Darum ist der warme Boden über einer alten Deponie in Gossau ungefährlich
Vergessene Deponie Wissenbüel
Die Deponie Wissenbüel beschäftigte drei Gossauer Kantonsräte. Sie wollten wissen, was an dem Standort, der 1972 eröffnet und inzwischen sistiert wurde, mit der Umwelt passiert.
Deponie und Gossau: Fallen diese beiden Wörter, muss man unweigerlich an das Tägernauer Holz denken. Hier plant der Kanton, eine Kehrichtschlackendeponie zu errichten. Die Pläne beschäftigen seit Jahren die lokale Bevölkerung und die Politik. Sie wollen verhindern, dass der Kanton die geplante Deponie festsetzen kann.
Doch bereits von 1972 bis 2008 wurden in Gossau in der Deponie Wissenbüel Schlacken aus Kehrichtverbrennungsanlagen, Klärschlamm, Bauabfälle und zementverfestigte Filteraschen abgelagert – 370’000 Kubikmeter insgesamt.
Im Wissenbüel wären noch rund 100’000 Kubikmeter für Deponieabfälle verfügbar, allerdings wären davon nur ein Fünftel für Schlacke nutzbar. Das restliche Volumen könnte nur für wenig oder nicht belastetes Material genutzt werden.
Alte Schlacke in alter Deponie
Die Geschichte dieser «vergessenen Deponie» rief auch drei Kantonsräte aus Gossau auf den Plan. Elisabeth Pflugshaupt (SVP), Daniel Wäfler (SVP) und Jörg Kündig (FDP) reichten im Dezember eine Anfrage ein, in der sie wissen wollten, was an jenem Standort mit der Umwelt passiert.
Denn, so schrieben sie, hätten sich in den letzten Jahren die Hinweise verstärkt, dass sich der Boden über der Deponie erwärme. «Mit Blick auf neu geplante Deponiestandorte, welche später wieder aufgeforstet werden sollen, sind dies sicherlich nicht unproblematische Entwicklungen.»
In der nun vorliegenden Antwort des Regierungsrats heisst es, dass die Wärmeentwicklung «vermutlich von den zementverfestigten Filteraschen» stamme, welche sehr reaktiv sind. Allerdings würden solche Materialien heute nicht mehr direkt abgelagert, sondern weiterbehandelt. «Eine moderne Schlackendeponie verhält sich in Bezug auf die Wärmeentwicklung anders als die alte Deponie Wissenbüel», so der Regierungsrat.
Gleichzeitig hält er fest, dass von dieser keine Gefährdung für Mensch oder Umwelt hervorgehe. Die Deponie werde laufend überwacht, sämtliche Messungen in einem jährlichen Bericht dokumentiert.
Witterungsbedingungen relevanter
Auch wenn es Elisabeth Pflugshaupt, Daniel Wäfler und Jörg Kündig in ihrer Anfrage nicht explizit schreiben, so ist ihrem Anliegen zu entnehmen, dass es ihnen auch um den geplanten Deponiestandort im Tägernauer Holz geht. So wollten sie nämlich wissen, wie eine Schlackendeponie in einem Wald geplant werden kann, mit dem Ziel, diesen im Anschluss wieder aufzuforsten, wenn sich dort der Boden erwärmt.
Wird nach einem neuen Standort für eine Deponie gesucht, schreibt der Regierungsrat auf die Frage der Gossauer Kantonsräte, «wird im Rahmen der Projektierung und der Prüfung der Umweltverträglichkeit auf den Aspekt der Erwärmung eingegangen». Dabei werde ersichtlich, ob die Erwärmung eine mögliche Aufforstung beeinflussen könnte – wobei jedoch gemäss Antwort Witterungsextreme viel relevanter und wahrscheinlicher sind «als eine Beeinträchtigung des Bodens infolge von chemischen Prozessen im Ablagerungsmaterial».
Wenn es um die Aufforstung und das Wachsen der neu gepflanzten Bäume geht, dürfte eine geringe Bodenerwärmung den Austriebszeitpunkt nicht beeinflussen. Im Konjunktiv antwortet der Regierungsrat damit auf eine letzte Teilfrage der Gossauer Kantonsräte, wie sichergestellt werden könne, dass auf geheizten Böden einheimische Bäume nicht zu früh zu wachsen begännen.
Geologie entscheidend für Standortwahl
So ist für den Austrieb von Bäumen eine ausreichende Tageslänge erforderlich und eine bestimmte Anzahl Tage mit einer gewissen durchschnittlichen Tagestemperatur, die von den Bäumen «wahrgenommen» wird.
«Dass diese Temperatur durch die erhöhte Bodentemperatur relevant beeinflusst wird, ist aufgrund der voraussichtlich sehr lokalen Wirkung direkt über dem Boden und der hohen Wuchshöhe von Bäumen unwahrscheinlich», schreibt der Regierungsrat, ohne sich auf eine mögliche Studie oder andere wissenschaftliche Faktenlage zu stützen.
Letztlich aber geht es bei der Suche nach neuen Deponien nicht primär um den Wald. Denn, so der Regierungsrat, ist für den Standort einer Deponie, in welcher Schlacke gelagert wird, zunächst die Durchlässigkeit des Untergrunds massgebend. «Ist diese Voraussetzung in einem bewaldeten Gebiet gegeben, ist es möglich, eine Deponie im Wald zu realisieren.»
