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Greifenseer Gemeindepräsidentin: «Man hat die Braut nicht gefragt»

Gemeindepräsident Monika Keller kritisiert das Vorgehen der Stadt Uster. Für Greifensee sieht sie kaum Vorteile durch eine Fusion.

Die Greifenseer Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) hat wenig Verständnis für das Vorgehen der Stadt Uster. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

Greifenseer Gemeindepräsidentin: «Man hat die Braut nicht gefragt»

Fusion mit Uster?

Die Greifenseer Gemeindepräsidentin Monika Keller (FDP) sieht in einer möglichen Fusion mit Uster vor allem Nachteile für ihre Gemeinde. Kritik äussert sie am Vorpreschen der Stadt Uster.

Frau Keller, der Ustermer Stadtrat will keine Abspaltung der Aussenwachten Nänikon und Werrikon, stattdessen findet er eine Fusion mit der Gemeinde Greifensee prüfenswert. Sind Sie überrascht vom Entscheid?

Monika Keller: Der Entscheid war leider zu erwarten. Es ist schade, dass man das Ansinnen der Volksinitiative nicht ernster nimmt. Es wäre gut, wenn man die Vor- und Nachteile eines Anschlusses der Aussenwachten an Greifensee prüfen und das Anliegen klären könnte.

Weshalb würde ein Anschluss der beiden Ustermer Aussenwachten an Greifensee Sinn ergeben?

Der gemeinsame soziokulturelle Raum ist Realität. An der Gemeindegrenze hört die Welt nicht auf. Darum ist ein Zusammenschluss mit Nänikon und Werrikon aus unserer Sicht prüfenswert.

Hat sich die Ausgangslage für die Gemeinde Greifensee mit dem Entscheid aus Uster nun geändert?

Für uns hat sich nichts geändert. Die Frage ist, wie wir mit der Fusionsidee umgehen. Für mich ist das ein Ablenkungsmanöver vom Anliegen der Volksinitiative. Auf den Wunsch eines grossen Teils der Bevölkerung (Anm. d. Red.: In nur drei Monaten kamen insgesamt 900 Unterschriften zusammen) will die Stadt Uster nicht eingehen.

Stadtpräsidentin Barbara Thalmann (SP) argumentiert unter anderem mit einem kostenintensiven Prozess, der viele Ressourcen binden würde. Wenn schon, müsse man das Geld in die Prüfung einer möglichen Fusion investieren. Können Sie diese Haltung nachvollziehen?

Ich kann den Entscheid aus Sicht der Stadt Uster verstehen, aber es ist eine einseitige Perspektive. Eine Fusion ist nur eine von verschiedenen Möglichkeiten. Und: Vielleicht müsste man zuerst die Braut fragen. Sonst kann man sich das Geld sparen. Entscheidend ist am Schluss sowieso, was die Bevölkerung in Greifensee sagt.

In der Vergangenheit haben Sie eine Fusion mit Uster nicht per se ausgeschlossen, sprachen von «einer legitimen, aber chancenlosen Idee». Wie stehen Sie heute dazu?

Wir sind eine mittelgrosse, funktionierende Gemeinde. Ich sehe aktuell keinen Grund für eine Fusion. Die Nachteile überwiegen. Ich habe das Gefühl, man würde viele Freiheiten verlieren.

Welche Auswirkungen hätte eine mögliche Fusion konkret für Greifensee?

Uster versteht sich als Stadt. Wir sind ein Dorf. Man muss verstehen, dass ein Dorf mehr ist als eine Organisation. Es geht auch um Identität. Dieser Charakterunterschied bringt unterschiedliche Schwerpunkte mit sich. Schon jetzt stösst die Stadt Uster die Näniker immer wieder vor den Kopf, etwa bei der Zentralisierung der Bibliothek. Bevölkerungsmässig sind wir etwa doppelt so gross wie Nänikon. Für Uster wären wir gemeinsam eine grosse Aussenwacht.

Aus Ihrer Sicht mangelt es also bereits jetzt am Verständnis der Stadt für ihre ländlichen Aussenwachten. Gerade in der Zusammenarbeit argumentiert der Ustermer Stadtrat mit Vorteilen einer Fusion. Sie würde diese vereinfachen.

Dort, wo es sinnvoll ist, arbeiten wir jetzt schon mit anderen Gemeinden zusammen und verfügen über entsprechende Verträge. Nicht nur mit Uster, sondern auch mit Schwerzenbach und Volketswil. Das ist völlig normal. Eine Fusion würde in diesem Bereich keine Vorteile mit sich bringen.

Werden Sie nun mit der Stadt Uster das Gespräch suchen?

Es liegt an Uster, mit uns in Kontakt zu treten.

So reagiert das Komitee Pro 8606

Das Komitee Pro 8606 hat die Volksinitiative lanciert und setzt sich für einen Anschluss von Nänikon und Werrikon an Greifensee ein. In einer Mitteilung am Mittwoch zeigt es sich irritiert, dass der Stadtrat schon Zahlen von vermuteten Einnahmeausfällen nennt und mit Steuererhöhungen droht. Obschon es bei der Initiative vorerst nur darum geht, dass Uster und Greifensee partnerschaftlich Fakten zusammentragen, was ein Gemeindewechsel für Folgen hätte.

«Dass der Stadtrat die Tür verschliessen will, bevor gesicherte Fakten zu den Konsequenzen auf dem Tisch liegen, ist nicht nachvollziehbar und grenzt an Gesprächsverweigerung», schreibt das Komitee. Die 92 Prozent der Näniker und der Werriker Bevölkerung, die für einen Gemeindewechsel gestimmt hätten, müssten sich brüskiert fühlen, so die Initianten. «Indem der Stadtrat vor einer vertieften Abklärung mit Greifensee schon Einnahmeausfälle beziffert und mit unseriösen Zahlen und Szenarien hantiert, verspielt er Glaubwürdigkeit.» Zudem zeuge es nicht von regionalem Denken, dass die Argumentation sich nur auf Gemeindegrenzen abstütze. Letztlich gehe es darum, die Region als Ganzes weiterzuentwickeln. Und dann besteht gemäss dem Komitee viel Potenzial, «wenn Greifensee mit Nänikon und Werrikon und Uster zwei starke Zentren bilden». (erh)

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