Vergessene Deponie beschäftigt drei Gossauer Kantonsräte
Wie weiter mit dem Wissenbüel?
1972 wurde in Gossau die Deponie Wissenbüel eröffnet. Inzwischen ist sie nicht mehr in Betrieb. Doch was passiert an dem Standort mit der Umwelt? Drei Kantonsräte haken nach.
Gossau und seine Deponie(n): Seit Jahren beschäftigt das Thema die lokale Bevölkerung und die Politik. Diese wollen unbedingt verhindern, dass der Kanton die geplante Kehrichtschlackendeponie im Tägernauer Holz festsetzen kann.
Elisabeth Pflugshaupt (SVP), Daniel Wäfler (SVP) und Jörg Kündig (FDP) reichten jetzt im Kantonsrat eine Anfrage zur «vergessenen Deponie Wissenbüel» ein.
Diese ist schon seit Jahrzehnten eine Deponie auf Gossauer Gemeindegebiet, deren Betrieb in den vergangenen Jahren sistiert wurde. «Offenbar war das Wissenbüel eine Schlackendeponie der ersten Stunde für die Kehrichtverbrennung und hatte so etwas wie Pioniercharakter», schreiben die drei Kantonsräte in ihrer Anfrage.
Mögliche Erwärmung der Erde bereitet Sorge
In den letzten 20 Jahren sei es jedoch ziemlich ruhig um die Deponie geworden. Es werde nur noch von den neu geplanten Deponien in der Nähe gesprochen. Die Geschichte, aber auch die Zukunft des im Moment wohl inaktiven Standorts Wissenbüel seien nur wenigen Interessierten bekannt.
Jetzt wollen Pflugshaupt, Wäfler und Kündig diese Geschichte aufrollen. Sie interessieren sich für die Auswirkungen der Deponie auf die Umwelt. Denn, so schreiben sie, es hätten sich in den letzten Jahren die Hinweise verstärkt, dass sich der Boden über der Deponie erwärme.
«Denn im Frühling, wenn normalerweise das Gras zu wachsen beginnt, steht es über der Deponie Wissenbüel bereits so hoch, dass es gemäht werden könnte.» Mit Blick auf neu geplante Deponiestandorte, welche später wieder aufgeforstet werden sollten, seien dies nicht unproblematische Entwicklungen. Offenbar entspreche es auch wissenschaftlichen Erkenntnissen, dass unter der Oberfläche lagernde Schlacke den Boden über Jahrzehnte erwärme.
Die Fragen der Gossauer Kantonsräte im genauen Wortlaut:
- Was für Materialien wurden in der Deponie Wissenbüel bisher abgelagert, und wie viel
Kapazität ist noch offen? - Wie regelmässig und nach welchen Kriterien wird die Deponie Wissenbüel auf ihre Umweltverträglichkeit geprüft?
- Wie gedenkt der Regierungsrat auch im Rahmen der Gesamtplanung der Tatsache
Rechnung zu tragen, dass Schlackendeponien den Boden über Jahrzehnte erwärmen
und somit das Wachstum der Pflanzen extrem beeinflussen? - Wie kann unter diesen Umständen eine Schlackendeponie in einem Wald geplant werden mit dem Ziel, diesen im Anschluss wieder aufzuforsten?
- Wie kann sichergestellt werden, dass auf diesem geheizten Boden neu gepflanzte einheimische Bäume nicht zu früh im Jahr zu wachsen beginnen und darum durch Kälteeinbrüche und Krankheiten extrem gefährdet wären?
