Usters neuer Ratspräsident ist ein Bauer, der auch Brücken baut
Wahlen im Parlament Uster
Im Ustermer Gemeinderat wurden neue Ämter verteilt: Hans Denzler (SVP) übernimmt das Parlamentspräsidium von Patricio Frei (Grüne).
Es war eine lockere Gemeinderatssitzung, in die auch etwas Nostalgie mit einfloss. Patricio Frei (Grüne) verabschiedete sich aus dem Amt als Ratspräsident mit den Worten, die er ans Parlament richtete: «Ihr habt mir keinen einzigen Stichentscheid zugestanden.» Damit brachte er einige zum Lachen.
Frei hat sich vor einem Jahr zur Wahl gestellt, da sich niemand aus seiner Fraktion berufen fühlte. «Ich wollte eigentlich gar nie Ratspräsident werden.» Dennoch sei er reich beschenkt worden und habe viele schöne Begegnungen mit Menschen genossen in dem Jahr.
Bei einer anonymisierten Wahl kann Folgendes passieren
Danach wurde Hans Denzler (SVP) in das einjährige Amt berufen. 33 Parlamentarierinnen und Parlamentarier stimmten für ihn – eine Stimme ging an Josua Graf (GLP), was für kurze Verwirrung sorgte. Denn niemand wusste, wer Graf notiert hatte. Die Abstimmungen gingen anonymisiert über die Bühne. Er habe sich sicher nicht selber aufgeschrieben, sagte Graf. Ob sich da jemand einen Witz erlaubt hat, bleibt offen.
Denzler nahm sofort seinen Sitz als neuer Ratspräsident ein. «Ich sehe mich als Brückenbauer – und Bauer bin ich ja schon», sagte er in seiner Antrittsrede. Er wolle mithelfen, dass man einander zuhöre, dass man Gräben zwischen Stadt und Land überwinden könne.
In den weiteren Wahlgängen wurden Ali Özcan (SP) mit 33 Stimmen als 1. Vizepräsident und Marco Kranner (GLP) als 2. Vizepräsident gewählt.
Patricio Frei wurden direkt zwei Ämter übertragen: Er wurde zum Präsidenten der Rechnungsprüfungskommission (RPK) gewählt und als neues Mitglied in die Kommission Planung und Bau (KPB) berufen. Dies als Ersatz für Debora Zahn. Sie wurde dafür neu in die Kommission für öffentliche Dienste und Sicherheit (KÖS) gewählt, aus der wiederum Patricio Frei ausgeschieden ist. Eine Rochade innerhalb der Grünen Partei also.
Eine spezielle Initiative ist einen Schritt weiter
Zum Schluss standen noch zwei Geschäfte auf der Traktandenliste: Die Initiative zum Teuerungsausgleich wurde sehr knapp mit 15 Stimmen von der bürgerlichen Seite befeuert, während Claudia Frei (GLP) von einer Mogelpackung sprach. Diese erste parlamentarische Initiative wird jetzt als Nächstes vor eine Kommission kommen.
Beim zweiten und letzten Punkt zeigte sich der Gemeinderat dann grosszügig: Man war sich einig, der Trendsportplatz und der Pumptrack im Buchholz sind mit 841'000 Franken ein Batzen Geld. Er sei zwar teuer, doch er sei sinnvoll – auch im Hinblick auf die kommende Rad-WM. Das Parlament stimmte mit 30 Stimmen und vier Enthaltungen dem Baukredit zu.