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Kostet das Kulturzentrum Uster doppelt so viel oder wird es günstiger?

Am 9. Juni entscheidet das Ustermer Stimmvolk über die Zukunft des Zeughaus-Areals. Der Abstimmungskampf läuft heiss.

Bauvisiere lassen die Dimensionen der geplanten Neubauten auf dem Zeughausareal erahnen.

Foto: Eleanor Rutman

Kostet das Kulturzentrum Uster doppelt so viel oder wird es günstiger?

Diskussion vor Abstimmung entbrannt

Die Abstimmung über das geplante Kultur- und Begegnungszentrum auf dem Ustermer Zeughausareal rückt näher. Die Meinungen und Argumente gehen weit auseinander.

Ein Leuchtturmprojekt oder eine unnötige Luxusvariante – der Abstimmungskampf um den Kredit für das geplante Kultur- und Begegnungszentrum auf dem Ustermer Zeughausareal läuft auf Hochtouren. Für 33,3 Millionen Franken sollen zwei Neubauten entstehen und damit den Stadthofsaal sowie das Kulturhaus Central in ihrer Funktion ablösen. Denn der Stadthofsaal ist sanierungsbedürftig und das Central nur befristet eingemietet.

Im Rahmen des Projekts wird auch das Zeughaus K2 saniert. Zusätzliche 3,3 Millionen kostet der Bau der Tiefgarage mit 72 Plätzen. Das Ustermer Stimmvolk entscheidet am 9. Juni über den Gesamtkredit von 36,6 Millionen Franken plus die Gründung der Zeughaus Uster AG als gemeinnützige Aktiengesellschaft.

Der Stadtrat hat beim Gemeinnützigen Fonds des Kantons Zürich ein Gesuch für einen Beitrag von 10 Millionen Franken gestellt. Er rechnet darum mit deutlich tieferen Nettokosten. Ganz anders die SVP. «Es ist voraussehbar, dass die tatsächlichen Kosten, unter anderem aufgrund der Teuerung, die Marke von 40 Millionen Franken überschreiten werden. Dieser Kredit würde die Finanzen der Stadt Uster übermässig belasten», heisst es in einer Stellungnahme von Daniel Schnyder, dem Präsidenten der SVP Uster.

«Unverantwortlich gegenüber Steuerzahler»

Der Gemeinderat hatte ursprünglich einen Kostenrichtwert von 20 Millionen Franken für das Projekt angesetzt. «Es würde somit voraussichtlich um 50 Prozent teurer werden als ursprünglich propagiert», ist auf der Website der SVP Uster zu lesen. «Dies ist in Anbetracht der vielen anstehenden Investitionen und finanziellen Verpflichtungen der Stadt unverantwortlich gegenüber den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern von Uster.»

Auch sei für die Aufwertung des Areals kein Luxusprojekt nötig. Das Zeughausareal biete bereits heute eine vielseitige Nutzung für Vereine, Gastronomen und Veranstalter.

Die SVP/EDU-Fraktion war aber die einzige Fraktion, die sich im letzten Jahr im Parlament gegen den Baukredit stellte, unterstützt von Paul Stopper (BPU). Letzterem liegen unter anderem die Bäume an der Berchtoldstrasse am Herzen, die gefällt werden müssten, um Platz für den Neubau zu schaffen. Eine Sanierung des Stadthofsaals wäre seine bevorzugte Variante, der Ustermer Kultur Platz zu bieten.

Bild eines Hauses, im Vordergrund eine Strasse und Bäume.
Es soll grün werden rund um die Neubauten – trotzdem müssten einige Bäume an der Berchtoldstrasse gefällt werden.

Auf einem Flugblatt der BPU, das letzte Woche die Runde machte, werden weitere Bedenken am vorliegenden Projekt geäussert: Betriebskosten in unbekannter Höhe, es gäbe wichtigere Probleme in Uster zu lösen, und der Innenhof des Zeughauses würde durch die Bauten «zugepflastert», womit das H2U und andere Freiluftveranstaltungen «nicht mehr durchgeführt werden könnten».

Ein Statement, dem Rolf Heckendorn, Präsident des Organisationskomitees H2U Openair Uster, vehement widerspricht. «Die Behauptung, das H2U könnte nicht mehr stattfinden, ist komplett aus der Luft gegriffen.» Es gäbe höchstens einen Ausfall während der Bauzeit. «Oder auch nicht», meint Heckendorn, der sich klar für ein Ja an der Urne ausspricht. «Wir haben uns in der bald zehnjährigen Geschichte des Open Airs gemeinsam mit dem Areal immer weiterentwickelt, uns angepasst und werden das auch weiter tatkräftig tun.»

«Günstiger, als es auf den ersten Blick aussieht»

SP, EVP, FDP, GLP, Grüne und die Mitte stehen hinter dem Projekt und haben sich zusammen mit dem Wirtschaftsforum Uster zum Komitee Ja zum Zeughaus zusammengeschlossen. Für sie überwiegen ganz klar die Vorteile eines Kultur- und Begegnungszentrums.

Nicht das Projekt sei zu teuer, sondern die Sanierung des Stadthofsaals. So sei das aktuelle Projekt unter dem Strich sogar deutlich günstiger, als es auf den ersten Blick aussehe, ist der Website des Ja-Komitees zu entnehmen.

Dem Argument der zu hohen Kosten halten die Befürworter gegenüber, dass man die 20 Millionen Franken, die einst als Richtwert festgesetzt wurden, durch die Teuerung auf heute 24 Millionen Franken anheben müsste. Bei Baukosten von rund 33 Millionen Franken werde die Zielgrösse sogar um eine Million Franken unterschritten, sofern vom Kanton noch ein Beitrag von 10 Millionen Franken komme.

«In einer finanziellen Gesamtbetrachtung sollten auch die Einsparungen fürs Central und für den Stadthofsaal berücksichtigt werden.» Das Areal des Stadthofsaals könnte einer neuen Nutzung zugeführt werden. «Wenn man bedenkt, was man alles dafür erhält, ist das sehr gut investiertes Geld.»

Dass die FDP das Projekt unterstützt, obwohl sie in ihrer Initiative noch eine Schuldenbremse für die Stadt gefordert hat, scheint derweil einige vor den Kopf zu stossen. «Wichtige und als nötig erachtete Investitionen, wie die Kapitalerhöhung beim Spital oder die Realisierung des Kulturzentrums auf dem Zeughausareal, hätten in der aktuellen Finanzlage der Stadt auch nach einer Annahme der Initiative Platz gefunden», nimmt Marc Thalmann, Präsident der Fraktion FDP/Die Mitte, zum Vorwurf der Doppelmoral Stellung. «Das Beibehalten des Status quo hätte ebenfalls Millioneninvestitionen zur Folge, ohne einen Mehrwert geschaffen und ohne eine Lösung für das Central gefunden zu haben.»

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