tösstalstrasse – ebenfalls lernen mussten.

Ein anderer gab zu bedenken, dass es schwierig werden könnte, ein derartiges Vorhaben durchzusetzen, weil die Kantonspolizei bei Temporegimes teils sehr restriktiv agiere.

Hindernisse verursachen Lärm

In eine ähnliche Richtung ging die Antwort des Gemeinderats auf die Anfrage, welche Gemeindepräsidentin Regula Ehrismann (EVP) verlas. Man habe die Situation schon mehrmals begutachtet und Anfang Juni noch einmal eine Geschwindigkeitsmessung durchgeführt. Diese kam zum Ergebnis, dass im Schnitt etwas weniger schnell gefahren wird als noch vor drei Jahren. Die Kantonspolizei soll die Messdaten nun prüfen.

Ehrismann betonte zudem, dass es für Tempo 30 neben entsprechenden Schildern auch bauliche Hindernisse wie Schwellen brauche, deren Lärmpotenzial – vor allem bei landwirtschaftlichen Fahrzeugen – man meist unterschätze.

In einer der nächsten Sitzungen will der Gemeinderat über mögliche Massnahmen beraten und das weitere Vorgehen klären. Ausserdem soll abgeklärt werden, ob das Bedürfnis nach einer 30er-Zone in ganz Langenhard besteht.

Für weniger Spannung sorgte das wichtigste Traktandum des Abends, die Jahresrechnung 2023. Diese schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 5,5 Millionen Franken bei einem Aufwand von 44,5 Millionen und einem Ertrag von gut 50 Millionen Franken.

Budgetiert war eigentlich ein Minus von 128'500 Franken. Die 70 anwesenden Bürger nahmen das Budget ohne Gegenstimme an.

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