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Das sagen die Egger Parteien zum Ende des Bützi-Projekts

Die Gemeine Egg stoppt das ambitionierte Schulhaus-Projekt. Die Stimmen aus den Parteien reichen von Entrüstung bis Wohlwollen.

So unbebaut sieht die Wiese rund um das Schulhaus Bützi aus – und sie wird es wohl eine Weile so bleiben.

Foto: Renato Bagattini

Das sagen die Egger Parteien zum Ende des Bützi-Projekts

Schulraumplanung Egg

Die Meinungen der Parteien klaffen auseinander. Die SVP findet, man werde nicht klüger in einem modernen Gebäude, während SP und Pro Egg sich überrumpelt fühlen.

Es klang gut und war ambitioniert geplant, hatte aber auch seinen Preis: Das neue Schulhaus Bützi hätte zwischen 23 und 25 Millionen gekostet. Das war dem Egger Gemeinderat zu teuer. Nun hat er die Notbremse gezogen und das ganze Projekt abgeblasen. Das nur drei Monate nachdem das Siegerprojekt «Pozza» des Architekturwettbewerbs erkoren worden war.

Der Gemeinderat sagte, die Schulpflege und die Schulführung stünden geschlossen hinter dem Kurswechsel. Das vor drei Jahren erstellte Provisorium in der Schulanlage Bützi sowie die Aufstockung des Schulhauses Vogelsang in Esslingen hätten dem Schulbetrieb schon eine merkliche Entlastung gebracht.

Später Bescheid

Ein weniger einheitliches Bild ergibt eine Umfrage unter den Lokalparteien. Dabei stellt sich auch heraus, dass die 2018 gegründete Begleitgruppe Schulraumplanung Egg erst am Mittwoch, 6. September, um 20 Uhr von der Gemeinde informiert und vor vollendete Tatsachen gestellt wurde.

Tobias Zerobin, der Gemeindeschreiber von Egg, sagt, die Begleitgruppe habe zu dem Zeitpunkt ihre Aufgabe sowieso schon erfüllt gehabt und sei nicht mehr so eng involviert gewesen in das Projekt «Schulhaus Bützi». «Die Begleitgruppe ist korrekterweise einen Tag vor den Medien informiert worden», sagt er.

Die Meldungen der Parteien klaffen auseinander, wie eine Umfrage bei SP, SVP, FDP und Pro Egg zeigt. Die Mitte und die GLP wollten sich bislang noch nicht äussern.

SP-Parteipräsidentin Barbara Collet

«Die SP Egg nimmt die Kehrtwende des Gemeinderats betreffend Bauprojekt im Bützi mit Erstaunen zur Kenntnis. Auf den ersten Blick kann aus unserer Sicht die Baukostenverteuerung nur einer von mehreren Gründen für den Vollstopp sein. Die Partei geht von einer Klärung anlässlich der Informationsveranstaltung vom 25. September aus.

Einer – wie in der Verlautbarung des Gemeinderats erwähnten – ‹gezielten Erweiterung der bestehenden Schulgebäude› mit einem Fokus auf Sanierungen stand die SP Egg seit je und stehen wir grundsätzlich positiv gegenüber. Die Frage wird zu beantworten sein, wie dem ausgewiesenen Platzbedürfnis der Tagesstrukturen, der Musikschule und des Schulturnens nun begegnet wird.

Die Partei ist der Meinung, dass ein Aufklärungsbedarf betreffend Eckpunkte einer umsichtigen Finanzplanung seitens der Gemeinde Egg besteht.»

SVP-Parteipräsident Tobias Infortuna

«Der Planungsstopp war mit Sicherheit ein vernünftiger Entscheid. Die Kosten für das Projekt ‹Bützi› waren inzwischen um 50 Prozent auf rund 25 Millionen gestiegen, was die Finanzlage der Gemeinde unter zu hohen Druck gebracht hätte. Eben erst wurde der Steuerfuss um drei Prozentpunkte erhöht. Weitere sieben Prozentpunkte hätten die Gemeinde Egg im Vergleich mit den umliegenden Gemeinden ins Abseits gestellt. Denn die Kosten für die Sanierung der Schulanlage Zentrum wurden ja auch noch nicht beziffert und wären ohne nochmalige Steuerfusserhöhung nicht zu stemmen.

Der Gemeinderat kann bestätigen, dass nach der Erstellung des Provisoriums im Bützi und der Aufstockung in Esslingen derzeit keine Notlage betreffend Schulraum besteht. Die angetönte Strategie, nun auf kostengünstige Erweiterungen statt auf teure Neubauten zu setzen, ist zu begrüssen. Kinder werden weder gescheiter noch glücklicher, wenn sie in einem preisgekrönten statt in einem kostengünstigen Bau unterrichtet werden.»

FDP-Parteipräsident Markus Gonseth

«Wir stehen hinter diesem Entscheid und finden es gut, dass man sich Zeit gibt und auf die Finanzen Rücksicht nimmt. Das Projekt war schön, aber wir haben es uns als Gemeinde einfach nicht leisten können. Es war gross geplant, aber die Gemeinde Egg steht leider finanziell nicht mehr so gut da wie auch schon.

Wir haben genügend Schulraum im Moment. Sollte die Egger Bevölkerung mit Kindern auch in Zukunft weiterwachsen wie in den vergangenen Jahren, könnte man immer noch bestehende Bauten renovieren oder temporäre Schulhausbauten erstellen.»

Pro-Egg-Parteipräsident Sergio Oesch

«Wir waren entrüstet über diese Nachricht. Da ging ein Aufschrei bei uns durch die Reihen. Erst im Juni wurde der Sieger des Architekturwettbewerbs erkoren. Wir finden es durchaus fragwürdig, dass man erst ein Projekt freigibt, um es nur nach ein paar Monaten wieder zurückzuziehen. Das wirkt sehr unprofessionell. Auch die Menschen, die in der Begleitgruppe Schulraumplanung Egg sassen, fühlen sich veräppelt. Sie haben Zeit investiert, das war alles ehrenamtlich, sie haben alle drei Monate an Sitzungen teilgenommen, nur um festzustellen, dass Egg sich das jetzt nicht mehr leisten will.

Dass man argumentiert, der Steuerfuss müsse sonst um sieben Prozentpunkte erhöht werden, finden wir irritierend. Diese Erhöhung stand schon vor der Projektplanung im Raum. In der Vergangenheit ist Egg sehr fragwürdig mit den Finanzen umgegangen. Viele Egger zucken die Schultern, wenn sie zum Beispiel an den Chilbiplatz denken. Da käme es auf die 3 bis 5 Millionen Mehraufwand wohl auch nicht mehr darauf an. Zudem würde mich interessieren, wie viel Geld jetzt mit dieser Projektplanung schon verpulvert wurde. Ich schätze: 1 Million, weiss es aber nicht konkret.»

Es ist interessant, dass die Gemeinde Egg bewusst erst nach der Gemeindeversammlung von vorletztem Montag informiert hat. Sonst wäre es wohl dann schon zu längeren Diskussionen gekommen.

In der Medienmitteilung steht, Schulpflege und Schulführung stünden geschlossen hinter dem Entscheid. Der Präsident der Schulpflege, Urs Rehhorn (parteilos), möchte zurzeit keine weiteren Auskünfte geben und verweist auf die Informationsveranstaltung vom 25. September. «Detaillierte Ausführungen wird der Gemeinderat dann erläutern», schreibt er auf Anfrage.

Auch Claudio Zambotti, Leiter Bildung in Egg, möchte sich nicht äussern und verweist seinerseits an den Gemeindeschreiber Tobias Zerobin. «Er ist für die externe Kommunikation betreffend Schulraumplanung zuständig.»

Jedenfalls dürfte es ein interessanter Abend werden, mit kritischen Fragen aus der Bevölkerung und von denjenigen Parteien, die sich nun etwas vor den Kopf gestossen fühlen.

Informationsveranstaltung am 25. September

Der Gemeinderat Egg organisiert eine Info-Veranstaltung im Hirschensaal in Egg. An dem Abend werden die Gründe für den Projektstopp detailliert dargelegt, und es wird aufgezeigt, wie es mit der Schulraumentwicklung vor Ort weitergehen kann.

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