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Was läuft jetzt im Wetziker Fernwärmeprojekt?

Zu den nächsten Schritten im Projekt, für wen sich Fernwärme lohnt und welche Kosten entstehen.

Das Projekt «Fernwärme Wetzikon» ist in vollem Gange. Wenn alles nach Plan läuft, startet der Bau der Transportleitungen ab Kezo Ende 2024. (Archiv)

Foto: Seraina Boner

Was läuft jetzt im Wetziker Fernwärmeprojekt?

Gespräch mit Heinrich Vettiger

Wetzikon sagte zweimal Ja zum Fernwärmenetz, das in Zukunft mit Energie aus Kezo und Ara gespiesen wird. Was die nächsten Schritte sind, erfahren wir vom Wetziker Stadtrat Heinrich Vettiger.

Wetzikon sagte nun schon zweimal Ja zum Fernwärmenetz. Zuletzt am 3. September – dabei ging es um die Frage, ob die Energieversorgung über die Fernwärme Wetzikon AG ausgegliedert werden soll.

Doch was passiert jetzt? Was sind die nächsten Schritte im Projekt? Womit haben Bewohner der Region zu rechnen? Und für wen lohnt sich die Umstellung auf Fernwärme? 2025 sollen die ersten Haushalte Energie aus der Abwasserreinigungsanlage (Ara) Flos und der Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (Kezo) beziehen können. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Im Gespräch mit Heinrich Vettiger (SVP), dem Wetziker Stadtrat für Tiefbau, Umwelt und Energie, klären wir wichtige Fragen.

Zweimal Ja – was kommt jetzt?

Nach der Annahme des Ausgliederungserlasses an der Urne folgt nun eine gesetzliche Rekursfrist. Anschliessend muss der Regierungsrat den Erlass genehmigen. Danach wird der Bezirksrat die aufsichtsrechtlichen Massnahmen aufheben.

«Hiernach steht der Gründung der Fernwärme Wetzikon AG, die hoffentlich im November geschieht, und der Umsetzung der Fernwärmeversorgung nichts mehr im Weg», sagt Heinrich Vettiger.

Heinrich Vettiger: «Wärmelieferverträge oder Verträge für Übergangslösungen für alte Heizungen werden in Kürze abgeschlossen werden können.»

Zeitgleich laufen bereits Umsetzungsplanungen, so unter anderem die Vertragsverhandlungen mit der Kezo. «Die Grundsätze sind verhandelt, zu regeln bleiben noch einige Details», erklärt der zuständige Stadtrat. Auch die Finanzierungstranchen des Rahmenkredits stehen fest und sind im Budgetantrag an das Parlament enthalten.

Die Grobplanung der Transportleitungen zwischen der Kezo und der Hauptenergiezentrale in Wetzikon ist schon in vollem Gange. Eine bewilligungsfähige Linienführung sollte bis Ende Jahr vorliegen. «Der effektive Bau der Transportleitungen ab Kezo wird voraussichtlich ab dem vierten Quartal 2024 starten. Der Bau der ersten Wärmeleitungen ab der Ara wird bereits Anfang 2024 beginnen», sagt Vettiger.

Wo und wie lange mit Einschränkungen aufgrund der Bauarbeiten zu rechnen sei, sei aktuell noch unklar. «Grundsätzlich versuchen wir natürlich, die Bevölkerung möglichst wenig in ihrem Alltag einzuschränken», sagt der Tiefbauvorsteher. Wenn alles nach Plan laufe, könnten die ersten Haushalte im Jahr 2025 mit Ara- und Kezo-Fernwärme versorgt werden.

Für wen lohnt sich der Anschluss ans Fernwärmenetz?

Die jährlichen Kosten für Fernwärme setzen sich aus einmaligen Anschlussgebühren und jährlich wiederkehrenden Kosten zusammen, die einerseits von der Grösse der Heizung und andererseits vom Energieverbrauch abhängig sind.

Die Fernwärme ist ungefähr erst ab einer Heizungsleistung von 20 Kilowatt konkurrenzfähig mit einer Wärmepumpenheizung und eignet sich deshalb vor allem für Mehrfamilien-, Industrie-, Gewerbe- und Bürohäuser.

Einfamilienhäuser haben je nach Alter der Immobilie und Ausbaustandard einen Leistungsbedarf von etwa 7,5 bis 10 Kilowatt pro Jahr – obwohl der effektive Energieverbrauch tiefer ist, entstehen vergleichsweise höhere Einmal- und Fixkosten. Für Einfamilienhäuser und kleinere Mehrfamilienhäuser sind deshalb Wärmepumpen günstiger als eine Fernwärmeversorgung.  

«Der Anschluss an die Fernwärme ist aber prinzipiell für jeden möglich – wenn jemand mit Einfamilienhaus davon Gebrauch machen möchte, ist aber mit vergleichsweise hohen Kosten zu rechnen», sagt Heinrich Vettiger.

Genaue Kosten, konkrete Planung

Interessierte können auf der Website www.fernwaerme-wetzikon.ch ab sofort eine Richtpreisofferte für ihre Liegenschaft erstellen lassen. Dazu müssen verschiedene Parameter wie beispielsweise Adresse, Heizungsleistung und Gas- oder Ölverbrauch eingegeben werden.

Wer sich dazu entscheidet, die Fernwärme als zukünftige Energieversorgung zu nutzen, wird nach Anforderung der Richtpreisofferte kontaktiert. «Wärmelieferverträge oder Verträge für Übergangslösungen für alte Heizungen werden in Kürze abgeschlossen werden können.» Jedoch wären diese zur Genehmigung der Ausgliederung durch den Regierungsrat erst unter Vorbehalt gültig.

«Danach werden wir aktiv auf potenzielle Kundinnen und Kunden zu- und die konkrete Planung der individuellen Projekte angehen», sagt Vettiger.

Stand des Fernwärmeprojekts in Kürze

Im September 2022 trat das neue Energiegesetz des Kantons Zürich in Kraft. Laut Kanton soll bis 2040 das Netto-null-Ziel erreicht werden. Im Zuge dessen muss auch das Zürcher Oberland langfristig eine neue Energiestrategie entwickeln.

12. Mai 2023: Wetziker Fernwärmepläne stossen auf Interesse. Das geplante Fernwärmenetz soll mit Wärme aus der Kehrichtverwertung Zürcher Oberland (Kezo) in Hinwil und aus der Abwärme der hiesigen Abwasserreinigungsanlage (Ara) gespiesen werden.

7. Juni 2023: Wetzikon will Fernwärmenetz aufbauen, darüber wird am 18. Juni abgestimmt. Die Vorlage umfasst folgende Punkte: den Rahmenkredit von 80 Millionen Franken zum Aufbau des Netzes und die Gründung einer Aktiengesellschaft, um das Netz zu betreiben.

18. Juni 2023: Wetzikon sagt Ja zum Fernwärmenetz und zum Kredit über 80 Millionen Franken, welcher zum Aufbau der Fernwärmeversorgung ab Kezo und Ara Flos genutzt wird.

11. Juli 2023: Wetziker müssen trotz Annahme des Fernwärmenetzes erneut abstimmen. Grund ist ein juristischer Knackpunkt; das Netz soll von einer Aktiengesellschaft betrieben werden. Für die Gründung ist ein Ausgliederungserlass erforderlich.

23. August 2023: Pfäffikon legt Fernwärmeprojekt auf Eis. Für die Pfäffiker Werkkommission ist die Kezo-Fernwärme zu teuer. Es wird nach Alternativen gesucht.

3. September 2023: Auch bei der erneuten Abstimmung ist Wetzikon von der Fernwärmelösung überzeugt. Mit 82,29 Prozent Ja-Stimmen ist die Gründung der Fernwärme Wetzikon AG entschieden.

4. September 2023: Gemeinde Bubikon vergibt Konzession für lokales Fernwärmenetz an die Energie Zürichsee Linth AG.

7. September 2023: Gemeinde Dürnten schreibt in einer Mitteilung, dass sie das Fernwärmeprojekt unterstützt.

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