Geplanter Veloweg zwischen Hinwil und Ettenhausen sorgt für Unmut
Parteien wehren sich
Warum einige Parteien in Hinwil und Wetzikon den geplanten Veloweg zwischen Ettenhausen und Hinwil aus dem regionalen Richtplan streichen wollen.
Wer von Hinwil mit dem Fahrrad nach Kempten fährt, muss momentan einen Umweg in Kauf nehmen – oder direkt auf der Kantonsstrasse fahren. Denn der Radweg endet schon bei der Erlosen-Kreuzung in Hinwil.
Die Strecke auf der Kantonsstrasse ist für Velofahrerinnen und Velofahrer gefährlich, da LKWs und Autos mit 80 Kilometern pro Stunde auf einer relativ engen Fahrbahn an ihnen vorbeibrausen.
Kurz: Auf der ausgewiesenen Strecke im kantonalen Velonetzplan zwischen Hinwil und Ettenhausen klafft eine Lücke. Das sollte nicht sein, denn der Abschnitt gilt als Hauptverbindung zwischen den beiden Orten. Das möchte der Kanton nun ändern und die Verbindung dieser Achse herstellen. So steht es im regionalen Richtplan.





Nun wehren sich die EVP, die Mitte und die GLP in Wetzikon gegen diesen Eintrag. Sie fordern den Stadtrat auf, diesen geplanten Veloweg wieder aus dem regionalen Richtplan zu streichen. Mit derselben Forderung richtet sich auch die EVP Hinwil an ihren Gemeinderat. Ein zweiter Radweg sei unnötig: Es gebe Alternativen.
Eine Ausweichroute wäre vorhanden
Die Lücke sei keine Lücke, denn es gibt schon eine bestehende Radwegverbindung über die Holzweid- und die Bächelackerstrasse. Diese läge nur 250 Meter von der geplanten Strecke entfernt .
Die EVP Wetzikon und die EVP Hinwil schreiben in einer gemeinsamen Medienmitteilung zum Fall, die Linienführung über die Bächelackerstrasse sei sogar kürzer: Die Strecke sei genau richtig platziert für Velofahrende, ohne dass eine Hauptstrasse gequert werden müsse. In Hinwil müssten nämlich Radfahrende an der Kreuzung Winterthurer-/Kemptnerstrasse per Lichtsignal die Strasse kreuzen, das beanspruche Wartezeit.

Die ruhige und verkehrsarme Strecke werde von den Velofahrenden bereits rege genutzt und sei in der Region etabliert.
Nur ist diese Umfahrung nicht so direkt, wie es der Kanton festgelegt hat. Im Velonetzplan des Kantons Zürich steht: «Fahrradverbindungen müssen möglichst direkt, sicher, durchgängig und attraktiv sein, damit sie für den Alltagsverkehr genutzt werden.» Der Umweg dauert laut Google Maps allerdings nur 2 Minuten länger.
Beim Kanton nachgefragt, erhält man als Antwort: Die Kürze des Wegs sei sowieso nicht das Hauptargument. Es gehe vor allem darum, die Sicherheit der Velofahrenden zu erhöhen.
Eine Pendlerin sagt, auch für sie sei die Zeit nicht der entscheidende Faktor. «Für einen Ausflug mag die alternative Strecke am Waldrand schöner sein, aber wenn man mit dem Velo möglichst schnell von A nach B will, ist eine Schnellroute entlang der Hauptstrasse besser.» Im Bereich Bächelacker komme es immer wieder zu Nutzungskonflikten. Dort seien nicht nur Velofahrerinnen unterwegs, sondern auch Spaziergänger und landwirtschaftliche Fahrzeuge.
Lokale Verbindung sei kompliziert
Die SP und die Grünen Wetzikon begrüssen jedoch den geplanten Radweg, die Route sei insbesondere für Pendlerinnen und Pendler geeignet, da es die direkte und unterbruchsfreie Fahrt über längere Distanzen ermögliche.
Die bereits bestehende lokale Verbindung über die Holzweidstrasse ende in Hinwil in einem Quartier, sei kompliziert und nicht intuitiv auffindbar. Die Signalisation sei hier zwingend zu überprüfen und zu verbessern. Mit der geplanten neuen Routenführung entlang der Kantonsstrasse sei zudem der Unterhalt gewährleistet.
Da es sich um eine kantonale Veloverbindung handelt, übernehme der Kanton auch die Kosten für den Bau. Damit werde eine bestehende Schwachstelle im Velonetz behoben und die Attraktivität des Velos im Oberland gestärkt, was ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz bedeute, so die SP und die grüne Partei.
Die SVP Wetzikon hingegen ist der gleichen Meinung wie die EVP, die Mitte und die GLP: Hier werde für viel Geld ein Problem gelöst, das es gar nicht gebe. Man brauche nicht für viel Geld eine neue Veloautobahn, nur weil der Kanton den Auftrag habe, Velowege zu bauen. «Das ist für uns nicht nachvollziehbar und ein Schildbürgerstreich», sagt Rolf Müri, Wetziker Gemeinderat und Parteipräsident der Wetziker SVP.
Die FDP findet, es sei prüfenswert, ob man die finanziellen Mittel an einem anderen Ort zweckmässiger einsetzen könnte.
Man sollte dem Land Sorge tragen und nicht doppelspurig bauen, wenn es nicht nötig ist.
Heidi Steffen
Präsidentin der Ortspartei EVP Hinwil
Die Kosten führen auch die Mitte-Parteien ins Feld: 13 Millionen Schweizer Franken seien zu viel für einen neuen Radweg. Jedoch muss hier hervorgehoben werden, dass sich diese Summe auf die Gesamtsanierung der Kantonsstrasse bezieht, sowie die Erstellung der neuen Lichtsignalanlagen, die zur Verkehrsentlastung von Erlosen beitragen sollen.
Es ist dabei vorgesehen, die Kantonsstrasse bei Ettenhausen im Bereich vom Wald beim Bächelacker um mehrere Meter zu verschieben, damit der Radweg entlang der Strasse geführt werden kann. Auf der Strecke würden zwei Riedwiesen von kommunaler Bedeutung beschnitten, schreiben die EVP-Ortsparteien in ihrer Medienmitteilung.
Damit werde unnötig mehr Landschaft versiegelt, sind sich die Mitte-Parteien einig. Für den Bau des Radwegs müssten 10‘000 Quadratmeter Landfläche asphaltiert werden. Diese Fläche entspricht rund anderthalb Fussballfeldern.
«Man sollte dem Land Sorge tragen und nicht doppelspurig bauen, wenn es nicht nötig ist», sagt Heidi Steffen, die Präsidentin der EVP Hinwil.
Nun muss abgewägt werden
Dazu schreibt die Medienstelle des kantonalen Bauamts: Jeder neue abgesetzte Radweg benötige meist Landwirtschaftsfläche. Damit handle es sich immer um eine Interessensabwägung zwischen dem Erhalten der Natur und dem Schutz der Verkehrsteilnehmenden. Diese Interessensabwägung habe nicht die Verwaltung, sondern die Politik vorzunehmen.
Schon 2016 legte der Regierungsrat mit der Umsetzung des Velonetzplans fest, dass die Aufnahme einer Strecke in den regionalen Richtplan Behördenverbindlichkeit erlangt. Die Frage stellt sich nun, ob EVP, Die Mitte und GLP auf regionaler Ebene überhaupt noch etwas ausrichten können. Und auch: Ob und wie das kantonale Regelwerk angepasst werden kann.
Dazu schreibt Thomas Maag, stellvertretender Leiter der Baudirektion: Sowohl der Richtplan als auch der Velonetzplan seien politisch – durch Regierungsrat und Kantonsrat – beschlossen und deshalb für die Verwaltung verbindlich.
Zehn Einsprachen zum Projekt
«Auf kommunaler Ebene kann nicht über das Projekt entschieden werden, sondern nur auf juristischer – oder auf kantonaler politischer Ebene», sagt Maag.
Jedoch wird der Radweg zwischen Hinwil und Ettenhausen als Bauprojekt im Sommer 2024 nochmals öffentlich aufgelegt, da bereits zehn Rekurse eingegangen sind.
Bei dieser Auflage können jedoch nur noch direktbetroffene Personen und Gemeinden oder berechtigte Verbände Einsprache erheben. Danach muss der Kredit für das Projekt noch vom Regierungs- und Kantonsrat abgesegnet werden.