Katholiken aus Turbenthal wollen mit Zell verhandeln
Mögliche Kirchenfusion im Tösstal
Um die Misere der Katholischen Kirche Zell zu beenden, steht unter anderem eine Fusion mit der Kirchgemeinde Turbenthal im Raum. Letztere hat nun den Segen für Verhandlungen erhalten.
Die Katholische Kirchgemeinde Zell scheint nicht zur Ruhe zu kommen. Seit 2018 jagt ein Problem das nächste. Der jüngste Stolperstein: der geschlossene Rücktritt der Kirchenpflege im Mai 2023.
Seither fehlt der Gemeinde die Exekutive. Neben den Katholikinnen und Katholiken aus Zell gehören ihr auch Mitglieder aus Schlatt, Weisslingen und Kyburg an.
Vor dem Hintergrund fehlender Behördenmitglieder könne sinnvoll sein, über eine Fusion nachzudenken, betonte Simon Spengler, Sprecher der Katholischen Kirche im Kanton Zürich, kürzlich. Das prüft die Gemeinde nun.
Bedenken beseitigen
Im vergangenen November sprachen sich die Zeller Kirchbürger für Fusionsverhandlungen mit der Kirchgemeinde Turbenthal aus. Ihr Gebiet umfasst auch die Gemeinden Wila und Wildberg.
Am 14. Januar hielt die Kirchgemeinde deshalb eine ausserordentliche Versammlung ab. An dieser sprachen sich die 20 anwesenden Stimmbürger einstimmig dafür aus, Verhandlungen aufzunehmen.
«Mit einem so klaren Entscheid hätten wir nicht gerechnet», kommentiert Kirchenpflegepräsidentin Anna-Maria Caldarulo die Abstimmung. «Das macht uns stolz und zeigt, dass die Kirchbürger hinter uns stehen.»
Zwingend notwendig wäre eine Abstimmung über die Aufnahme der Verhandlungen aber nicht gewesen. «Dennoch war uns wichtig, den Puls der Gemeinde zu fühlen und Bedenken aus dem Weg zu räumen», so Caldarulo.
Davon gab es tatsächlich einige: etwa die Befürchtung, es gebe fortan nur noch eine Pfarrei. Mit der Folge, dass die Gottesdienste abwechselnd in Turbenthal und Zell durchgeführt würden. Und auch Sorgen um das Personal oder die Nähe zu den Leuten wurden geäussert.
Gemeindeleben soll profitieren
Caldarulo beschwichtigt: «Ziel ist eine Verwaltung mit zwei Pfarreien und jeweils eigenem Pfarreileben.» Dazu gehöre auch, dass jede Pfarrei nach wie vor auf eigene Rechnung tätig sei. Und auch was das Personal angeht, soll vorderhand alles beim Alten bleiben – die Details müssen aber erst ausgehandelt werden.
Die Kirchenpflegepräsidentin versprach denn auch, man werde die Gemeinde laufend über die Fortschritte der Verhandlungen informieren. Eine Abstimmung über die Fusion soll frühestens im zweiten Halbjahr stattfinden.
Das sogenannte duale System ist eine Schweizer Eigenheit. In der Katholischen Kirche gibt es hierzulande zwei Partner, die sich die Aufgaben im kirchlichen Leben teilen: die pastorale Seite, organisiert als Pfarrei – und die staatskirchenrechtliche Seite, organisiert als Kirchgemeinde.
Die Pfarrei ist gemäss kirchlichem Recht eine Gemeinschaft von Gläubigen. Sie wird von einem gewählten Pfarrer oder einem Pfarreibeauftragten geleitet und ist unter anderem verantwortlich für Seelsorge und Gottesdienste.
Die Kirchgemeinde hingegen übernimmt die Verantwortung für die staatskirchenrechtlichen Aufgaben, beispielsweise die Finanzen oder die Infrastruktur. (bes)
Ein Zusammenschluss könnte aber auch ein altes Problem lösen: die Frage nach der Zugehörigkeit der Kirchbürger aus den Dörfern Rämismühle und Zell. Diese gehören nämlich schon seit je der Pfarrei in Turbenthal an, besuchen dort die Gottesdienste und den Religionsunterricht. Ein Stimm- und Wahlrecht haben sie aber nicht, weil sie rechtlich Teil der Kirchgemeinde Zell sind.
Bemühungen, die Grenzen zu bereinigen, gab es immer wieder, Früchte getragen haben sie aber nie.
Verhandlungen beginnen
Der nächste Schritt ist nun ein Treffen zwischen den Kirchgemeinden von Turbenthal, Zell und Illnau-Effretikon. Bei den Verhandlungen mit Letzterer geht es um die Abspaltung der Katholiken aus Kyburg und Weisslingen, die aktuell noch zur Kirchgemeinde Zell gehören.
Auch diese scheint bestrebt, jetzt vorwärtszumachen. «Die Kirchgemeinde Zell wird nach dem erfreulichen Entscheid der Kirchgemeinde Turbenthal jetzt schnell erste Gespräche mit allen betroffenen Kirchgemeinden führen», schreibt Markus Wagner, der als Sachwalter vorübergehend die Geschäfte der Kirchgemeinde führt.
Er ist erst seit Anfang Jahr im Amt und ersetzt Franziska Driessen-Reding. Diese wurde neue Religionsdelegierte des Kantons.
Doch auch die Suche nach einer Kirchenpflege geht für Wagner weiter. «Wir werden einerseits die Verhandlungen für die künftigen Strukturen aufgleisen, andererseits aber weiter versuchen, für die Übergangszeit eine Kirchenpflege zu wählen, die die Interessen der Kirchgemeindemitglieder in diesen Verhandlungen sinnvoll vertreten kann.»
