Flachdach oder Solarpanel – das ist hier die Frage
Verdichtetes Bauen in Egg
Die Egger Bevölkerung wurde über neue Regelungen in der Bau- und Zonenordnung aufgeklärt. Auch die Windrad-Initiative kam kurz zum Zug.
Die Gemeinde Egg beschäftigt sich mit dem Bevölkerungswachstum und setzt mit ihrem neuen Nutzungsplan vermehrt auf verdichtetes Bauen und auf Siedlungsökologie. Das letzte Mal sei die Richtplanung 1993 überarbeitet worden, es sei nun an der Zeit für weitere Anpassungen, erklärte Bettina Baumgartner (FDP) bei der Einführung des Abends. Die Gemeinderätin ist zuständig für Bau und Planung in Egg.
Das Hauptthema der Informationsveranstaltung war die Überarbeitung der Nutzungsplanung von Egg. Dazu stellte die Gemeinde jedoch zwei Vorlagen vor. Man wollte sich die Hauptvorlage zur Bau- und Zonenordnung (BZO) nicht durch die Einzelinitiative über die Windräder «blockieren» lassen.
Das Thema von Wohnraum und Siedlungsplanung bewegt, auch wenn es sich hier erst um eine erste Informationsveranstaltung drehte. Der Hirschensaal war bis auf wenige freie Plätze gut besetzt.


Referent Peter von Känel führte durch den Abend. Der Chefraumplaner hat mit seinem Büro Suter von Känel Wild schon etliche Richtpläne und Vorschläge für die Region ausgearbeitet und veranschaulichte die wichtigsten Punkte.
Die Möglichkeit des verdichteten Bauens betrifft vor allem Besitzerinnen und Besitzer von Siedlungen. In Zukunft soll es in Egg einfacher sein, zum Beispiel einen Balkon auszubauen. So sollten auch leer stehende Arealflächen vermehrt verdichtet werden können: dies mit Sonderbauvorschriften.
Biodiversität auf dem Hausdach
Auch Flachdächer dürften in Zukunft etwas öfter gebaut werden, diese sollten bestenfalls jedoch eine Begrünung aufweisen. Aus dem Publikum kamen dazu zwei eher praktische Anmerkungen: Eine Zuhörerin fragte, ob man daran denke, bei Dächern auf Wohnsiedlungen auch Hochbeete zu bewilligen. «Das würde eine Dachbegrünung aus meiner Sicht auch für die Bewohner aufwerten, wenn sie es direkt nutzen dürfen», sagte sie. Dazu gebe es noch keine konkrete Abmachung, warf Baumgartner ein.
Auch ein zweites Votum betraf das Thema Flachdach: «Solarpanels sollten doch schräg stehen, da ist es doch einfacher, wenn man sie auf Schrägdächern anbringt.» Da müsse man sich entscheiden, meinte ein Zuhörer: «Biodiversität und Solarpanels – beides geht doch nicht.»
Von Känel sagte dazu, man könne beides machen. Dazu zeigte er ein Foto eines Flachdachs, wo abgeschrägt auch Solarpanels angebracht waren.
Mobilfunkantennen und Windräder
Ebenfalls Platz in der Nutzungsplanung fand die Umsetzung des Kaskadenmodells für Mobilfunkanlagen. Dieses soll Prioritäten angeben, wo eine Antenne aufgestellt werden darf und wo nicht.
Trotz Ankündigung war die im letzten Jahr eingereichte Windrad-Initiative an dem Abend nur ein Nebenschauplatz. Sie wurde von Gemeinderätin Baumgartner als «Anregung» verstanden. Die Initiative ist vom Gemeinderat am 25. September 2023 als gültig erklärt worden, obwohl die rechtlichen Grundlagen seitens des Kantons dazu noch nicht geklärt sind.

In Egg wurde die Initiative von den zwei SVP-Kantonsräten Tobias Infortuna und Ueli Pfister eingereicht. Sie fordern einen Mindestabstand von 1000 Metern zu zeitweise oder dauerhaft bewohnten Liegenschaften. «Würde die Initiative angenommen, könnte aufgrund der Voraussetzungen in der Nähe von Egg sowieso kein Windrad mehr platziert werden», sagte von Känel.
Die Initiative wird in Egg als separate Vorlage behandelt und würde erst bei Annahme in den Nutzungsplan implementiert werden.
Letztlich handelt es sich jedoch um eine Kompetenzfrage, ob die Initiative mit kantonalem Recht vereinbar ist. Ob das faktische Verbot von Windkraftanlagen rechtlich durchsetzbar ist, bleibt aus diesem Grund noch offen.
Die Baudirektion liess schon im letzten Herbst verlauten, dass sie jede BZO-Änderung mit Abstandsregeln ablehnt. Der Grund: Abstandsregeln zu Bauten seien ausserhalb der Bauzone nicht im Zürcher Planungs- und Baugesetz (PBG) vorgesehen.
Die Unterlagen zur Teilrevision des Nutzungsplans liegen ab 26. Januar für 60 Tage öffentlich auf. Die Egger Bevölkerung wird voraussichtlich an der Gemeindeversammlung im September über beide Vorlagen abstimmen.
