Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Politik

Wo Jugendliche und Politiker zusammentreffen

An Schulpodien diskutieren Politiker Themen wie Migration, Mobbing und Klimaschutz – das beschäftigt die Jugend.

Am Jungpolitikerpodium in Greifensee und bei der Veranstaltung «Politik über Mittag» bringen Referenten den Schülern das Thema Politik näher.

Foto: Paulo Pereira

Wo Jugendliche und Politiker zusammentreffen

Politik in der Schule

Die Jugend von heute ist die Zukunft von morgen. Aber interessieren sich junge Menschen überhaupt für Schweizer Politik? Was ist ihnen wichtig? Und was nervt sie? Wir fragen nach.

Um das Thema Politik schon früh zu thematisieren, kommen Politikerinnen und Politiker in die Schule. Dort diskutieren sie über Themen, die besonders für die Jugend relevant sind; Mobbing, Kinderarmut, Klimaschutz. Wir sind an Schulpodien in Greifensee und Wetzikon dabei und fragen nach – wie empfinden die Schüler die Veranstaltungen? Was motiviert Politiker, vor jungen Menschen zu sprechen?

Greifensee: Hitziges Hin und Her vor Sek-Schülern

Für einen Freitagnachmittag ist an diesem Tag viel los vor dem Musiksaal der Primarschule Breiti in Greifensee, wo ein Jungpolitikerpodium stattfindet. Die Schüler der Oberstufe Wüeri (OS Wüeri) sitzen im Schatten und plaudern fröhlich vor sich hin.

Wir fragen sie, ob sie sich auf den kommenden Austausch freuen. Sie schmunzeln, schauen sich gegenseitig an – so ganz genau wissen sie nicht, was sie erwarten wird. Manche jedoch können das Thema Politik recht gut einordnen.

Als wir nachfragen, antwortet ein Mädchen: «Politik ist für mich, dass alle Themen besprochen werden und alle Meinungen einen Platz finden. Und dann kann man herausfinden, was wichtig ist für die Gesellschaft.»

Im Musiksaal warten bereits die vier Politiker, die heute von den Fragen der Sek-Schüler in die Mangel genommen werden sollen. Die FDP hat das Podium organisiert, vertreten sind aber mehrere Polit-Parteien.

Benjamin Fischer (SVP), Thomas Hug (GLP), Nevin Hammad (SP) und Remo Stadler (Die Mitte) sitzen auf der Bühne des Saals und warten geduldig, bis sich das junge Publikum setzt.

Jungpolitiker in Greifensee
Nevin Hammad, Thomas Hug, Remo Stadler und Benjamin Fischer (von links) liefern sich vor den Sek-Schülern eine hitzige Debatte.

Nach der Vorstellungsrunde der vier Jungpolitiker geht es auch gleich ans Eingemachte. Die Moderatorin führt durch Themen wie Mobbing, Jugendgewalt, Rassismus und Klimawandel. Die Jugendlichen tuscheln immer mal wieder, vor allem, wenn eine Aussage polarisiert. Dann wird auch gelacht und geklatscht.

Besonders Benjamin Fischer erntet Reaktionen. Mit Witzen und schlagfertigen Antworten begeistert er das junge Publikum und erhitzt die Gemüter seiner Mitreferenten.

Dann stellen die Sek-Schüler Fragen. «Wie viele Geschlechter gibt es?», fragt einer von ihnen. «Zwei!», ruft Benjamin Fischer durch den Saal. Die Diskussion darum, ob das stimmt oder nicht, wird 20 Minuten dauern.

Wenn ich jetzt wählen dürfte, würde ich die SVP wählen. Aber ich würde mich auch für die Grünen einsetzen, weil mir die Umwelt sehr wichtig ist.

Schüler, 14 Jahre, OS Wüeri

Frage: Welche Partei würdest du wählen?

Am Ende des Podiums dürfen die Referenten kurz zusammenfassen, weshalb man sie oder ihre Partei wählen sollte. Warum das relevant ist, bleibt offen – die meisten Jugendlichen dürfen erst in vier Jahren mitreden. Ob das dem Zweck dient, heute schon Eindruck zu hinterlassen, um morgen Stimmen zu generieren?

Auf Rückfrage dementieren die Referenten. Es gehe eher darum, Interesse zu wecken, denn auch Jugendliche seien bereits mit politischen Themen konfrontiert – auch wenn sie noch nicht wählen dürften.

Politiker stehen Rede und Antwort

Warum kommen Politiker überhaupt in Schulen, wenn doch Jugendliche gar nicht wählen dürfen? Was ist der Zweck, junge Menschen in die Schweizer Politik einzuführen? Was beschäftigt die Jugendlichen? Die Referenten der Veranstaltungen «Jungpolitikerpodium» in Greifensee und «Politik über Mittag» in Wetzikon standen uns Rede und Antwort. Hier geht es zu den Interviews.

«Ich hoffe, die Diskussionen gehen auf dem Pausenplatz oder in der Klasse weiter. Die Kinder sollen aus dem Podium mitnehmen, Themen kritisch zu diskutieren und zu reflektieren», sagt Thomas Hug (GLP).

Das hat anscheinend ganz gut geklappt. Die Schüler der Oberstufe stehen nach 15 Minuten noch vor dem Saal und diskutieren über die Themen – und das, obwohl sie jetzt Wochenende hätten.

«Arena»-Stimmung in der KZO-Aula

Ein paar Tage nach dem Jungpolitikerpodium in Greifensee findet eine ähnliche Veranstaltung in Wetzikon an der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) statt.

Im Rahmen des Freifachs «Politik über Mittag» setzen sich die Schüler mit verschiedenen politischen Themen auseinander. Sie durchleuchten das Schweizer Politiksystem, thematisieren verschiedene Vereine und Parteien.

Aber vor allem wird darüber diskutiert, was die Schülerinnen und Schüler beschäftigt. Es sind wichtige Themen wie Migration, Energieressourcen oder Altersvorsorge.

Und es beschäftigt viele von ihnen: Das Freifach ist beliebt und das freiwillige Podium gut besucht. Drei Nationalratskandidaten warten auf der Bühne auf das junge Publikum. Die Aula der KZO zählt an diesem Dienstagmittag über 300 Schülerinnen und Schüler.

Es wird schnell ruhig in der grossen Aula, als Moderator Alessio ins Mikrofon pfeift. Er und Salma sind im Freifach eingeschrieben und haben sich im Vorhinein eingehend auf die Veranstaltung vorbereitet. «Politik ist wichtig. Sie betrifft uns alle. Ich bin nun sehr gespannt auf den Austausch und die Argumente», sagt Salma.

Jungpolitikerpodium
Alessio und Salma haben das Podium souverän moderiert. Sie nehmen regelmässig am Freifach «Politik über Mittag» teil.

Michèle Dünki-Bättig (SP), Martin Hübscher (SVP) und Nicola Forster (GLP) diskutieren über Migrationspolitik, die Schweizer Wirtschaft, Kinderarmut und Mindestlöhne. Das Ganze wird souverän von den zwei Moderatoren geführt.

Man lässt einander ausreden, dennoch ist die Diskussion spannend. Die Kanti-Schüler nuscheln ab und an, hören aber aufmerksam zu.

Am Ende kommen Stimmen aus dem Publikum: Ist denn die Gleichberechtigung nicht schon gegeben? Will man unsere schönen Berge wirklich mit Solarpanels zupflastern? Diese Kinder, sie machen sich Gedanken um unsere Schweiz, um ihre Zukunft.

Gutes Podium, langsame Politik

Nach den Veranstaltungen äussern sich Schülerinnen und Schüler zu den Podien. An beiden Orten fanden sie es spannend – sowohl im Schulhaus Breiti als auch an der Kantonsschule Zürcher Oberland. Das Interesse ist gross, vor allem, weil Themen besprochen wurden, die sie im Alltag betreffen und beschäftigen.

Besonders der Austausch der Politiker, die Diskussionen, das Hin-und-her-Spielen gedanklicher Bälle haben die Jugendlichen nachhaltig beeindruckt. «Ich fand es cool, dass sie richtig angefangen haben zu diskutieren, alles gesagt haben, was sie denken, und sich wirklich für ihre Ansichten eingesetzt haben», sagt eine Schülerin (14 Jahre, OS Wüeri).

Es nervt mich, dass nicht zusammengearbeitet wird. Jeder hat seine Ideale und vertritt seine Meinung. Aber es wirkt nicht so, als würde man nicht wirklich versuchen, eine Lösung zu finden.

Schüler, 15 Jahre, KZO

Frage: Was stört dich an der Schweizer Politik?

Aber auch Kritik wird laut – nicht zum Podium, sondern über das politische System, die Problemlösungsfindung. «Die Schweizer Politik wirkt extrem langsam. Wenn ein Problem angegangen wird, generiert das einfach weitere Probleme. Aber es passiert wenig», sagt ein Schüler (15 Jahre, KZO) nach dem Podium in Wetzikon.

Es kann also auch frustrierend sein, sich mit Themen auseinanderzusetzen, die man nicht direkt beeinflussen kann. Um zu wählen und abzustimmen, sind die Schülerinnen und Schüler nämlich zu jung.

«Ich setze mich in meiner Freizeit nicht so sehr mit Politik auseinander, ich darf ja auch noch nicht wählen. Aber das Podium war wirklich cool», sagt eine Schülerin (16 Jahre, KZO).

Was bleibt, sind die Eindrücke der Veranstaltungen, die anregenden Gespräche, der Austausch. Und vielleicht erreichen die Politiker damit ja einige Jugendliche, die in ein paar Jahren aktiv die Zukunft unserer Schweiz mitgestalten.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns