Ehemalige Sägerei soll zum historischen Wohnraum werden
Sagi-Areal in Greifensee
Für eine wichtige Baulandreserve in Greifensee liegt nun ein privater Gestaltungsplan auf. Die Gemeinde durfte mitbestimmen – und profitiert vom Bau.
Das Sägewerk der Familie Unholz ist seit knapp zwei Jahren nicht mehr in Betrieb. Das Areal Zur Säge ist die wichtigste Baulandreserve der Gemeinde Greifensee und umfasst 4,4 Hektaren.
Auf dem Land stehen zurzeit der ehemalige Sägereibetrieb mit Lager-, Gewerbe- und Wohngebäude, zudem zieren alte Bäume und Ackerland den Ort. Nun will die Eigentümerfamilie Unholz darauf Wohnungen bauen. Das Areal darf baulich verdichtet werden, unterliegt jedoch einer Gestaltungsplanpflicht.
Die Eigentümerschaft muss vor Einreichung eines Baugesuchs nun zuerst den Plan vorlegen, damit die Bebauung möglichst auf den Ort abgestimmt werden kann. Zum Beispiel sollen die Bestandesbauten integriert werden: Die Sagi-Halle soll zur historisch gewachsenen Identität des Quartiers beitragen und somit beibehalten werden. Seit 2016 läuft diese Planung.





Die Eigentümer wollen das Areal in voneinander unabhängigen Etappen entwickeln. «Wir stellen an uns die Anforderung, zeitgemässen Wohnraum zu erstellen», sagt Rolf Unholz von der Eigentümerfamilie. «Was wir auf gar keinen Fall wollen, ist, dass die Häuser riesige Betonklötze werden, wie man sie sonst des Öfteren antrifft.» Der Fokus wird dabei auf Wohnfläche liegen mit Eigentums- und Mietwohnungen.
Jedoch sollen auch andere Nutzungsformen möglich sein, wie Kindergarten, Spitex, Kita und Hort. Zudem sollen aufenthaltsfreundliche Aussenräume für die Erholung geschaffen werden, wobei der Gestaltungsplan auch Biodiversität und eine hohe Durchlässigkeit für Velo- und Fussgängerverkehr vorsieht.
In der Planung die bauliche Dichte reduziert
Der Gestaltungsplan ist schon seit 2016 in Arbeit. Drei Jahre später wurde eine Studie in Auftrag gegeben. Die Gemeinde Greifensee war involviert und konnte die öffentlichen Interessen frühzeitig mit einbringen.
Das Beurteilungsgremium empfahl damals, das Projekt von Rolf Mühlethaler und Andreas Geser Landschaftsarchitekten als Richtprojekt für die Arealentwicklung und den Gestaltungsplan des Sagi-Areals weiter bearbeiten zu lassen.


Die Jury mochte das Konzept der Architekten: «Weiterbauen und verwenden, was gut und brauchbar ist, und nichts zerstören, wenn es nicht nötig ist.» Mit historischen Gebäuden und mit Neubauten erreiche man eine ortsspezifische Struktur mit einem hohen Identitätspotenzial, konnte man im Bericht der Jury nachlesen.
In mehreren Werkstattgesprächen wurde das Projekt seitdem überarbeitet. Dies führte auch zur Reduktion der baulichen Dichte um rund 20 Prozent: Zwei Gebäude strich man in der Planung weg. Der Fokus lag dabei vor allem auf der ortsbaulichen Integration der Quartierstruktur.
Mehrwert für die Gemeinde
Die Gemeinde Greifensee kann von dem Bauprojekt profitieren: Nach Artikel 52 der Bau- und Zonenordnung darf sie eine kommunale Mehrwertabgabe von 40 Prozent von den Eigentümern erheben. Dieser Mehrwert resultiert aus der Aufzonung des Areals.
Nach rechtsgültigem Zonenplan liegt das Areal jeweils zu Teilen in vier- und in dreigeschossigen Wohnzonen. Zudem sind kleinere Teilflächen der Quartiererhaltungszone zugewiesen. Im Bericht zum privaten Gestaltungsplan kann man nun nachlesen, dass innerhalb der Baubereiche mit einer maximalen Höhe von 25 Metern geplant wird – und keine Einschränkung der Gebäudelänge zu beachten ist.
In mehreren Etappen bauen
Auf der Basis des Gestaltungsplans kann das Areal langfristig mit sechs in sich geschlossenen Teiletappen überbaut werden, wobei die bestehenden Wohnungen sowie Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe so weit als möglich erhalten werden. Der maximale Wohnanteil beträgt 90 Prozent und ist mit mindestens 10 Prozent Raum für Gewerbe und Dienstleistung ergänzt.
Ein städtebaulicher Vertrag der Gemeinde mit den Eigentümern legt die zu erbringenden Leistungen und Abgaben im Detail fest. Der private Gestaltungsplan wie auch der städtebauliche Vertrag liegen bis zum 13. November zur Einsicht auf.
Parallel zur öffentlichen Auflage wird der private Gestaltungsplan dem Kanton zur Vorprüfung eingereicht. Anschliessend verabschiedet der Gemeinderat den privaten Gestaltungsplan Sagi-Areal zur Festsetzung durch die Gemeindeversammlung.
Infos für die Einwohnerinnen und Einwohner von Greifensee
Am Mittwoch, 27. September, um 18.30 Uhr laden die Eigentümer die Greifenseer und Greifenseerinnen zu einer Info-Veranstaltung auf dem Sagi-Areal ein. Es werden auch Vertreterinnen und Vertreter aus der Gemeinde anwesend sein und die Sicht des Gemeinderats auf das Projekt beleuchten. Der private Gestaltungsplan wie auch der städtebauliche Vertrag liegen bis zum 13. November zur Einsicht auf. Innert dieser Frist kann sich jede Person zu den Unterlagen äussern.
