Gemeinderat Dübendorf spricht 900’000 Franken für Klimaschutz
Parlament gibt sich klimafreundlich
Die Stadt Dübendorf bekommt einen Massnahmenplan Klima. Die meisten freuts, doch die SVP ärgert sich und spricht von Einschränkungen und Umerziehung.
Muss eine Stadt wie Dübendorf ihren Beitrag zur Energiewende leisten? Ein klares Ja war die Antwort von Stadtrat Dominic Müller (Die Mitte) an der Gemeinderatssitzung vom Montag. «Mit dem Massnahmenplan Klima nehmen wir auf lokaler Ebene unsere Verantwortung wahr für die Umsetzung der klimapolitischen Ziele des Lands.»
Das Dokument definiere Grundsätze und enthalte Massnahmenblätter, die beschrieben, was in welcher Priorität konkret angegangen werden solle. Die budgetierten Konzeptkosten für das Massnahmenpaket für die Jahre 2024 bis 2026 betragen 911'000 Franken. Der Gemeinderat entschied am Montag über einen entsprechenden Kredit.
Weitere Forderungen
Initiiert wurde das Ganze vor vier Jahren durch ein Postulat von Julian Croci (Grüne). Der Gemeinderat zeigte sich am Montag erst einmal recht zufrieden mit der Arbeit des Stadtrats. Bei den Gebäudesanierungen und der Umrüstung des Fahrzeugparks auf Strombetrieb wünschte er sich allerdings mehr Enthusiasmus.
Ausserdem erwarte die Partei, dass die Schulküche künftig auf eine klimaverträgliche Menüwahl achte und dass die Kreislaufwirtschaft mehr Gewicht erhalte. Ebenso forderte er eine enge Zusammenarbeit mit der Fachperson Naturschutz.
Auch Thomas Maier (GEU/GLP) wünschte sich, dass der Naturschutz nicht «hintanstehen» müsse. Den Massnahmenplan bezeichnete er als «guten Wurf» – mit einer sauberen Analyse und ambitionierten Zielen.
Der grösste Teil der Summe, welche wir heute beschliessen sollen, geht an Umwelt- und Klimabüros.
Orlando Wyss
Gemeinderat (SVP)
Stefan Angliker (FDP) wies darauf hin, dass die Stadt Dübendorf aufgrund der übergeordneten Gesetzgebung ohnehin zum Handeln verpflichtet sei. Ein Nein zum Kredit wäre deshalb eine Missachtung des Volkswillens. Gleichzeitig bedeute ein Ja nicht automatisch Zustimmung zu einzelnen konkreten Umsetzungsmassnahmen.
Harmonie gestört
Bevor die Stimmung im Ratssaal zu harmonisch wurde, trat Orlando Wyss (SVP) ans Rednerpult. Er bezichtigte den Stadtrat, eine Volksabstimmung umgangen zu haben, indem er Kosten ausgelagert oder als gebunden erklärt habe. Und: «Der grösste Teil der Summe, welche wir heute beschliessen sollen, geht an Umwelt- und Klimabüros.»
Ich bin schockiert, dass im Jahr 2023 immer noch jemand den menschengemachten Beitrag zum Klimawandel anzweifelt.
Leandra Columberg
Gemeinderätin (SP)
Es gebe auch sinnvolle Massnahmen, doch diese könne man mit gesundem Menschenverstand auch ohne teure Studien umsetzen, so Wyss. Er kritisierte die geplanten «Einschränkungs- und Umerziehungsmassnahmen», stellte den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel infrage und sprach sich zuletzt gegen Denkverbote und für Kernenergie aus.
SVP gegen den Rest
Das war dann zu viel für Leandra Columberg. Die SP-Gemeinderätin zeigte sich schockiert darüber, dass im Jahr 2023 immer noch jemand den menschengemachten Beitrag zum Klimawandel anzweifle. «So etwas hat hier keinen Platz mehr.»
Die SVP gegen den Rest des Gemeinderats – das zeigte sich schliesslich auch in der Abstimmung, die mit 27 zu 9 Stimmen zugunsten des beantragten Kredits ausfiel.
