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Gemeinde Egg stoppt den Chilehuus-Neubau

Schon 2022 wurde das Gewinnerprojekt für den Neubau prämiert. Passiert ist seither exakt – nichts. Zwei Jahre später nun das jähe Ende.

Hier wäre das neue Chilehuus hingebaut worden. Daraus wird jetzt wohl vorerst nichts.

Foto: Simon Grässle

Gemeinde Egg stoppt den Chilehuus-Neubau

Erneutes Projekts-Aus in Egg

Noch ein Projekt, das die Gemeinde Egg nach der Bauausschreibung zurückpfeift. Der Grund seien die Teuerung und die knappe Finanzlage der Gemeinde.

Er wäre elegant und praktisch gewesen: ein moderner Bau auf dem Gelände des Egger Friedhofs, dort, wo das alte Friedhofsgebäude steht, direkt neben der reformierten Kirche. Der Chilehuus-Neubau.

Nach dem Stopp des Bützi-Projekts ist dieses Gebäude nun ein weiteres Bauvorhaben in Egg, das vom Gemeinderat zurückgepfiffen wird. Dies auch wieder, nachdem bereits ein Siegerprojekt gekürt worden war.

Schon im Januar 2022 wurde das Gewinnerprojekt des Planerbüros Raumfindung Architekten prämiert. Zwei Jahre später nun das jähe Ende. Die Gemeinde Egg lässt per Medienmitteilung verlauten, dass sie sich vom Vorhaben zurückzieht. Der Grund: die enge Finanzlage.

Geplant wäre gewesen, dass die Politische Gemeinde der Kirchgemeinde ein Baurecht einräumt und im Gegenzug auf der Ebene des Erdgeschosses ein neues, zweiteiliges Friedhofsgebäude erhält. Zudem wäre im unteren Teil des Friedhofs ein neues Betriebsgebäude für die Bewirtschaftung der Anlage entstanden.

Die Kosten für diese Rohbauten hätte die Reformierte Kirchgemeinde übernommen, der Ausbau wäre zulasten der Politischen Gemeinde erfolgt.

Ein sozialer Raum

Esther Feller bedauert den Entscheid. «Wir nehmen den Beschluss der Gemeinde zur Kenntnis, aber finden dies natürlich sehr schade», sagt die Präsidentin der Reformierten Kirchenpflege. Es sei ein gutes Projekt, das nicht nur der Kirchgemeinde, sondern der gesamten Egger Bevölkerung einen Nutzen gebracht hätte.

Vorgesehen war auch ein Mehrzweckraum, der ebenfalls geeignet gewesen wäre für Apéros bei Konfirmationen oder Hochzeiten sowie auch nach Abdankungen. «Bis jetzt waren wir immer auf schönes Wetter angewiesen – oder mussten andere Lösungen finden», sagt Feller.

Die Reformierte Kirche hat zwar ein Kirchgemeindehaus, dieses befindet sich jedoch an der Forchstrasse 129. Dazu müsse man von der Kirche aus zweimal die Hauptstrasse überqueren, sagt Feller.

«Für die Kinderbetreuung während des Gottesdiensts ist der jetzige Standort zum Beispiel eher ungeeignet.» Die Reformierte Kirchenpflege hätte den neuen Standort auf dem Friedhofsgelände sehr begrüsst.

Ein Siegerprojekt, das jetzt verliert

Fünf Projekte sind im Januar 2022 angeschaut und besprochen worden. Gemäss dem Siegerprojekt der Raumplaner Architekten hätte es zwei Bauten gegeben: ein dreigeschossiges Hauptgebäude mit den Räumen für die Kirchgemeinde in den zwei oberen Geschossen und der Abdankungshalle im Erdgeschoss. Daneben ein Gebäude mit einer Etage mit den beiden Aufbahrungsräumen.

Die Kirchgemeinde hat die Kosten für die Ausschreibung und den bisherigen Planungskredit bezahlt. «Wir haben schon einen beachtlichen Betrag für die Ausschreibung und die Planung des Projekts ausgegeben», sagt Feller. Den genauen Betrag kann sie aktuell nicht nennen.

Die Kirchenpflege hat die Gemeinde Egg bereits im September 2022 darüber informiert, dass sich die geschätzten Baukosten während der Planungsphase beinahe verdoppelt hätten und weitere Abklärungen bezüglich Finanzierung vorzunehmen seien.

Budget in Egg ist eng

Gemeindeschreiber Tobias Zerobin sagt dazu: «Nach diesem Brief haben wir nichts mehr von der Kirchenpflege gehört.» Die Gemeinde habe aber im Rahmen der allgemeinen Finanzplanung das Bauprojekt nochmals überprüft. «Wir sind zum Schluss gekommen, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis ungünstig ist», erklärt er.

Egg habe im Budget ein Minus für das Jahr 2023 eingeplant wie auch für das Jahr 2024. «Wir müssen unsere Steuerfranken zielgerichtet einsetzen – dazu müssen wir prioritäre Entscheidungen treffen.» Jährlich gebe die Gemeinde zum Beispiel immer höhere Beträge an die Pflegefinanzierung ab. Das seien gebundene Kosten, die jährlich von den Gemeinden eingesetzt werden müssten.

Auch sei mit der Entscheidung zum Projektstopp beim Bützi-Schulhaus argumentiert worden. «Wir können nicht zu dringend benötigtem Schulraum Nein sagen und dann in ein – aus der Sicht der Gemeinde – weniger prioritäres Projekt investieren», sagt Zerobin.

Es sei dem Gemeinderat bewusst, dass das heutige Friedhofsgebäude zwar in die Jahre gekommen und mittelfristig sanierungsbedürftig sei. Es erfülle den Zweck jedoch auch in den kommenden Jahren noch. Der bis jetzt aufgeschobene Unterhalt wird nun schrittweise vorgenommen.

Die Kirchgemeinde wird sich überlegen, ob allenfalls eine abgeänderte Variante des Neubauprojekts mit tieferen Kosten und ohne Beteiligung der Politischen Gemeinde Egg realisierbar ist.

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