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Die Egger verlieren das Vertrauen in die Raumplanung

Wo der Hund in der Schulraum-Debatte begraben liegt, ist schwer zu sagen. Fest steht: Die Egger wollen keine Grossprojekte mehr. Vorläufig.

Gemeinderat Christoph Domeisen rollt auf, was schon alles (schief-)gelaufen ist in der Schulraumplanung.

Foto: Eleanor Rutman

Die Egger verlieren das Vertrauen in die Raumplanung

Projektstopp Bützi-Schulhaus

An der Info-Veranstaltung zum Stopp des Bützi-Schulhauses war die Enttäuschung spürbar. Viele fragten sich, warum das Projekt erst jetzt beendet wurde. Da scheint einiges schiefgelaufen zu sein.

Es ist die Geschichte einer Gemeinde und ihrer verzweifelten Suche nach Lösungen in der Planung von mehr Schulraum. Ein langer Prozess, der ein Scheitern an der Urne involvierte – und eine daraus gegründete Begleitgruppe, deren Voten man doch nicht oder erst jetzt hören wollte.

Es ist auch die Geschichte eines schicken Prestigebaus und des Zurückkrebsens hin zu kleinen Etappen und provisorischen Klassenzimmern, die nun doch länger genutzt werden können.

Die geplante Schule war das ambitionierte Bauprojekt «Schulhaus Bützi», das zwischen 23 und 25 Millionen Franken gekostet hätte. Es sei zu teuer für eine Gemeinde wie Egg, fand der Gemeinderat Anfang September. Er zog die Notbremse.

Nun stellte sich der Gemeinderat mit seinem Entscheid der enttäuschten Egger Bevölkerung – an einer Info-Veranstaltung im vollen Hirschensaal. Gemeindepräsident Tobias Bolliger (FDP) eröffnete mit den Worten: «Schön, sind Sie da, um mit uns den Diskurs zu führen.»

«Alle eingereichten Projekte waren eine Hausnummer grösser, als wir es uns hätten leisten können.

Christoph Domeisen

Gemeinderat (GLP)

Erst im Juni wurde das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs zum Bützi-Areal bekannt gegeben. Gewonnen hatte das Projekt «Pozza».

Gemeinderat Christoph Domeisen (GLP) sagte, man habe die Detailrechnung des geplanten Bauprojekts erst nach der Siegerkürung gemacht. Da habe man sich nochmals gefragt, ob es wirklich das sei, was Egg wolle und brauche. «Alle eingereichten Projekte waren eine Hausnummer grösser, als wir es uns hätten leisten können.»

Warum man nicht da schon dem Projekt den Stecker gezogen und trotzdem noch drei Monate zugewartet hat, darauf ging der Gemeinderat auch später an der Versammlung nur indirekt ein.

Jedenfalls stehe Egg vor einer neuen Realität: In Esslingen habe man ausbauen und den Schulraum um einige Klassenzimmer erweitern können. Auch das Provisorium im Bützi-Areal, das man vor drei Jahren erstellt habe, könne man nun länger nutzen. Das Provisorium setzt sich aus 40 Modulen zusammen und umfasst sieben Klassenräume sowie sieben Gruppenräume.

Das alles ergebe mehr Handlungsspielraum. Schulpräsident Urs Rehhorn (parteilos) ergänzte, man erwarte inzwischen doch nicht mehr so viele Schulkinder, wie es noch 2018 prognostiziert worden sei.

Kleinere Schritte und weniger hohe Ausgaben

Das Konzept sehe nun so aus, dass man eine Bedarfsanalyse mache, dieses Mal ohne externe Partnerschaften. Es werde eine Arbeitsgruppe geben auf Gemeinde- und auf Schulebene. Man will entflechten und konkretisieren und dabei agil bleiben. «Wir wollen uns keine Steine in den Weg legen», sagte Rehhorn. Wie das gehen soll, wird die Zukunft zeigen.

Der Gemeinderat will jetzt in kleineren Schritten vorwärtsgehen und im Jahr zwei bis drei Millionen Franken ausgeben. Weitere Klassenzimmer seien momentan kein Thema. Prioritär behandelt werden dabei die Turnhallen Bützi und Zentrum (Bachtel) plus der Ausbau der Tagesstruktur, sodass Schulkinder auch über Mittag und in den Randstunden in den Schulen bleiben können. 2024 soll eine erste Übersicht bekannt gegeben werden.

Es gibt Unfälle, weil die Sportlerinnen und Sportler über die Bodenwellen stolpern.

Christoph Menzi

Turnverein Egg

In der anschliessenden Fragerunde wollten die meisten Anwesenden vor allem wissen: «Warum erst jetzt?» Auch die dringlichen Anforderungen an alternde Gebäude sorgten für Diskussionen. Die Bachtel-Turnhalle im Zentrum sei ein Armutszeugnis für die Gemeinde Egg, diese müsse dringend saniert werden.

«Ich schäme mich für diese Turnhalle. Es gibt Unfälle, weil die Sportlerinnen und Sportler über die Bodenwellen stolpern», sagte Christoph Menzi vom Turnverein Egg. Gemeindepräsident Bolliger konterte, in die Bachtel-Turnhalle habe man nicht mehr investiert, weil man ja eben Neues habe planen wollen.

Katharina Kunz (Frauen für Egg) sagte, sie habe ein schales Gefühl. 2018 sei die Schulraumplanung abgeblitzt, und nun stehe man schon wieder vor einem Scherbenhaufen. Damals habe die Egger Bevölkerung zum Glück Nein gesagt zu drei Mammutprojekten und zu dezentralisierten Kindergärten.

Katharina Kunz in Egg
Katharina Kunz setzte sich schon in der Vergangenheit für Transparenz in der Schulraumplanung ein.

«Damals wollte man mit grosser Kelle anrichten.» Es tue ihr leid für die Schule, wo die Tagesstruktur an ihre Grenzen komme. «Bitte geht jetzt nicht schon wieder auf Feld eins.» Kunz hatte sich damals schon für Transparenz in der Kommunikation des Gemeinderats bei der Planung eingesetzt.

Es sei müssig, jetzt nochmals die ganze Geschichte aufzurollen. Man müsse jetzt genau schauen, wo welcher Bedarf bestehe, versuchte der Gemeindepräsident zu beschwichtigen. «Es gibt im Zentrum zu tun, aber auch in Hinteregg.»

Auch die ursprünglich geplanten 17 Millionen hätte sich Egg nicht leisten können.

Barbara Collet

Präsidentin SP Egg

Wo welcher Bedarf bestehe, das wisse man doch schon lange, sagte Barbara Collet (SP). Sie finde es erschreckend, mit welcher Gelassenheit der Gemeinderat seine Lösungen präsentiere. Sie frage sich auch, ob sie ihre in der Begleitgruppe investierte Zeit nicht besser im Kino verbracht hätte. «Die Finanzlage von Egg ist kein Geheimnis, auch die ursprünglich geplanten 17 Millionen hätte sich Egg nicht leisten können.»

Wie viel Geld konkret denn nun schon verprasst worden sei mit der Planung und Ausschreibung des Bützi-Wettbewerbs, war eine weitere Frage aus dem Plenum. Die Gemeinde habe 490’000 Franken veranschlagt. «400’000 Franken haben wir davon für die Planung schon ausgegeben», sagte Gemeindepräsident Bolliger.

Man kann doch alle Standorte ausbauen und aufwerten.

Ursula Huber

Turnverein Egg

Ursula Huber vom Turnverein Egg brachte es auf den Punkt: Es sei schon lange klar gewesen, dass die Eggerinnen und Egger in diejenigen Standorte investieren wollten, die sie hätten. Dass man keine Zentralisierung der Schulen wolle und auch keinen Neubau dafür brauche. «Man kann doch alle Standorte ausbauen und aufwerten.» Sie finde es schade, dass man das erst jetzt merke und niemand direkt sage: «Sorry, wir haben einen Seich gemacht.»

Auf interne Lösungen setzen

Es hörte sich so an, als habe der Gemeinderat nun genau das vor. Man will in Zukunft «kleinere Brötchen backen» und in mehreren Etappen Geld investieren. Vor den Sommerferien 2024 werde die Gemeinde Egg ihre Bedarfsanalyse gemacht haben und die weiteren Schritte vorstellen. «Das heisst nicht, dass wir jetzt nur kleine Pinselstriche an Sanierungen vornehmen werden», sagte Bolliger abschliessend.

Die Anwesenden lieferten zum Schluss einen weiteren Input: Ob man in Zukunft nicht besser interne Lösungen direkt in Egg suchen wolle, statt externe Beratungsfirmen anzustellen, die viel Geld kosteten. Bei der Schürwies-Turnhalle sei es doch auch gegangen, dass man eine Turnhalle von Egger Gewerblern und ansässigen Sportvereinen habe planen und bauen lassen.

Offen bleibt vorerst die Frage, warum es noch einmal eine Bedarfsanalyse braucht.

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