Empfehlungswirrwarr bei der SVP
Bezirksgericht Pfäffikon
Drei Frauen stehen zur Wahl für das Präsidium des Bezirksgerichts Pfäffikon. Gewinnen kann nur eine, aber gleich zwei Kandidatinnen werden von der SVP unterstützt.
Im Oktober 2023 ist Thomas Rehm im Alter von 63 Jahren unerwartet verstorben. Sein ganzes Berufsleben hatte der Jurist dem Bezirksgericht Pfäffikon gewidmet, ab 1997 als vollamtlicher Richter, von 2004 bis zu seinem Ableben 2023 als Gerichtspräsident.
Am 3. März wählt der Bezirk Pfäffikon nun eine geeignete Nachfolge des angesehenen Juristen – drei Frauen bewerben sich für das Präsidium: die bisherige Vizepräsidentin Yvonne Mauz (SP), Emina Casparis (FDP) und Margrit Sigrist-Tanner (EVP). Letztere verweist in ihrem Wahlkampf auf eine breite Koalition an Unterstützern, die das gesamte politische Spektrum abdecken. Neben ihrer eigenen Partei wird sie von der AL ganz links über die Grünen, die GLP und die Mitte bis weit ins konservative Lager von der EDU und der SVP unterstützt.
Das Hearing der SVP Bezirk Pfäffikon
Die SVP Bezirk Pfäffikon hatte eigens ein Hearing veranstaltet, an dem die drei Kandidatinnen für sich werben durften. «Aufgrund dieses Hearings haben wir uns für Margrit Sigrist-Tanner entschieden», erklärt Paul von Euw, Präsident der Bezirkspartei.
Alles klar also? Mitnichten. Es wäre ganz sicher irgendwo in der Zone zwischen «höchst boulevardesk» und «masslos übertrieben», würde man von einem «tiefen Riss mitten durch die Oberländer SVP» schreiben. Aber bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass nicht alle Ortsparteien die Parole der Bezirkspartei gutheissen.
Während beispielsweise die SVP Illnau-Effretikon auf ihrer Website der Parole der Bezirkspartei folgt, sprechen sich die SVP-Ableger in Fehraltorf, Pfäffikon und Russikon für Emina Casparis von der FDP aus.
Was ist hier schiefgelaufen? «Nichts», sagt Roland Buri, Präsident der SVP in Pfäffikon. «Unser Vorstandsmitglied Rajka Frei war am Hearing der Bezirkspartei sogar dabei.» Trotzdem hat sich die Ortspartei nicht für Margrit Sigrist-Tanner ausgesprochen, sondern für Emina Casparis. «Die FDP steht uns politisch näher als die EVP. Deshalb haben wir die Parteizugehörigkeit stärker gewichtet als die Empfehlung der Bezirkspartei», so Buri.
Die Empfehlung des Richterkollegen
«Die Parteizugehörigkeit ist sicher ein Grund», bestätigt Walter Bamert, Präsident der SVP Fehraltorf, die ebenfalls die FDP-Frau unterstützt. Zudem habe sich Andreas Lüthi für Casparis ausgesprochen. Lüthi ist seit 2018 Bezirksrichter und kennt Casparis von der gemeinsamen Arbeit am Gericht. Die 49-jährige Juristin ist seit 2013 Bezirksrichterin. «Andreas Lüthi hat uns Frau Casparis empfohlen, und der Vorstand ist dieser Empfehlung gefolgt.»
Auch die SVP in Russikon widerspricht ihrer Bezirkspartei und unterstützt die Kandidatur von Emina Casparis. Für die SVP-Wählerschaft ist die Wahl am 3. März also auch eine Wahl zwischen Ort und Bezirk. Oder die Qual der Wahl im wahrsten Sinne des Wortes.
