Roger Cadonau verlässt das Wetziker Parlament – wegen zu hoher Belastung
Nachgefragt bei Neo-Kantonsrat
Nach Tina Deplazes rückt mit Roger Cadonau (EDU) ein weiterer Wetziker im Kantonsrat nach. Der Bauleiter macht jedoch etwas anders als die Mitte-Politikerin.
Roger Cadonau, Sie werden Ihren Parteikollegen Erich Vontobel (EDU) im Zürcher Kantonsrat beerben, da dieser in den Nationalrat gewählt wurde. Wann haben Sie von Ihrem «Glück» erfahren?
Roger Cadonau: Den definitiven Entscheid habe ich am Sonntagabend an der Wahlfeier der EDU bekommen. Allerdings war das für mich nicht ganz so überraschend.
Warum nicht?
Die Partei und ich haben auf diesen Wahlausgang gehofft. So war es für mich kein Neuland, weil bereits bei der Kandidatur von Erich Vontobel für den Nationalrat darüber diskutiert wurde, was passiert, wenn er gewählt wird. Als im Vorfeld der Wahlen deutlich wurde, dass gute Chancen für eine Wahl Erich Vontobels bestehen, habe ich mit ihm Gespräche geführt zur Vorbereitung und auch meine Zusage gegeben.
Was war der Inhalt dieser Gespräche?
Wir haben vor allem über organisatorische Belange gesprochen. Mir ging es darum, zu erfahren, was das genau heisst, wenn man Kantonsrat ist. Was bedeutet das zeitlich? Wie sieht ein Tagesablauf aus? Welche Nebenverpflichtungen gibt es? Wo sind Präsenzen erfordert? Dies, damit ich einschätzen konnte, was die Belastungssituation bedeutet.
Diese ist so gross, dass Sie in Wetzikon von Ihrem Amt als Gemeinderat und Präsident der Rechnungsprüfungskommission (RPK) zurücktreten.
Ja, die Dreifachbelastung mit zwei politischen Ämtern und noch meinem Beruf als Bauleiter Brücken- und Strassenbau ist für mich zu viel. Ein Sitz im Kantonsparlament bedeutet ein hohes Pensum. Deshalb habe ich mir erst Anfang der Woche, nach der definitiven Wahl Vontobels, Gedanken gemacht, wann der richtige Zeitpunkt für einen Rücktritt von meinen Wetziker Ämtern gekommen ist.
Dieser Zeitpunkt ist Ende Dezember. Warum genau dann?
Als RPK-Präsident habe ich noch bestimmte Verpflichtungen. Ende Dezember ist die ganze Budgetierung abgeschlossen. Wenn diese Phase fertig ist, ist ein sauberer Übergang möglich.
Ihre Wetziker Parlamentskollegin Tina Deplazes (Die Mitte) rückt ebenfalls in den Kantonsrat nach und wird voraussichtlich ihr Arbeitspensum reduzieren, statt ihr Amt als Gemeinderätin abzugeben. War das für Sie keine Option?
Nein, eine berufliche Reduktion habe ich nie angedacht. Dafür liebe ich meinen Job zu sehr. Dort bin ich stark eingebunden, muss auf Baustellen Präsenz markieren. Letztlich haben wir auch ein Milizsystem, das die Ausübung eines politischen Amts und Jobs gleichzeitig erlaubt. Mir war immer klar, dass, wenn es mal so weit kommt, ich kein Doppelmandat ausführen, sondern ein Amt abgeben werde.
Heisst «immer klar», dass Sie sich diese Gedanken schon frühzeitig gemacht haben?
Ja, absolut. Ich war bei den Kantonsratswahlen letztes Jahr auf Platz 2 unserer Liste platziert und bei den Wahlen davor, 2019, ebenfalls. Und wenn man so weit oben platziert ist, muss man damit rechnen, dass es in der Legislatur, beispielsweise aufgrund von Rücktritten, dazu kommen könnte, dass man ins Kantonsparlament nachrutscht.
War es Ihr Ziel, Kantonsrat zu werden?
Nein, ganz und gar nicht. Ich bin nicht mit Ambitionen in die Politik eingestiegen. Mir ging es immer nur darum, dort zu sein, wo ich gebraucht werde. Ich habe mir kein Mandat gesucht. Trotzdem freue ich mich jetzt auf den neuen Abschnitt, der auf mich zukommt.
Welche Ziele verfolgen Sie im Kantonsparlament, und wie können Sie sich schon vorbereiten?
Dafür ist es noch zu früh. Allerdings habe ich sicher einen gewissen Vorteil mit neuneinhalb Jahren Parlamentserfahrung in Wetzikon. Auch wenn der Kantonsrat sicher eine Schuhnummer grösser ist. Ich bin gespannt, was meine Rolle im Kantonsparlament sein wird. Und spannend wird es sicher auch für meine Tochter werden, die meine Nachfolge im Wetziker Parlament antritt.
