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Illnau-Effretikon fühlt sich zwar dabei, aber nicht mittendrin

Die Parlamentarier haben eine Bitte an den Stadtrat: Ein eigenes Medium, welches Illnau-Effretikon ins Zentrum stellt. Der Preis ist nicht ganz egal.

Das «Regio» wie auch andere Medien wurden im Parlament in Illnau-Effretikon kritisiert.

Foto: Till Burgherr

Illnau-Effretikon fühlt sich zwar dabei, aber nicht mittendrin

Kritik an lokalen Medien

Das Parlament überweist ein Postulat an den Stadtrat. Nun soll nach Alternativen für Lokaljournalismus gesucht werden – oder wenigstens ein Diskurs entstehen.

Mit unmissverständlichen Handzeichen wurde am Donnerstagabend das Postulat «moderne Lokalmedien für Illnau-Effretikon» einstimmig dem Stadtrat überwiesen. Ralf Antweiler (GLP) und Simon Binder (SVP) haben mit ihrem Vorstoss «schnell einen überparteilichen Konsens» gefunden. «Die Berichterstattung ist unbefriedigend, und es braucht eine moderne Lösung zu einem niedrigen Preis», sagte Binder, der Vertreter der Volkspartei.

Damit wird der Stadtrat aufgefordert, die Kommunikationskanäle in Illnau-Effretikon zu überdenken. Das Ziel ist es, eine umfassendere, attraktivere und partizipativere Berichterstattung über die Stadt zu erreichen, wo amtliche Publikationen genauso viel Platz haben wie das Vereinsleben oder das politische Geschehen der Region. «Das Postulat soll dem Stadtrat helfen, grösser zu denken und Partnerschaften mit anderen Medien oder Gemeinden zu berücksichtigen», sagte Antweiler.

Wer informiert ist, ist auch dabei

Er sieht eine Verbindung zwischen der geografischen Lage von Illnau-Effretikon und der mangelnden Nachrichtensituation: Die Stadt wird weder ganz vom «Landboten» abgedeckt noch von der Zürcher Oberland Medien AG und ist somit zwar dabei, aber nie mittendrin. Mit einer neuen Plattform soll Illnau-Effretikon ganz ins Zentrum rücken.

Die Kritik an lokalen Medien ist glasklar – trotz der milden und wohlwollenden Ausdrucksweise. Die Stadt fühlt sich im «Regio» und in anderen Medien unterrepräsentiert. Vereine hätten keine Garantie auf eine Publikation, ausser bei einem Inserat, welches zu teuer ausfalle, hiess es von verschiedenen Parlamentariern. Und wer nicht informiert wird, der ist nicht dabei. Politisch sowie kulturell.

Die vierte Gewalt soll bleiben, aber nicht um jeden Preis

Das Parlament sieht Medien als ein wichtiges Element: die vierte Gewalt in unserer Gesellschaft. Die, die dem Staat auf die Finger schaut und die Bevölkerung zur aktiven Teilnahme auffordert. Auch hier, politisch sowie kulturell. Was in der Diskussion im Parlament hervorgebracht wurde, war das Interesse an einer objektiven Berichterstattung – oder eben die Präsenz der vierten Gewalt.

Die regionale Kultur soll durch die journalistische Feder aufgewertet werden, die redaktionelle Arbeit in der noch fiktiven Plattform einen objektiven Blick auf das Stadtgeschehen werfen. Ein professioneller Journalismus ist nicht bloss erwünscht, sondern wird von den Parlamentarierinnen und Parlamentariern auch gefordert. Doch zu welchem Preis?

Der Stadtrat muss sich nun der Herausforderung stellen und ein «Preisschild an seine Vorschläge hängen», wie Antweiler sagt. Denn Qualitätsjournalismus hat nun mal einen Preis. Das musste kürzlich auch die Stadt Wetzikon feststellen, wo der Stadtrat ein eigenes Magazin für ein reichhaltiges Stadtleben ins Auge gefasst hatte. Wetzikons geplantes Magazin wurde jedoch, unter anderen Argumenten, aus Kostengründen nicht weiterverfolgt.

Die Jungen sollen nicht vergessen werden

Trotzdem äusserten die Parlamentarierinnen und Parlamentarier ihre Wünsche und Hoffnungen an eine potenziell künftig funktionierende Nachrichtenlandschaft, wo Anerkennung, Identität und Sichtbarkeit eine Rolle spielen. Für alle Nutzungsgruppen.

«Aber wirklich für alle», betonte Silja Benker (Grüne), die eine Berücksichtigung auch der jüngeren Generationen fordert – die Plattform soll auch für die unter 25-Jährigen konzipiert werden. Für die sei der bisherige Kommunikationskanal der Stadt auf den sozialen Medien noch ungenügend – oder so veraltet wie Facebook.

Das «Regio» ist das amtliche Publikationsorgan der Stadt Illnau-Effretikon. Sie publiziert hier sämtliche Anordnungen und Beschlüsse, wozu sie gesetzlich verpflichtet ist. Die Wochenzeitung wird am Donnerstag jeweils gratis in alle Haushaltungen verteilt und von der Zürcher Oberland Medien AG produziert. (zo)


» Lesen Sie hier die weiteren Beschlüsse des Parlaments.


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