Wer schnappt sich den freien Sitz im Gemeinderat Zell?
Nach Rücktritt von SP-Gemeinderätin
In anderthalb Wochen wählt das Stimmvolk in Zell ein neues Mitglied in den Gemeinderat. Hier erklären die drei Kandidierenden, warum man sie wählen sollte – und was sie in der Exekutive bewirken wollen.
Am 19. November entscheiden die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Zell, wer als neues Mitglied in den Gemeinderat einzieht. Grund für die Ersatzwahl mitten in der Legislatur ist der vorzeitige Rücktritt von Patricia Heuberger (SP).
Die 43-Jährige hat im Mai ihren vorzeitigen Rücktritt aus der Gemeindeexekutive bekannt gegeben – aus beruflichen Gründen. Als Vorsteherin des Ressorts Planung und Bau hat Heuberger die jüngst abgeschlossene Revision der Bau- und Zonenordnung geprägt.



Für den Rest der Legislatur, die noch bis 2026 dauert, steigen drei Kandidierende ins Rennen: Corinne Pfister (parteilos, BGV) aus Zell, Emil Ott (parteilos, BGV) aus Unterlangenhard und Noël Kurzen (GLP) aus Rämismühle.
Wieso wollen Sie sich im Gemeinderat in Zell engagieren?
Corinne Pfister: «Ich bin sehr politikinteressiert und setze mich für das lokale Gewerbe, aber auch für die Lebensqualität der Einwohnerinnen und Einwohner ein. Das Amt reizt mich aber auch, weil ich damit wertvolle Erfahrungen sammeln kann. Ich möchte die Entscheidungen im Gemeinderat positiv mitprägen und aktiv an der Gestaltung der Gemeinde mitwirken.»
Emil Ott: «Als Leiter des Fachdiensts Tier- und Umweltschutz bei der Kapo Zürich pflege ich seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit mit den Behörden. So wurde mein Interesse für den Gemeinderat schon früh geweckt. Leider fand ich bisher keine Zeit für ein solches Amt. Im Januar lasse ich mich vorzeitig pensionieren und könnte mich dem Amt nun gebührend widmen. So habe ich mich auf eine Anfrage hin dazu entschieden, für den Gemeinderat zu kandidieren.»
Noël Kurzen: «Im Gemeinderat möchte ich mit anpacken und die Zukunft unserer Gemeinde aktiv mitgestalten. Ich bin bereit, anspruchsvolle Situationen lösungsorientiert, konstruktiv und verantwortungsbewusst anzugehen. Ich bin überzeugt, dass ich die Fähigkeiten für das Amt als Gemeinderat mitbringe, und setze mich gerne für die Familien, Gewerbler und Bürger unserer Gemeinde ein.»
Was verbindet Sie mit der Gemeinde?
Corinne Pfister: «Ich wohne seit 1999 in Zell und hatte schon mehrere Ämter inne. Ende der 1990er Jahre war ich Leiterin der Einwohnerkontrolle und der Zivilschutzstelle, Anfang der 2000er Jahre war ich als Kirchengutsverwalterin tätig. Seit 2020 bin ich Präsidentin des Gewerbevereins Zell. Ich bin selbst Unternehmerin und führe die Pfister Schreinerei und Küchenbau AG in Zell, zudem bin ich Mitglied des BGV.»
Emil Ott: «Ich bin Zeller Bürger und gehöre in Unterlangenhard zu den ‹Ureinwohnern›. Ich wurde in der Kirche Zell getauft, konfirmiert und habe da geheiratet. Damit bin ich hier naturgemäss stark verwurzelt und erachtete es als eine gewisse Pflicht, auch öffentlich Verantwortung zu übernehmen. So war ich in der damaligen Fürsorgebehörde der Gemeinde während fünf Jahren für das Asylwesen verantwortlich. Zudem bin ich Verwaltungsrat der Holzenergie Rikon AG und führe einen Kleinbauernbetrieb.»
Noël Kurzen: «Das Tösstal kennt mich als zielstrebige und dynamische Person, die sich vielseitig für die Gemeinschaft einsetzt. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und im Tösstal verwurzelt. Als Inhaber einer Taekwondo-Schule mit drei Standorten bin ich Unternehmer. Zudem habe ich Ausbildungen als Polymechaniker und strategischer Einkäufer absolviert.»
Worauf wollen Sie sich politisch fokussieren?
Corinne Pfister: «Mein Fokus liegt auf der Stärkung des lokalen Gewerbes und der Schaffung von Arbeitsplätzen. Ausserdem möchte ich den Bedürfnissen der Einwohner im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten Rechnung tragen.»
Emil Ott: «Es ist mir wichtig, dass unsere hohe Lebensqualität und die Natur nicht kurzsichtig dem wirtschaftlichen Aufschwung geopfert werden. Auch bin ich der Meinung, dass es mit der zurzeit massiven Zuwanderung in die Schweiz so nicht weitergehen kann. Es ist offensichtlich, dass die Gemeinde Zell mit der massiv steigenden Einwohnerzahl vermehrt übergebührlich gefordert wird.»
Noël Kurzen: «Als Unternehmer verstehe ich die Wirtschaftssysteme und stehe für ein starkes Tösstaler Gewerbe ein. Dafür sind unter anderem eine zeitgemässe sowie eine praktische Infrastruktur nötig, für die ich mich einsetze. Ein robust verankertes Gewerbe mit wirtschaftlich guten Aussichten ist Voraussetzung für Erfolg und soziale Stabilität in unserer Gemeinde.»
Mit dem Rücktritt von Patricia Heuberger wird das Ressort Planung und Bau frei. Trotzdem könnten sie neu verteilt werden. Welches wäre Ihr bevorzugtes Ressort, und warum?
Corinne Pfister: «Zurzeit fokussiere ich mich auf das Ressort Bau, welches frei wird. Falls es eine Neuverteilung der Ressorts gibt, bin ich offen für die anderen Bereiche. Als Neumitglied liegt es nicht in meiner Kompetenz, ein Ressort auszuwählen.»
Emil Ott: «Ich bin offen für alle Ressorts. Mit meinem breiten Fachwissen in den Bereichen der Umwelt- und Gewässerschutz- sowie der Bau-, Wald- und Tierschutzgesetzgebung könnte ich der Gemeinde in diesen Bereichen aber sicher den grössten Nutzen bieten.»
Noël Kurzen: «Durch meine drei gelernten Berufe bin ich sehr breit aufgestellt. Deshalb bin ich für alle Ressorts offen. Am liebsten würde ich jedoch das Ressort von Frau Heuberger übernehmen.»
Am Dienstag, 7. November, organisiert das Wahlforum Zell eine Vorstellungs- und Fragerunde der Kandidierenden. Die Veranstaltung findet um 20.15 Uhr im Engelburgsaal in Rikon statt.
