Stadtrat Uster findet Barrierefreiheit wichtiger als Marktstände
Nachwehen zum Uster Märt 2023
Der letztjährige Uster Märt hat die Gemüter erhitzt und die Politik bewegt. Jetzt liegt eine umfassende Antwort des Stadtrats auf die Anfrage eines SVP-Gemeinderats vor.
Fehlendes Marktgefühl, grosse Lücken zwischen den einzelnen Ständen, schlechtes Konzept: Der Unmut über den letzten Uster Märt war gross. So gross, dass er auch in der lokalen Politik bewegte und SVP-Gemeinderat Daniel Schnyder dazu veranlasste, eine umfassende Anfrage an den Stadtrat einzureichen.
Unter dem Titel «Uster Märt – Fortbestand sichern» verlangte er von der Stadtregierung zu diversen Themen detailliert Auskunft, unter anderem:
- Wie viele Stände im letzten Jahr und denen davor erstellt wurden?
- Wie beeinflussten städtische Massnahmen wie Strassensanierungen den Markt in den letzten Jahren?
- Welche Kosten verursachte der Markt für die Stadt?
Jetzt liegen die Antworten des Stadtrats vor.
Die Anzahl Stände
Ja, 2023 fiel die Anzahl der Stände und Geschäfte am Uster Märt tiefer als in den Jahren zuvor aus. Doch ist diese Zahl gemäss Stadtrat primär zurückzuführen auf die schlechte Witterung (nächtlicher Schneefall mit teilweise prekären Strassenverhältnissen frühmorgens). So mussten insgesamt knapp 30 Marktfahrende ihre Teilnahme kurzfristig absagen oder waren schlicht nicht erschienen. «Entsprechend ergaben sich in diesem Umfang ungewollte Belegungslücken.»
Die Zahl der vergebenen Standplätze blieb über die Jahre recht stabil, sank aber nach der Corona-Pandemie leicht.
Grund für diesen Rückgang in den Jahren 2022 und 2023 ist aber auch, dass auf der Zürich-, See- und Quellenstrasse gebaut wurde.
Die umgebauten Strassen
Auf der Zürichstrasse wurden vom Kanton an verschiedenen Stellen vor allem Spurverengungen im Zusammenhang mit dem Wasserkreisel angebracht. «Diese lenken und entschleunigen nicht nur den Normalverkehr, sondern erschweren durch die Reduktion der Fahrbahnbreite auch die Durchfahrt für Rettungs- und Einsatzfahrzeuge im Ereignisfall», schreibt der Stadtrat. Das müsse bei der Platzierung von Marktständen berücksichtigt werden.
Auch der barrierefreie Ausbau der Bushaltestelle, verbunden mit sehr hohen Randsteinen an der Seestrasse, hatte einen Einfluss, dass dort weniger Stände platziert werden konnten.
Zudem wurden, so der Stadtrat, bei der Neugestaltung der Seestrasse, im Abschnitt zwischen dem Wasserkreisel und der Apothekerstrasse, beidseits im Trottoirbereich und in der Strassenmitte Grünflächen angelegt und Bäume gepflanzt. Dadurch reduzierten sich die dort in früheren Jahren für das Aufstellen von Marktständen zur Verfügung stehenden Flächen.
Auch an der Quellenstrasse, im Bereich kurz vor der Einmündung in die Seestrasse, wurde 2023 eine Umgestaltung vollzogen, bei welcher etwas mehr Grünflächen zulasten des Strassenraums geschaffen wurden. Entsprechend konnten dort beim letzten Uster Märt keine Marktstände platziert werden.
Der Stadtrat hält fest, dass die baulichen Veränderungen zu einer Aufhebung «respektive Umplanung» von rund 35 Marktplatzständen kam.
» Lesen Sie hier, wie sich die Situation am Uster Märt 2024 präsentieren wird. «
Der Stadtrat ist sich bewusst, dass insbesondere die baulichen Veränderungen im Stadtzentrum unweigerlich Auswirkungen auf die Planung und Durchführung des Uster Märt haben. Dennoch hält er fest, «dass die getätigten baulichen Massnahmen vornehmlich für die Herstellung der verkehrlichen Sicherheit sowie zur Aufwertung der Stadtraumgestaltung vorgenommen wurden».
In Abwägung aller Vor- und Nachteile stehe es für den Stadtrat ausser Frage, dass übergeordneten Interessen mehr Gewicht zu geben ist. So seien Interessen der Stadtraumgestaltung, der Verkehrssicherheit sowie der barrierefreien ÖV-Zugänglichkeit für Behinderte während der Zeit ausserhalb des Uster Märt (363 Tage im Jahr) höher zu gewichten, «als die Ausrichtung aller Infrastrukturanlagen auf die Bedürfnisse eines temporär und mobil angelegten Markts während zwei Tagen im Jahr».
Das Sicherheitskonzept
Ein weiterer angeführter Grund, weshalb sich den Besucherinnen und Besuchern 2023 weniger Stände präsentierten, war das Sicherheitskonzept. Eine externe Beraterfirma hatte in einer Untersuchung aufgezeigt, dass in den Jahren zuvor dem sogenannten Crowd Management zu wenig Beachtung geschenkt worden war. «So wurden selbst die Rettungsachsen – erforderliche Durchfahrtsbreite zum Beispiel für das Tanklöschfahrzeug der Feuerwehr – nicht konsequent eingeplant», schreibt der Stadtrat. Diesen Mangel habe man letztes Jahr behoben.
2023 erhielt die legendäre Outdoor-Party an der Zentralstrasse keine Bewilligung. Grund war das Sicherheitskonzept. So wurde 2022 festgestellt, dass bei der Party «Spitzbueb» respektive «Märt Näscht» eine viel zu grosse und nicht mehr kontrollierbare Menschenmasse zusammenkam. Im Notfall wäre die Herausforderung, das Areal zu räumen, viel zu gross gewesen.

Die Betreiber der Party stellten daraufhin ein Gesuch für einen kleineren Stand auf dem Stadthausplatz, wo sie die Genehmigung erhalten, nur Hintergrundmusik zu spielen. Partystimmung wollte deshalb nicht wirklich aufkommen, weder bei Betreibern noch bei Gästen, sodass die Macher des Märt Näscht im Nachgang festhielten, einen Schlussstrich zu ziehen. Das kam auch in der Politik an.
Denn jetzt hält der Stadtrat in seiner Antwort auf die Anfrage des SVP-Gemeinderats Daniel Schnyder nochmals fest, dass es nie zur Diskussion stand, dass der «bewilligte Foodtruck einen Ersatz zum Standort Spitzbueb an der Zentralstrasse» darstellte. Beantragt und «so auch von der Stadtpolizei bewilligt wurde ein herkömmlicher Marktstand (Foodtruck)». Musik mit Verstärker, seien durch die Foodtruckbetreiber weder beantragt noch im Vorfeld formell bewilligt worden.
Hinsichtlich möglicher Zukunftsbelange hätten Gespräche zwischen der Stadtpolizei Uster und dem Betreiber stattgefunden. (erh)
Dies hatte zur Folge, dass in der Mitte der Zürichstrasse keine Stände mehr bewilligt werden konnten, um im Ereignisfall jederzeit auch die Zufahrt mit dem Tanklöschfahrzeug in den Kern Süd via Zürichstrasse zu ermöglichen.
Die Finanzen
2023 belief sich der Ertrag aus Standmieten – trotz rund 30 Ständen weniger – auf rund 195’000 Franken, nur 3000 Franken weniger als ein Jahr zuvor. Doch am Ende steht ein Verlust, auch wenn der Uster Märt kein gewinnorientierter Anlass ist.
Bis zur Pandemie konnte der Uster Märt kostendeckend betrieben werden. Allerdings sorgen sicherheitstechnische Anpassungen für Mehrkosten. So ist der Markt seit 2022 leicht defizitär, weil seit dann der Markt mit Fahrzeugsperren gesichert wird. Sie sollen verhindern, dass jemand mit einem Fahrzeug bewusst oder unbewusst ins Marktgelände fährt. «Diese Fahrzeugsperren müssen jeweils von einem externen Anbietenden für den Anlass gemietet werden, was mit erheblichen Kosten verbunden ist», schreibt der Stadtrat.
