Sieben Politiker erklären, warum Schuldebatten wichtig sind
Politik in der Schule
Nach den politischen Podien im Schulhaus Breiti in Greifensee und in der Kantonsschule Zürcher Oberland in Wetzikon stehen uns Politikerinnen und Politiker Rede und Antwort zum Thema «Politik in der Schule».
Politik ist wichtig – und das sollen Jugendliche auf möglichst zugängliche Art und Weise erfahren. Sie sollen diskutieren und debattieren über Themen, die sie beschäftigen. Und das wird ihnen vorgemacht – von Politikerinnen und Politikern, die genau diese Themen diskutieren, die für junge Menschen relevant sind: Mobbing, Kinderarmut, das Klima.
Am Jungpolitikerpodium in Greifensee und an der Veranstaltung «Politik über Mittag» in Wetzikon treffen wir sieben Politiker, die vor den Schülern auftreten. Sie erzählen, warum das wichtig ist.
«Kritisch diskutieren und reflektieren»
Thomas Hug ist Mitglied der GLP. Er war als Referent beim Jungpolitikerpodium mit der Oberstufe Wüeri in Greifensee.

Mit welcher Motivation kommen Sie an eine Schuldebatte?
Ich bin in Greifensee aufgewachsen, habe einen persönlichen Bezug zur Schule hier. Ich finde es wichtig, dass sich Schülerinnen und Schüler mit Politik befassen, merken, dass es unterschiedliche Positionen gibt und Meinungen eingebracht werden.
Was sollen die Schülerinnen und Schüler aus dem Podium mitnehmen?
Ich hoffe, die Diskussionen gehen auf dem Pausenplatz oder in der Klasse weiter. Die Kinder sollen aus dem Podium mitnehmen, Themen kritisch zu diskutieren und zu reflektieren.
Wie empfanden Sie das Podium?
Die Diskussionen unter uns Referenten lief kontrovers, aber sehr spannend. Es ist schön zu hören, welche Themen die Kinder bewegen. Es kamen spannende und wichtige Fragen, da konnten wir ja kaum aufhören zu diskutieren.
«Toleranz als Grundstein für ein friedliches Zusammenleben»
Martin Hübscher ist Mitglied der SVP und kandidiert für den Nationalrat. Er war als Referent bei «Politik über Mittag» in der KZO in Wetzikon.
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Warum ist es wichtig, für politische Themen in die Schule zu kommen?
Schülerinnen und Schüler können so das politische System, die Demokratie, die Gewalten und vor allem auch die Debattenkultur unter den Parteien kennenlernen. An solchen Debatten lernen sie am besten, dass es nicht nur Schwarz und Weiss gibt, sondern alles einen politischen Weg erfordert.
Warum ist es denn wichtig, dass sie das lernen?
Wenn man sich mit dem Gegenüber, mit anderen Meinungen auseinandersetzt, fördert das Toleranz und Verständnis für andere Ansichten. Und Toleranz ist der Grundstein für ein friedliches Zusammenleben.
Glauben Sie, die Jugendlichen interessieren sich nun nach dem Podium mehr für Schweizer Politik?
Ich habe das Publikum als sehr interessiert empfunden. Auch die Moderation war super. Ich hoffe, das Podium gibt den Schülern Mut, ihre Meinung zu äussern und hinter ihren Ansichten zu stehen – und trotzdem respektvoll miteinander umzugehen.
«Es geht um Menschen und Realitäten»
Nevin Hammad ist Mitglied der SP. Sie war als Referentin beim Jungpolitikerpodium mit der Oberstufe Wüeri in Greifensee.

Warum machen Sie bei einem Podium in der Schule mit?
Gerade als Jungpolitikerin ist es wichtig, anzuerkennen, dass sich in der Schweiz viele junge Leute mit Politik auseinandersetzen – und das sollte man fördern. Sie sollen verstehen, dass Politik nicht nur das Bundeshaus ist, ein paar Leute, die da was besprechen. Es geht um Menschen und Realitäten.
Was sollen die Schüler daraus mitnehmen?
Wenn ihnen die Themen am Herzen liegen, gibt es Gleichgesinnte, die für dieselbe Sache kämpfen. Und dass sie mitreden können, wenn sie wollen.
Wie fanden Sie das Podium?
Es war teilweise sehr emotional geladen, aber das macht es ja auch spannend. Gerade die Genderdebatte hat die Meinungen ja sehr gespalten und auch im Publikum Emotionen ausgelöst. Vielleicht ist jemand in dem Raum queer oder trans – es ist wichtig, die Jugendlichen mit dieser Thematik zu konfrontieren. Es geht nicht um abstrakte Menschen, die irgendwo existieren, sondern um Lebensrealitäten.
«Wir wollen politische Vielfalt darstellen»
Remo Stadler gehört der Partei Die Mitte an. Er war als Referent beim Jungpolitikerpodium mit der Oberstufe Wüeri in Greifensee.

Warum ist Politik in Schulen wichtig?
Solche Veranstaltungen bieten den Kindern einen niederschwelligen Zugang zur Politik. Sie werden kaum freitagabends oder am Wochenende die «Arena» schauen oder sich aktiv informieren – also ist das die beste Möglichkeit, ihnen die Themen näherzubringen.
Kommen Sie vielleicht auch her, um die Jugendlichen von Ihrer politischen Meinung zu überzeugen?
Für mich geht es darum, politische Vielfalt darzustellen. Klar vertreten die Referenten ihre Meinung und damit auch ein Stück weit die Ansichten ihrer Partei. Aber so zeigen wir den Oberstüflern, wie die Realität aussieht. Und solange alle Meinungen einen Platz finden und die Vielfalt repräsentiert ist, sehe ich das als gewinnbringend an.
Also finden Sie es auch wichtig, dass die Schüler Meinungen hören, die Sie vielleicht nicht vertreten?
Auf jeden Fall. Man sollte sich immer mit der Meinung des Gegenübers auseinandersetzen – es gibt ja einen Grund dafür, eine Argumentation, weshalb jemand eine Meinung hat. Nur wenn man die Argumente aller Beteiligten hört, kann man sich wirklich überlegen, was für einen selbst wichtig ist.
«Was die da vorne können, kann ich auch»
Michèle Dünki-Bättig ist Mitglied der SP und kandidiert für den Nationalrat. Sie war als Referentin bei «Politik über Mittag» in der KZO in Wetzikon.

Warum ist Politik in der Schule wichtig?
Die Schülerinnen und Schüler können ins Thema Politik reinschnuppern und Politiker und Politikerinnen erleben. Sie können sich zu einzelnen Themen eine Meinung bilden. Und vielleicht überlegen sie sich dann: Was die da vorne können, kann ich auch.
Glauben Sie, Schüler interessieren sich für Politik?
Ich denke, dass das politische Interesse bei Jugendlichen oft unterschätzt wird. Durch Social Media sind sie nah am Tagesgeschehen – das ist anders als früher, als die Zeitung der Eltern einfach auf dem Tisch lag. Andererseits glaube ich, wir haben heute Themen, die für Jugendliche zentral sind – zum Beispiel der Klimawandel. Das ist der Planet, auf dem sie ihre Zukunft gestalten.
Denken Sie, dass die politischen Interessen anders sind bei Kantons-, Berufs- und Sek-Schülern?
Ich denke, zentrale Themen wie der Klimawandel oder die Gleichstellung beschäftigen alle Jugendlichen. Wie sie mit den Themen in Berührung kommen, kann aber schon unterschiedlich sein. Wenn man beispielsweise in der Berufsschule ist, ist man unter anderem mit praktischeren Themen aus dem eigenen Berufsalltag konfrontiert.
«Die jungen Leute sind unsere Zukunft»
Nicola Forster ist Mitglied der GLP und kandidiert für den Nationalrat. Er war als Referent bei «Politik über Mittag» in der KZO in Wetzikon.

Warum ist es für Sie wichtig, in Schulen über Politik zu reden?
Ich finde es extrem wichtig, dass sich die junge Generation für Fragen der Gesellschaft interessiert, seien das nun Energiefragen, Europa, Klima, soziale Fragen. Die jungen Leute sind unsere Zukunft.
Wie gestaltet man ein Podium spannend für Jugendliche?
Ich glaube, es muss nicht nur gehaltvoll, sondern auch unterhaltsam und lustig sein. Man muss einen Draht zu den Jugendlichen finden – sie beschäftigen sich im Alltag vielleicht nicht so sehr mit Politik, also muss man Brücken zu ihnen bauen.
Was sind besonders wichtige Themen für junge Menschen?
Alle Themen, die langfristig wichtig sind. Wenn man heute 12, 13 Jahre alt ist, ist man vom Klimawandel zum Beispiel viel mehr betroffen als eine Person mit 60. Man wird sein ganzes Leben noch mit diesen Themen konfrontiert und hat einen langfristigeren Blick auf die Thematik.
«Sie sind nicht so voreingenommen»
Benjamin Fischer ist Mitglied der SVP. Er war als Referent beim Jungpolitikerpodium mit der Oberstufe Wüeri in Greifensee.
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Warum ist es spannend für Sie, an solchen Podien teilzunehmen?
Ich habe das früher als Jugendlicher schon gerne selbst gemacht. Der Austausch ist extrem interessant. Ich finde sogar, dass solche Anlässe mit Schülern spannender sein können als mit Erwachsenen – junge Leute sind nicht so voreingenommen.
Glauben Sie, Politiker wollen die Schüler von ihrer Partei überzeugen?
Jede Partei will von sich überzeugen – aber halt mit Argumenten. In der Schule möchte ich den Schülern ein repräsentatives Bild davon zeigen, wie politische Prozesse ablaufen. Dafür muss die Runde natürlich politisch ausgeglichen sein.
Was ist an Podien für Schülerinnen und Schüler wichtig?
Ich denke, dass man ihnen einen spannenden Austausch bieten muss, wo die Argmuentationen hin und her fliegen – sonst schlafen die Jugendlichen ein. Dann kann man ihnen zeigen, dass das Themen sind, die sie betreffen. Ausserdem finde ich es wichtig, die richtige Sprache zu sprechen; ich vertrete zwar immer dieselbe Meinung, aber natürlich rede ich mit Jugendlichen anders als an einem Anlass mit Bankmitarbeitern oder am Schwingfest.
Jugendliche lernen Politik
Wie empfanden die Schülerinnen und Schüler die Diskussionen? Wie war der Nachmittag für sie? Einen ausführlichen Bericht zum Besuch der Veranstaltungen und zu den Eindrücken der Jugendlichen finden Sie hier.
