Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Spital Uster erhält aus Fehraltorf die volle Unterstützung

Die Spitalleitung zeigt sich nach der Zustimmung zur Aktienkapitalerhöhung erleichtert. Doch sie musste auch Kritik einstecken.

Der Weg zur Aktienkapitalerhöhung ist für das Spital Uster noch lang. Ein erster wichtiger Schritt wurde in Fehraltorf gemacht. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

Spital Uster erhält aus Fehraltorf die volle Unterstützung

Geplante Aktienkapitalerhöhung

Die Aktienkapitalerhöhung war in Fehraltorf umstritten. Doch letztlich fiel das Resultat klar aus. Ganz zur Freude des Spitals Uster.

Viel wurde in den vergangenen Wochen über das Spital Uster diskutiert, gar sein Weiterbestand infrage gestellt. Am Montagabend fiel zum ersten Mal ein Entscheid: Aus Fehraltorf erhält das Spital mehr Geld.

988’000 Franken bewilligte die Gemeindeversammlung in Fehraltorf. Es ist ein erster richtungsweisender Schritt auf dem Weg zu den maximal 40 Millionen Franken, die das Spital Uster für seine Existenzsicherung benötigt.

Die Ausgangslage in Fehraltorf war für das Spital im Vorfeld alles andere als gemütlich. Erst Anfang November hatte der Gemeinderat den vorgesehenen Beitrag aufgestockt. Statt der ursprünglich geplanten 500’000 Franken sollten es nun doch 988’000 Franken sein. Dieser Betrag entspricht der anteilsmässigen Beteiligung der Gemeinde am Spital. Der Meinungsumschwung kam nach einer ausserordentlichen Generalversammlung des Spitals mit allen Aktionärsgemeinden zustande.

Entsprechend unklar war, ob das Stimmvolk das Vorhaben der Fehraltorfer Exekutive mitträgt. Insbesondere auch deshalb, weil Verwaltungsratspräsidentin Sacha Geier erst kürzlich bestätigte, dass auch 30 Millionen Franken reichen würden, um dem Spital das Überleben zu sichern.

Längere Diskussion

Warum sollte sich Fehraltorf also trotzdem in vollem Umfang beteiligen? Die Gemeinde ist knapp bei Kasse. Ihr droht sowieso schon ein Schuldenberg. Bereits in diesem Jahr wurden die Steuern um 2 Prozentpunkte erhöht. Und so soll es voraussichtlich in Zweijahresschritten weitergehen.

Die geplante Aktienkapitalerhöhung sorgte an der Gemeindeversammlung denn auch für Unmut und eine längere Diskussion. «Wir sind Optimisten, wenn wir heute Abend eine Million mehr Schulden machen. Wir sollten aber Realisten sein», hiess es aus dem Plenum.

Und der pensionierte Hausarzt Christian Marti, der sich bereits im Vorfeld kritisch geäussert hatte, meinte: «Die Existenz des Spitals ist unabhängig davon gesichert, ob sich Fehraltorf beteiligt.» Mit einem Antrag wurde gefordert, die Beteiligung der Gemeinde wieder auf 500’000 Franken zu reduzieren.

Spital zeigt Präsenz

Kurzfristig schien die Stimmung im Heiget-Huus zu kippen. Den Verantwortlichen des Spitals drohte ein Worst-Case-Szenario. Sie waren sich der möglichen Bedeutung des Entscheids in Fehraltorf bewusst. Gleich mit einer Dreierdelegation waren sie anwesend, um allfällige Fragen zu beantworten.

Als sich die Gelegenheit bot, legten Sacha Geier und CEO ad interim Vital Schreiber gleich mehrere Minuten lang ihre Argumente für eine Aktienkapitalerhöhung dar. Sie zeigten sich dabei aber auch demütig – vor allem in Bezug auf die in der Vergangenheit begangenen Fehler.

Impressionen vom WFU-Inside-Anlass zur Zukunft des Spitals Uster am 14. November 2023.
Verwaltungsratspräsidentin Sacha Geier setzte sich auch in Fehraltorf für das Spital ein. (Archiv)

Wichtig war es den Spitalverantwortlichen, nochmals klarzumachen, dass eine geringere Beteiligung der einzelnen Gemeinden zwangsläufig auch den Beitrag der Stadt Uster reduzieren würde. Die grösste Aktionärin will nicht mehr als 50 Prozent der Anteile halten.

Allerdings habe die Stadt Dübendorf bereits signalisiert, dass sie sich in diesem Fall eine Erhöhung ihres Anteils auf bis zu 30 Prozent vorstellen könne, monierte Hausarzt Christian Marti. Sacha Geier bestätigte dies. Allerdings wisse niemand, ob Dübendorf das auch definitiv mache.

Mehrere Drohszenarien

Zuvor hatte bereits der für das Geschäft zuständige Gemeinderat Markus Bachofner (FDP) den 98 Anwesenden ins Gewissen geredet. «Die Erhöhung des Aktienkapitals ist überlebenswichtig für das Spital Uster», sagte er. «Je mehr Gemeinden mitmachen, desto besser.» Die zusätzlichen 10 Millionen Franken könne das Spital in die Erweiterung und die Modernisierung der Notfallstation investieren.

Speziell für Fehraltorf sei das Spital wichtig. Der Anteil der Patientinnen und Patienten aus der Gemeinde habe in den vergangenen vier Jahren im ambulanten Bereich stark zugenommen. «Die Nachfrage wird eher steigen, die Leute werden älter», so Bachofner. Eine Überlastung im Notfallbereich wäre ohne das Spital Uster zudem wahrscheinlich.

Bachofner zeichnete noch ein weiteres Drohszenario. Mit einem Konkurs des Spitals könnten die Kosten für die Gemeinde noch viel höher ausfallen. Dann würden Verbindlichkeiten in Höhe von ungefähr 100 Millionen Franken anfallen, prophezeite der Ressortverantwortliche Gesundheit und Sicherheit. «Daran müssten sich die einzelnen Gemeinden nach ihren Anteilen beteiligen.»

Deutliches Resultat

Die Kritiker des Spitals waren an diesem Abend zwar laut. Doch das Spital musste nicht nur einstecken. Man müsse den neuen Verantwortlichen eine Chance geben. «Es braucht Vertrauen», meinte ein Anwesender. «Gerade wenn derzeit viele Hausärzte fehlen, bin ich froh, wenn ich mich auf ein Spital verlassen kann», meinte ein anderer Votant. Zudem wurde mehrfach die Solidarität mit den anderen Aktionärsgemeinden beschworen.

Kurz nach 22 Uhr bat Gemeindepräsident Anton Muff (DGF) die Gemeindeversammlung dann zur Abstimmung über die Vorlage sowie über den Antrag. Und hier setzte sich die leise Mehrheit durch. Der Antrag auf eine Reduktion hatte keine Chance. Er erhielt nur 20 Stimmen. Mit 75 zu 12 Stimmen winkte die Gemeindeversammlung die Vorlage mit der Beteiligung über 988’000 Franken in der Schlussabstimmung letztlich klar durch.

Zuversicht für Abstimmungen

Sacha Geier zeigte sich im Anschluss erleichtert. «Wir danken Fehraltorf für das Vertrauen», sagte die Verwaltungsratspräsidentin des Spitals. «Es kamen berechtigte Fragen. Und die Investitionen in die Gesundheit – das höchste Gut – sind zentral.»

Für Verwaltungsratsmitglied Oliver Kopp war der Entscheid in zweierlei Hinsicht wichtig. «Er hat eine Signalwirkung für die anderen Gemeinden», sagte er. Und er zeigte sich erfreut, dass der volle Betrag gesprochen wurde.

Mit Blick auf die nächsten Abstimmungen im kommenden Jahr äusserte sich Geier noch zurückhaltend: «Jede Gemeinde ist eine Sache für sich.» Neben Gemeindeversammlungen stünden auch Urnenabstimmungen an. Allerdings gab es aus dem Dübendorfer Gemeinderat und einer Vorbehandlung der Vorlage in der Schwerzenbacher Gemeindeversammlung trotz Kritik bereits positive Signale. «Wir sind gespannt und positiv eingestellt», meinte Geier.

Die weiteren Entscheide der Gemeindeversammlung

Die vor der Aktienkapitalerhöhung angesetzten Traktanden sorgten nur für wenige Diskussionen. Die Anwesenden winkten das Budget 2024 mit einem Ertragsüberschuss von 644’000 Franken sowie den gleichbleibenden Steuerfuss von 109 Prozent klar durch. Dies, obwohl die Gemeinde düstere finanzielle Aussichten für die Zukunft prognostizierte. Die Änderung des privaten Gestaltungsplans Rütihof, der die Öffnung einer Zufahrt zum Gelände der Gerber Bio Greens AG ermöglichen sollte, sowie das neue Reglement zum kommunalen Mehrwertausgleichsfonds nahm die Gemeindeversammlung ohne Gegenstimme an. Eine Rückfrage gab es zum überarbeiteten Reglement des Elektrizitätswerks Fehraltorf. Doch auch dieses Geschäft erhielt eine deutliche Zustimmung. (lel)

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns