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Showdown für das Ustermer Zeughausareal

In Uster soll ein neues Kultur- und Begegnungszentrum entstehen. Die wichtigsten Informationen zur anstehenden Abstimmung zusammengefasst.

Das Kultur- und Begegnungszentrum auf dem Zeughausareal soll über 30 Millionen Franken kosten.

Visualisierung: Nightnurse Images AG

Showdown für das Ustermer Zeughausareal

Abstimmung am 9. Juni

Am 9. Juni fällt die Entscheidung über das Ustermer Zeughausareal. Das Volk äussert sich zum letzten Mal zum geplanten Kultur- und Begegnungszentrum. Die wichtigsten Fakten zur Vorlage.

Den gleichen Stellenwert wie etwa der Greifensee oder der Uster Märt soll das Zeughausareal für die Stadt Uster erhalten. So träumte die SP-Fraktion im letzten Jahr, als es um den Investitionskredit für das Projekt «Kultur- und Begegnungszentrum auf dem Zeughausareal» in Höhe von total 36,6 Millionen Franken ging.

Als einzige Fraktion wollte die SVP/EDU nicht mitträumen. Mangelndes Kostenbewusstsein und fehlende Transparenz lautete der Vorwurf an den Stadtrat. So sei man überzeugt, dass die tatsächlichen Kosten die Marke von 40 Millionen Franken überschreiten werde.

Das letzte Wort hat das Ustermer Stimmvolk am 9. Juni. Hier die wichtigsten Punkte zur Vorlage.

Ausgangslage

Das Zeughausareal ist bereits heute Zuhause verschiedener Veranstaltungen, etwa von Uster on Ice, dem Street Food Festival, Konzerten und vielen mehr. Doch das Areal soll einerseits noch mehr an kulturellem Wert gewinnen und andererseits mehrere infrastrukturelle Anliegen lösen. So ist der heutige Stadthofsaal sanierungsbedürftig und auch das zweite Ustermer Kulturlokal, das Kulturhaus Central, nur befristet eingemietet.

Auf dem östlichen Teil des Zeughausareals soll darum Ersatz geschaffen werden. Das Areal ist seit 2017 im Besitz der Stadt. Es besteht aus den denkmalgeschützten Zeughäusern K1 im Süden und K2 im Norden mit einem offenen Platz dazwischen.

Das nun vorliegende Projekt ist in einem Mitwirkungsverfahren entstanden. Die Ustermer Stimmbevölkerung hat sich bereits dreimal dafür ausgesprochen: 2009 mit 70 Prozent für das Entwicklungskonzept, 2016 mit 66 Prozent für den Gestaltungsplan und zuletzt 2021 mit 59 Prozent für den Projektierungskredit. Die Realisierung des Kultur- und Begegnungszentrums ist das Schlüsselprojekt des «Kulturkonzepts 2020 bis 2028» der Stadt Uster.

Das Projekt

Stadtpräsidentin Barbara Thalmann bezeichnete die Vorlage bereits als «episches Projekt». Gemäss dem Leitbild, das im Mitwirkungsverfahren entstanden ist, soll das Zeughausareal zahlbare Infrastrukturen bereitstellen für Unterhaltung, Kunst, Bildung, Vereinsanlässe, Wirtschaftsveranstaltungen und Soziokultur. Nach dem Motto: «Das Zeughausareal verbindet und ist offen für alle.»

Nun geplant sind zwei Neubauten. Der «Grosse Saal» mit 700 Plätzen übernimmt dabei die Rolle des Stadthofsaals, das «Regal» die des Kulturhauses Central. Im «Regal» entstehen ein kleiner Saal mit 120 Plätzen, zwei kleine Kinosäle, eine gedeckte Terrasse, ein Ausstellungsraum und ein Restaurant. Das Zeughaus K2 wird saniert und als Foyer für Büros und Lagerräume genutzt. Eine Tiefgarage ersetzt die heute oberirdischen Parkplätze. Zwischen den Gebäuden entsteht ein rund 1000 Quadratmeter grosser öffentlicher Platz, der für Festivals, Märkte, Public Viewings, Zeughausfeste und andere temporäre Nutzungen bereitsteht.

Im Gegensatz zum Stadthofsaal und dem Kulturhaus Central, die beide eine schlechte Energieeffizienz aufweisen und mit fossiler Energie beheizt werden, wird auf dem Zeughausareal ein Erdsondenfeld erstellt. Dieses versorgt das Areal und benachbarte Liegenschaften klimaneutral im Sommer mit Kälte und im Winter mit Wärme. Auf den Dächern der beiden Neubauten wird zudem eine Photovoltaikanlage erstellt.

Der Investitionskredit

So ein Bauvorhaben kostet einiges an Geld. Zur Abstimmung steht ein Kredit in Höhe von total 36,6 Millionen Franken. Er setzt sich zusammen aus 33,3 Millionen Franken für das Kultur- und Begegnungszentrum sowie 3,3 Millionen Franken für die Tiefgarage mit 72 Plätzen. Der Stadtrat rechnet jedoch mit geringeren Nettokosten: Er hat bereits beim Gemeinnützigen Fonds des Kantons Zürich ein Gesuch für einen Beitrag von 10 Millionen Franken eingereicht. Ein weiteres Gesuch ist bei der Ernst-Göhner-Stiftung pendent. Beide Beiträge können allerdings erst geprüft werden, wenn der Investitionskredit bewilligt ist.

Die Pro-Argumente

Eine deutliche Mehrheit des Gemeinderats steht hinter der Vorlage. Das Kultur- und Begegnungszentrum schaffe Räume für unterschiedlichste Bedürfnisse und fördere den Standort Uster und die regionale Zentrumsfunktion. Ein weiterer Pluspunkt: Das Stadthofareal würde frei und könnte für Arbeitsplätze, zum Wohnen oder für eine Erweiterung des Stadtparks genutzt werden.

Gemäss Abstimmungsempfehlung sei es die beste und günstigste Lösung für die Sanierung des Stadthofsaals und den Ersatz des Kulturhauses Central und ermögliche zudem Synergien sowohl beim Bau als auch der Bewirtschaftung. Zusätzlich belaufe sich der Wertgewinn des frei werdenden Stadthofareals «je nach Nutzung auf bis zu 15 Millionen Franken».

Das Volk hat sich bereits dreimal deutlich für ein Kultur- und Begegnungszentrum auf dem Zeughausareal ausgesprochen, und durch den Mitwirkungsprozess verschiedener Vertreter aus Politik, Kultur, Bildung, Gesellschaft, die Wirtschaftsverbände und die Nachbarschaft seien die Pläne breit abgestützt.

Die Kontra-Argumente

Eine Minderheit des Gemeinderats aus dem bürgerlichen Lager lehnt die Vorlage ab. Der Kredit sei «völlig überdimensioniert», heisst es in der offiziellen Stellungnahme. Zur Aufwertung des Areals ist kein Luxusprojekt nötig, es biete bereits heute eine vielseitige Nutzung.

Unter anderem aufgrund der Teuerung erwarte man einen Kostenanstieg auf über 40 Millionen Franken, der die Finanzen der Stadt belaste. Zudem hat der Gemeinderat ursprünglich einen Kostenrichtwert von netto 20 Millionen Franken vorgegeben. Der nun vorliegende Bruttokredit liegt aber weit über diesem Wert.

Die «ungenügende Information» über diese Überschreitung lässt die Gegner der Vorlage an der Transparenz des Projekts zweifeln. Zudem erinnere die Situation an das Projekt der Unteren Farb, das statt der veranschlagten 8 Millionen letztlich über 14 Millionen Franken hätte kosten sollen. Dieses wurde im März an der Urne abgelehnt.

Die zweite Vorlage

Bisher wurde das Zeughausareal durch den Verein Zeughaus Uster bewirtschaftet. Doch aufgrund der Investitionskosten ist ein Verein als Rechtsform nicht mehr geeignet. Deshalb soll bei Realisierung des Projekts eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, die Zeughaus Uster AG, gegründet werden. Sie würde die bisherigen Aufgaben des Vereins übernehmen und ausserdem die Räume des Kultur- und Begegnungszentrums bewirtschaften. Die Aktiengesellschaft hätte ein Kapital von einer Million Franken, dabei sollen zwei Drittel der Aktien im Besitz der Stadt Uster bleiben.

Über die Gründung der Zeughaus Uster AG wird am 9. Juni nebst des Investitionskredits in einer separaten Vorlage abgestimmt. Wie beim Investitionskredit steht auch hier die Mehrheit des Gemeinderats hinter der Vorlage.

Ausblick

Sagt das Volk am 9. Juni Ja zum Investitionskredit und der Gründung der Aktiengesellschaft, würde die Ausführungsplanung bereits im Sommer und die Bauarbeiten laut Stadtrat im besten Fall im Frühling 2026 starten. Die Fertigstellung wäre im Sommer 2028 möglich.

Sollte die Vorlage abgelehnt werden, müssten die bisherigen Planungskosten von 2,3 Millionen Franken abgeschrieben und das Zeughaus K2 trotzdem im Rahmen gebundener Kosten saniert werden. Für die Sanierung des Stadthofsaals bräuchte es ein eigenes Projekt, genau wie für den Ersatz des Kulturhauses Central.

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